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Tinnitus und Stress: Ursachen von stressbedingtem Tinnitus und Behandlung

Bildquelle: Jose Gonzalez Buenaposada
Das Wichtigste in Kürze
- Stresshormone können das Gehör beeinflussen, indem sie Rezeptoren im Innenohr beeinflussen und Gehirn und Nervensystem verändern.
- Es gibt viele Studien, die darauf hinweisen, dass Tinnitus stressbedingt auftreten kann.
- Tinnitus und Stress verstärken sich oft gegenseitig: Stress kann die Tinnitus-Symptome auslösen oder verstärken, während die dauerhafte Wahrnehmung des Tinnitus zu einem erhöhten Stresslevel führen kann.
- Tinnitus hängt mit psychischen Problemen wie posttraumatischen Belastungsstörungen, Schlafproblemen, Depressionen, Angststörungen und Burn-out zusammen.
- Pulsierender Tinnitus äußert sich durch ein rhythmisches Ohrgeräusch, das im Takt mit dem Herzschlag pulsiert, und kann durch schlechte Durchblutung oder Bluthochdruck, oft verstärkt durch Stress, ausgelöst werden.
- Wenn Tinnitus durch Stress ausgelöst wird, sollte bei der Tinnitus-Diagnose das Stresslevel mittels einer psychologischen Untersuchung und Analyse aktueller Stressfaktoren und Bewältigungsstrategien erfasst werden.
- Bei stressbedingtem Tinnitus ist insbesondere die Stressreduktion entscheidend. Eine Kombination aus therapeutischen und selbststärkenden Methoden kann helfen, die Symptome zu lindern.
- Als therapeutische Ansätze bei stressbedingtem Tinnitus eignen sich unter anderem die medikamentöse Behandlung, die kognitive Verhaltenstherapie, die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion sowie Biofeedback und Neurofeedback.
- Ein gesunder Lebensstil lindert Stress und Tinnitus. Auch Stressbewältigungstechniken, Aromatherapie, das Nachgehen von Hobbys, der positive Umgang mit sich selbst, das Vermeiden von Stressoren, der Austausch mit Betroffenen und Körperkontakt können helfen, stressbedingte Symptome zu reduzieren.
- Einige nützliche Supplements bei stressbedingtem Tinnitus sind Antioxidantien, Ashwagandha, B-Vitamine, Ginkgo biloba, Ginseng, L-Theanin und Melatonin.
- Auch Hörgeräte können gegen Stress und Tinnitus wirken. So haben Hörgeräte-Träger ein niedrigeres Stresslevel, eine bessere Schlafqualität und seltener depressive Symptome.
1. Stress und das Gehör
Wenn wir gestresst sind, schüttet unser Körper Stresshormone wie Cortisol aus, die dem Körper zwar helfen, mit akutem Stress umzugehen, aber auch Entzündungsprozesse und Verhalten beeinflussen. Cortisol wirkt auf zwei Arten: langfristig durch Veränderung der Genaktivität und schnell durch direkte Wirkung an der Zelloberfläche.
- Stresshormone beeinflussen unser Gehör, indem sie Rezeptoren im Innenohr beeinflussen. Besonders Aldosteron, das sogenannte „Salzhormon“, ist wichtig für den Salz- und Kaliumhaushalt im Ohr. Ein Ungleichgewicht durch Stress kann Ohrenprobleme wie Schwindel oder Tinnitus auslösen, wie es möglicherweise auch bei Morbus Menière vorkommt.
- Stress kann zudem das Gehirn und Nervensystem verändern, indem es die Kommunikation zwischen Nervenzellen beeinflusst. Glutamat, ein wichtiger Stoff für Lernen, Erinnern und Hören, könnte durch Stress verändert werden und somit die Hörwahrnehmung beeinflussen.
- Bei physischem Stress ist zwischen zwei Arten zu unterscheiden. Chronischer Stress kann das Gehör schädigen. Akuter Stress hingegen kann durch das Hormon Kortikosteron vor Lärmschäden schützen. Die Schutzwirkung ähnelt der von Medikamenten bei akutem Hörverlust.
Kurz zusammengefasst: Stress beeinflusst viele Systeme im Körper und auch schlechtes Hören und Stress stehen miteinander in Verbindung. Wie stark der Einfluss von Stress auf das Gehör ist, hängt davon ab, wie lange und welche Art von Stress wir erleben.
2. Stressbedingter Tinnitus
Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Tinnitus stressbedingt auftreten kann.

Chronischer Stress bei der Arbeit kann dazu führen, dass Tinnitus entweder ausgelöst oder verstärkt wird. Bildquelle: Mizuno K
HNO-Ärzte und Audiologen haben häufig beobachtet, dass viele Menschen mit Tinnitus vor dem Auftreten der Symptome psychischem Stress ausgesetzt waren, was darauf schließen lässt, dass Stress eine Tinnitus-Ursache darstellt.
- Bereits 1841 stellte ein britischer Arzt fest, dass in zwei von fünf Fällen die Patienten den Beginn ihres Tinnitus auf emotionalen Stress, wie den Tod eines Familienmitglieds, zurückführten. Damit kam die Frage auf, ob Tinnitus stressbedingt auftreten kann.
- Über 170 Jahre später zeigten zwei groß angelegte Studien, dass starker Stress mit Tinnitus zusammenhängt. Eine der Studien zeigte, dass Stress das Risiko, Tinnitus zu entwickeln, fast ebenso stark erhöht wie Lärm am Arbeitsplatz. Das Risiko für Tinnitus verdoppelt sich sogar, wenn man sowohl Stress als auch Lärm ausgesetzt ist. Bei bestehendem Tinnitus wird das Ohrenrauschen durch Stress verschlimmert.
- Die andere Studie zeigte, dass ein Drittel der Arbeiter Hörprobleme, Tinnitus oder beides hatte. Zudem wurde festgestellt, dass Tinnitus oft mit Schlafproblemen einhergeht und Personen mit starkem Tinnitus mehr Stress empfinden als solche mit mildem Tinnitus. Auf das Thema Schlaf und Tinnitus wird später im Beitrag noch detaillierter eingegangen.
- Es gibt auch Hinweise darauf, dass das Stresshormon Cortisol bei Tinnitus-Patienten dauerhaft erhöht ist. Ihre Reaktion auf psychischen Stress ist verzögert und weniger intensiv, was auf eine ineffiziente Glukokortikoid-Antwort hindeutet. Diese Ineffizienz ist auch bei der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und Burn-out zu finden. Auch auf PTBS, Burn-out und ihre Verbindung zu Tinnitus wird im weiteren Verlauf des Beitrags eingegangen.
- Wissenschaftler vermuten, dass Tinnitus häufig durch eine Schädigung des Innenohrs ausgelöst wird, die zu Veränderungen im zentralen Nervensystem führt. Es bleibt jedoch die Frage, ob Stress diese Schäden verursacht oder die bestehenden Veränderungen im Gehirn verstärkt.
3. Teufelskreis: Tinnitus und Stress
In Bezug auf Tinnitus und Stress scheint es häufig zu einem Teufelskreis zu kommen:
- Körperliche Reaktionen auf Stress: Lang anhaltender Stress schädigt die Ohren: Stress kann die Funktionsweise des Gehörs beeinträchtigen und Tinnitus-Symptome verschärfen. Stresshormone wie Cortisol wirken sich auf die Wahrnehmung von Tinnitus aus, indem sie die Empfindlichkeit des Gehörs steigern und Veränderungen in den Nervenzellen des Gehirns auslösen.
- Psychische Auswirkungen: Die dauerhafte Wahrnehmung des Tinnitus kann zu erhöhter Anspannung führen, da es den Betroffenen schwerfällt, zur Ruhe zu kommen. Dies kann einen Teufelskreis erzeugen, bei dem Stress die Tinnitus-Symptome verstärkt und der Tinnitus wiederum das Stressempfinden steigert.
- Vermeidungsverhalten: Personen, die unter Tinnitus leiden, neigen oft dazu, bestimmte Situationen zu meiden – aus Angst, die Symptome könnten sich verschlimmern. Diese ständige Vorsicht im Alltag kann zu einem Rückzug aus sozialen Kontakten führen. In der Folge verstärken sich häufig Isolation und psychischer Stress, was den Leidensdruck zusätzlich erhöht.
- Emotionale Belastung: Das Gefühl, stressbedingten Tinnitus nicht kontrollieren zu können, führt bei Betroffenen häufig zu Frustration und Hilflosigkeit. Diese emotionale Anspannung kann sich mit der Zeit verstärken und das Stressempfinden zusätzlich steigern. Nicht selten mündet dieser Zustand in der Entwicklung einer Depression oder Angststörung.
4. Psychischer Stress als Tinnitus-Ursache und -Folge
Tinnitus wird, neben anderen Tinnitus-Ursachen, oft mit psychischen Problemen wie posttraumatischen Belastungsstörungen, Schlaflosigkeit, Depressionen, Angstzuständen und Burn-out in Verbindung gebracht. Sind Tinnitus-Ursachen psychisch bedingt, gilt es, einiges zu beachten.
Gut zu wissen: Tinnitus und Stress scheinen in einer Wechselwirkung miteinander zu stehen: Psychischer Stress kann sowohl als Ursache oder Verstärker von Tinnitus wirken als auch als Folge von Tinnitus auftreten. In diesem Fall kann man das Ohrensausen durch Stress auch als psychischen Tinnitus bezeichnen. Ein umfassender Behandlungsansatz, der körperliche und psychologische Aspekte berücksichtigt, ist hierbei von großer Bedeutung.
Ebenfalls interessant: Auch Schwerhörigkeit und Psyche beeinflussen sich oft gegenseitig und sogar bei Demenz und Schwerhörigkeit zeigen sich deutliche Zusammenhänge. In unseren ausführlichen Beiträgen zu diesen Themen erfahren Sie mehr dazu.
Vor allem hohe Tinnitus-Schweregrade hängen oft mit psychischen Störungen zusammen. Warum ist Tinnitus aber mit psychischem Stress verbunden?
- Stimmungsstörungen wie Angst oder Depressionen hängen mit Problemen bei der Funktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn zusammen. Diese Botenstoffe sind wichtig, damit sich der Körper an die Tinnitus-Geräusche gewöhnen kann. Normalerweise hilft dieser Gewöhnungsprozess dabei, das ständige Ohrgeräusch mit der Zeit als weniger störend zu empfinden. Er schützt unser Hörsystem vor Überlastung. Wenn aber diese Botenstoffe nicht richtig arbeiten oder emotionale Probleme den Gewöhnungsprozess stören, kann das erklären, warum Tinnitus oft mit psychischen Problemen wie Angst oder Depressionen verbunden ist.
- Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, auch Stress-Achse genannt, kommen bei Angstzuständen, Depressionen und Tinnitus häufig vor. Diese Störungen führen zu chronisch erhöhten Cortisolspiegeln, die das limbische System, insbesondere die Amygdala, beeinflussen können. Die Amygdala spielt eine wichtige Rolle in der Angstreaktion und bei den Symptomen von Depressionen und ist auch mit Tinnitus verbunden.

Tinnitus und psychischer Stress gehen häufig Hand in Hand. Bildquelle: SHVETS production
4.1. Posttraumatische Belastungsstörung und Tinnitus
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und Tinnitus haben gemeinsam, dass Betroffene eine geringere Toleranz gegenüber lauten Geräuschen aufweisen. Bei Tinnitus-Patienten können Verschlimmerungen auftreten, wenn bestimmte Geräusche vergangene traumatische Erlebnisse in Erinnerung rufen.
Eine weitere Verbindung besteht in der medikamentösen Behandlung beider Störungen. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind eine gängige Therapieoption für PTBS, da beide Störungen ähnliche biochemische Auslöser teilen und daher auf dieselben Medikamente ähnlich reagieren können.
- Studien haben gezeigt, dass bei Veteranen mit PTBS die Lautstärke des Tinnitus während stressreicher Phasen zunahm.
- Zudem deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Tinnitus selbst ein wesentlicher Faktor für PTBS-Symptome sein kann, da er oft auf laute Geräusche wie Schüsse und Explosionen aus traumatischen Erlebnissen zurückzuführen ist.
- Auch auf neuronaler Ebene zeigen beide Störungen Gemeinsamkeiten. Es wurde beobachtet, dass sich bei PTBS und Tinnitus Veränderungen in der Anatomie des Gehirns, insbesondere im Thalamus, Hippocampus und der Amygdala, ergeben.
- Bei Missbrauchs- und Traumaopfern wurde eine reduzierte Durchblutung und Volumenminderung des Hippocampus festgestellt. Diese Beziehung wird durch die Wechselwirkungen zwischen der Amygdala und dem medialen präfrontalen Kortex weiter verkompliziert.
4.2. Mit Tinnitus schlafen
Für viele Betroffene ist es ein großes Problem, mit Tinnitus schlafen zu können. In einer Studie im Vereinigten Königreich wurde aufgezeigt, dass fast siebzig Prozent der Patienten mit Tinnitus auch Schlafprobleme hatten. Der Stress, den Tinnitus verursacht, war oft mit schlimmen Schlafstörungen verbunden.
Studien zeigen, dass die Ursachen von chronischem Tinnitus und Schlaflosigkeit ähnlich sind. Dazu gehören negative Gedanken und erhöhte Erregungszustände. Daher helfen Formen der Tinnitus-Behandlung häufig auch bei Schlafproblemen, da beide mit Depressionen und Angst zu tun haben. Beide Erkrankungen können eine Überaktivität des Nervensystems und anderer Bereiche im Gehirn auslösen.
4.3. Tinnitus bei Depression
Zahlreiche Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Tinnitus gibt. Einige Untersuchungen legen nahe, dass bestimmte Bereiche im Gehirn, wie die vordere Parietalregion und das limbische System, daran beteiligt sein könnten.
Gemäß den Ergebnissen einer Studie litten 28 Prozent der Menschen mit Tinnitus auch an Depressionen. Insgesamt lag die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Depression zu bekommen, bei 35 Prozent. Eine andere Untersuchung bei US-Veteranen zeigte, dass 38 Prozent der Tinnitus-Betroffenen ebenfalls Depressionen hatten. Man vermutet, dass Depressionen den Prozess stören können, sich an das Ohrgeräusch zu gewöhnen.
4.4. Tinnitus durch Angststörung
Mehrere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Tinnitus und Angststörungen. In einer Studie wurde gezeigt, dass 24 Prozent der Tinnitus-Patienten moderate oder schwere Angst hatten.
In einer anderen Untersuchung hingegen heißt es, dass 40 Prozent der Patienten mit schwerem Tinnitus Angstzustände hatten, verglichen mit nur 11 Prozent bei weniger schwerem Tinnitus. Dies deutet auf einen Zusammenhang zwischen der Schwere des Tinnitus und Angst hin. Strukturen im Gehirn, die mit Tinnitus in Verbindung stehen, wie die Amygdala, die Insula und der Hippocampus, sind auch mit Angststörungen verbunden. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass Tinnitus und Angststörungen möglicherweise enger miteinander verknüpft sind als bisher angenommen.
4.5. Tinnitus und Burn-out
Burn-out beschreibt einen Zustand tiefer Erschöpfung als Folge von langanhaltendem Stress, der oft arbeitsbezogen ist, sich aber auch in anderen Lebensbereichen entwickeln kann. Typische Anzeichen sind körperliche, emotionale, geistige und soziale Erschöpfung, die über einen längeren Zeitraum auftreten.
Stress, Burn-out und Tinnitus stehen ebenfalls in Verbindung zueinander. Immer wieder wird davon berichtet, dass Symptome wie Tinnitus und Schlafstörungen ein früher Hinweis auf Burn-out sein könnten. Im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2012 wurde emotionale Erschöpfung zum ersten Mal als bedeutender Faktor für Tinnitus untersucht. Das wichtigste Ergebnis der Studie: Emotionale Erschöpfung war der stärkste Prädiktor für Tinnitus, stärker als traditionelle Faktoren wie Hörverlust oder Lärm. Dies deutet darauf hin, dass Tinnitus und Burn-out miteinander verbunden sind. Bei Ohrensausen sollte also vermehrt auch auf stressbedingte Erkrankungen geachtet werden.
5. Pulsierender Tinnitus und Stress
Beim pulsierenden Tinnitus haben Betroffene ein rhythmisches Ohrgeräusch, das im Takt mit dem Herzschlag pulsiert. Diese Art von Tinnitus sollte medizinisch behandelt werden. Laut den Ergebnissen einer Studie aus dem Jahr 2023 berichteten Patienten mit pulssynchronem Tinnitus, dass sie sich im Alltag stärker beeinträchtigt fühlen als Patienten mit nicht pulssynchronem Tinnitus. Man kann nicht direkt sagen, dass pulsierender Tinnitus durch Stress verursacht wird. Dieser kann unter anderem durch schlechte Durchblutung ausgelöst werden, aber auch durch Bluthochdruck, der durch Stress verstärkt werden kann.
Obwohl es derzeit keine Forschung gibt, die speziell den Zusammenhang zwischen Angst und pulssynchronem Tinnitus untersucht, gibt es viele mögliche Hypothesen darüber, wie diese Zustände sich gegenseitig beeinflussen. Da Stress und Angst beispielsweise den Herzschlag beschleunigen können, könnte dies möglicherweise die Intensität des Tinnitus verstärken. Umgekehrt könnte auch diese Art von Tinnitus Angst verursacht oder verschlimmert.
6. Was tun bei Tinnitus durch Stress?
Wenn Ohrgeräusche durch Stress ausgelöst werden, stellt sich bei den Betroffenen die Frage, was sie bei Tinnitus durch Stress tun können, um ihre Symptome zu lindern. Im weiteren Verlauf des Beitrags gehen wir deshalb auf die Diagnose und mögliche Ansätze zur Behandlung bei Tinnitus durch Stress ein.
6.1. Diagnose bei stressbedingtem Tinnitus
Neben dem gängigen Verfahren zur Tinnitus-Diagnose sollte bei stressbedingtem Tinnitus unbedingt das Stresslevel des Patienten bewertet werden.
- Mithilfe einer psychologischen Untersuchung, die Fragebögen und Interviews umfasst, werden Anzeichen von Angst, Depression oder anderen stressbedingten Störungen ermittelt.
- Die Analyse sollte auch die aktuellen Stressfaktoren und die Bewältigungsstrategien des Patienten umfassen, um Hinweise darauf zu geben, wie Stressmanagement-Techniken integriert werden können.
- Abschließend wird die Lebensqualität des Patienten in verschiedenen Bereichen wie Schlaf, Konzentration, täglichen Aktivitäten und sozialen Interaktionen bewertet, um die umfassenden Auswirkungen von Tinnitus und Stress zu erfassen.

Bei stressbedingtem Tinnitus sollte eine psychologische Untersuchung durchgeführt werden. Bildquelle: cottonbro studio
6.2. Geht stressbedingter Tinnitus wieder weg?
Gibt es keine eindeutig feststellbare Tinnitus-Ursache, ist Tinnitus in vielen Fällen nicht heilbar. Es gibt jedoch eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Tinnitus-Behandlung, die darauf abzielen, besser mit den Symptomen umgehen zu können.
Besonders bei stressbedingtem Tinnitus gilt: Die Reduktion des damit verbundenen Stresses erfordert einen vielseitigen Ansatz. Oft wird auf eine Kombination aus medizinischen, therapeutischen und selbststärkenden Methoden gesetzt, um den Betroffenen zu helfen, besser mit ihren Tinnitus-Symptomen umzugehen und Stress zu reduzieren. Ist übermäßiger Stress eindeutig die Tinnitus-Ursache, geht Tinnitus bei effektiver Stressreduktion auch wieder weg.
Es folgt eine Übersicht der wichtigsten Ansätze zur Behandlung von Tinnitus, der mit Stress in Zusammenhang steht.
6.3. Therapeutische Ansätze gegen Stress und Tinnitus
Es gibt einige therapeutische Ansätze, die man bei stressbedingtem Tinnitus befolgen kann.
- Die richtige medikamentöse Behandlung ist besonders wichtig, wenn Tinnitus in Verbindung mit anderen Erkrankungen wie Depressionen auftritt.
- Die kognitive Verhaltenstherapie zielt darauf ab, die emotionalen und psychologischen Reaktionen auf den möglicherweise stressbedingten Tinnitus zu verbessern. Sie hilft dabei, negative Denkmuster zu erkennen und zu verändern und lehrt Techniken zur Stressbewältigung.
- Mit achtsamkeitsbasierter Stressreduktion lernen Patienten, im Moment zu bleiben und ihre Tinnitus-Symptome ohne Bewertung zu akzeptieren, was den Umgang mit den Symptomen erleichtern und Stress reduzieren kann.
- Biofeedback und Neurofeedback helfen dabei, physiologische Vorgänge wie Herzfrequenz oder Muskelspannung zu kontrollieren, um Stress zu verringern und die Tinnitus-Wahrnehmung zu beeinflussen.
6.4. Lebensstiländerungen gegen Stress und Tinnitus
Wenn Tinnitus durch Stress entsteht, sollte der Lebensstil angepasst werden.
- Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und genügend Schlaf ist wichtig für das allgemeine Wohlbefinden und kann Tinnitus und Stress reduzieren.
- Stressbewältigungstechniken wie Atemübungen, Meditation, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, den durch Tinnitus verursachten Stress zu mindern.
- Auch Aromatherapie kann Vorteile zur Stresslinderung bei Tinnitus bieten. Neue Untersuchungen deuten darauf hin, dass bestimmte Düfte die Gehirnaktivität beeinflussen und Stresshormone im Körper reduzieren könnten.
- Egal ob malen, musizieren, spielen oder im Garten arbeiten: Das Ausüben von Hobbys kann helfen, das Stresslevel zu senken und sollte daher bei stressbedingtem Tinnitus unbedingt in den Alltag integriert werden.
- Auch die Art, wie man mit sich selbst umgeht, kann das Stressempfinden beeinflussen. Man sollte sich angewöhnen, positiv über sich selbst zu sprechen, sich Pausen zu gönnen und sich bewusst in Dankbarkeit zu üben.
- Das Vermeiden von Stressoren wie lauten Geräuschen, sozialen Medien, Alkohol, Koffein, Nikotin oder bestimmten Medikamenten kann helfen, Tinnitus-Symptome zu lindern und Stress zu reduzieren.
- Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann emotionale Unterstützung bieten und hilfreiche Tipps vermitteln und dabei helfen, besser mit Tinnitus umzugehen und Stress zu bewältigen.
- Körperkontakt kann ebenfalls Stress reduzieren. Bei einer Umarmung wird das Hormon Oxytocin (Kuschel-Hormon) freigesetzt. Oxytocin wird mit gesteigerten Glücksgefühlen und einem niedrigeren Stresspegel in Verbindung gebracht.
Gut zu wissen: Lärm kann das Gehör schädigen und Lärmschwerhörigkeit verursachen. Wenn beispielsweise Lärm am Arbeitsplatz für Sie an der Tagesordnung steht, sollten Sie Ihr Gehör unbedingt mit einem geeigneten Gehörschutz wie Ohrstöpseln schützen oder andere Methoden anwenden, wie Lärm vermindert werden kann. Im Alltag kann es zum Beispiel hilfreich sein, sich gezielt ruhige Cafés und Restaurants auszusuchen.
- Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann emotionale Unterstützung bieten und hilfreiche Tipps vermitteln und dabei helfen, besser mit Tinnitus umzugehen und Stress zu bewältigen.
- Körperkontakt kann ebenfalls Stress reduzieren. Bei einer Umarmung wird das Hormon Oxytocin (Kuschel-Hormon) freigesetzt. Oxytocin wird mit gesteigerten Glücksgefühlen und einem niedrigeren Stresspegel in Verbindung gebracht.

Körperkontakt kann viel dazu beitragen, Stress zu lindern. Besonders das Umarmen eines geliebten Menschen kann sehr hilfreich sein. Bildquelle: Marcus Aurelius
6.5. Supplements gegen Stress und Tinnitus
Einige Supplements können bei der Stressbewältigung und stressbedingtem Tinnitus von Nutzen sein. Einige Nahrungsergänzungsmittel, die helfen können, Tinnitus und Stress zu lindern, werden im Folgenden angeführt.
- Antioxidantien: Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E bieten Schutz, der helfen kann, Schäden durch freie Radikale zu reduzieren. Die Bildung freier Radikale nimmt unter anderem zu, wenn unser Körper gestresst ist. Die Ergänzung der täglichen Nahrung mit Antioxidantien kann zur Linderung von Tinnitus und Stress beitragen.
- Ashwagandha: Dieses Kraut soll die Widerstandskraft des Körpers gegenüber geistigem und körperlichem Stress verbessern und kann so dabei helfen, Tinnitus zu lindern.
- B-Vitamine: Einige Untersuchungen zeigen, dass B-Vitamine helfen können, den Homocysteinspiegel zu senken, Stress zu reduzieren und die Stimmung zu verbessern.
- Ginkgo biloba: Hierbei handelt es sich um einen in China beheimateten Baum, dessen Blattextrakt hauptsächlich in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet wird. Ginkgo biloba zeigt sich laut Forschungsergebnissen als besonders wirksam bei der Behandlung von akutem Stress. Ginkgo biloba reduziert die Stressreaktionen, indem es die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse beeinflusst, die die Stresshormone reguliert.
- Ginseng: Ginseng wird ebenfalls seit Jahrhunderten in der TCM verwendet. Es handelt sich um eine langsam wachsende, kurze Pflanze mit fleischigen Wurzeln. Gemäß Studienergebnissen zeigt Ginseng eine ähnliche Wirkung wie Ginkgo biloba, es zeigt jedoch eine bessere Wirkung bei chronischem Stress.
- L-Theanin: Diese Aminosäure hat sich als wirksam erwiesen, um Stress zu reduzieren, Entspannung zu fördern und die Schlafqualität zu verbessern.
- Melatonin: Dieses natürliche Hormon kann die Schlafqualität verbessern, was dazu beitragen kann, dass man sich weniger gestresst fühlt.
6.6. Hörgeräte gegen Stress und Tinnitus
Eine internationale Studie zeigt, dass Menschen, die Hörgeräte tragen, psychisch und physisch weniger gestresst sind als unversorgte Menschen mit Hörproblemen: So fühlen sich am Abend nur 36 Prozent der Hörgeräte-Träger psychisch und 41 Prozent physisch erschöpft, während sich 52 Prozent der Menschen ohne Hörhilfe psychisch und 58 Prozent physisch erschöpft fühlen.
Zudem haben laut den Studien Hörgeräte-Träger eine bessere Schlafqualität: 57 Prozent der Menschen ohne Hörhilfe sind unzufrieden mit ihrer Schlafqualität, während nur 43 Prozent der Hörgeräte-Träger mit ihrem Schlaf unzufrieden sind. Darüber hinaus leiden Hörgeräte-Träger seltener an depressiven Symptomen (25 Prozent) als Menschen ohne Hörhilfe (29 Prozent).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Hörgeräte gegen Tinnitus wirken können. Da Tinnitus oft mit Schwerhörigkeit einhergeht, können herkömmliche Hörgeräte unterstützen. Für Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust sind besonders moderne Hörgeräte geeignet. Darüber hinaus gibt es Klangmaskierungsgeräte, die das Tinnitus-Geräusch leicht (Tinnitus-Noiser) oder vollständig (Tinnitus-Masker) übertönen, sowie kombinierte Hörsysteme.
Es lässt sich festhalten, dass Stress eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Verschlimmerung von Tinnitus spielen kann. Sowohl körperlicher als auch psychischer Stress können das Gehör direkt beeinflussen und das Risiko für Tinnitus erhöhen. Chronischer Stress, Schlafprobleme, Depressionen, Angststörungen und Burn-out stehen häufig in einer engen Wechselwirkung mit den Symptomen von Tinnitus. Dabei kann ein Teufelskreis entstehen, in dem Stress und Tinnitus sich gegenseitig verstärken. Löst Stress Ohrensausen aus, führt das also dazu, dass Betroffene sich noch mehr gestresst fühlen.
Bei Tinnitus durch Stress ist ein umfassender Behandlungsansatz, der sowohl körperliche als auch psychologische Aspekte berücksichtigt, entscheidend. Therapeutische Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie, eine gesunde Lebensführung, Supplements und Hörgeräte können dazu beitragen, Stress zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Auch die Wirksamkeit von Selbsthilfemaßnahmen zum Stressmanagement sollte von Betroffenen nicht unterschätzt werden.
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