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Tinnitus-Behandlung: Therapie bei akutem oder chronischem Tinnitus

Editorial
15.10.2024
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Nahaufnahme vom Ohr eines Mannes, der im Zuge einer Tinnitus-Behandlung mit einem Otoskop untersucht wird.

Tinnitus ist für die unangenehmen Ohrgeräusche bekannt, die Betroffene hören, obwohl keine externe Schallquelle vorhanden ist. Hierbei ist Folgendes wichtig festzuhalten: Es handelt sich bei Tinnitus nicht um eine Krankheit, sondern um ein Symptom für ein Problem im Ohr oder in den Nerven, die durch das Ohr verlaufen.

Weltweit erleben mehr als zehn Prozent aller Erwachsenen jedes Jahr Tinnitus, auch wenn es manchmal nur für ein paar Minuten ist. Menschen mit schwerem Tinnitus erleben mitunter gravierende Einschränkungen beim Hören, im Alltag, bei der Arbeit oder sogar beim Schlafen.

Da es so viele verschiedene Tinnitus-Ursachen gibt, sind die Diagnose und Tinnitus-Behandlung bei jedem Menschen unterschiedlich. In vielen Fällen gibt es keine Heilung, aber es gibt eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus zur Linderung, beispielsweise Hörgeräte, und Ansätze der Tinnitus-Therapie, bei denen man lernt, besser mit den Ohrgeräuschen umzugehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für eine erfolgreiche Tinnitus-Behandlung ist es wichtig, die Ursache durch umfassende medizinische Untersuchungen zu klären.
     
  • Akuter Tinnitus dauert maximal drei Monate, ist oft heilbar und hat eine überschaubare Anzahl an Behandlungsmethoden.
     
  • Chronischer Tinnitus hat eine Dauer über drei Monate, kann in den meisten Fällen nur gelindert werden und umfasst eine Vielzahl an Behandlungsoptionen. Zu einigen dieser Optionen zur Tinnitus-Behandlung fehlt es jedoch an Wirksamkeitsstudien.
     
  • Die Tinnitus-Beratung informiert über Diagnose, Bewältigungsstrategien und Therapieoptionen, um Verhalten zu vermeiden, das Tinnitus verstärken könnte.
     
  • Die Tinnitus-Behandlung bei Hörverlust umfasst Hörgeräte, Klangmaskierungsgeräte, Cochlea-Implantate und Hörtherapien.
     
  • Tinnitus wird häufig durch Stress, Depressionen, Angstzustände oder Schlaflosigkeit verstärkt. In solchen Fällen kann eine kognitive Verhaltenstherapie ein Bestandteil der Tinnitus-Behandlung sein.
     
  • Die Tinnitus-Retraining-Therapie ist ein weiterer Ansatz zur Tinnitus-Behandlung. Sie trainiert das Gehirn darauf, sich an Tinnitus zu gewöhnen.
     
  • Die klangbasierte Tinnitus-Behandlung reicht von Musiktherapie, über Tailor-Made-Notched-Musik-Therapie und Sound-Therapie bis hin zur akustischen Neuromodulation.
     
  • Tinnitus-Medikamente, beispielsweise verschiedene Antidepressiva, können in manchen Fällen eine Tinnitus-Therapie unterstützen.
     
  • Es gibt eine Vielzahl an Magnet- und Elektrostimulationsverfahren, die als experimentelle Methoden zur Behandlung von Tinnitus eingesetzt werden.
     
  • Multidisziplinäre physische Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus wie Physiotherapie, zahnärztliche Eingriffe, Biofeedback und progressive Muskelentspannung können Tinnitus-Symptome lindern, indem sie Stress reduzieren.
     
  • Es gibt verschiedene Supplements, die bei der Tinnitus-Behandlung helfen können, beispielsweise Antioxidantien, B-Vitamine, Ginkgo biloba, Ginseng, Gushen Pian, Melatonin und Zink.
     
  • Tinnitus-Selbsthilfe umfasst verschiedene Ansätze zur Tinnitus-Behandlung, darunter die Teilnahme an Selbsthilfegruppen, Achtsamkeit zur Stressbewältigung, ein gesunder Lebensstil, die Entfernung von Ohrenschmalz und der Schutz vor Lautstärke.
     
  • Alternative Möglichkeiten der Tinnitus-Behandlung umfassen beispielsweise Akupunktur und Hypnose.

1. Tinnitus-Diagnose

Der erste Schritt bei der Tinnitus-Behandlung besteht darin, herauszufinden, was die Ohrgeräusche verursacht. Hierfür ist eine Vielzahl an Untersuchungen durchzuführen:

  • Anamnese: Eine Untersuchung sollte stets Fragen zur persönlichen und familiären Krankengeschichte, zum Lebensstil und zu eingenommenen Medikamenten beinhalten. Neben dieser Basisuntersuchung sind auch spezielle Tests und Untersuchungen wichtig, um die geeignete Tinnitus-Behandlung zu finden.
     
  • Basisdiagnostik: Neben einer Vielzahl von Hörtests und HNO-Untersuchungen werden für die Tinnitus-Diagnose auch Gleichgewichtstests und Untersuchungen von Halswirbelsäule und Kiefergelenk durchgeführt: So können Faktoren, die die Muskeln, Knochen oder Gelenke betreffen, Tinnitus manchmal auslösen oder verstärken. Allgemeine Untersuchungen wie Blutdruck- und Pulsmessung ergänzen die Diagnostik.
     
  • Weitere Untersuchungen: Je nach den Ergebnissen von Anamnese und Basisdiagnostik sind weitere Untersuchungen durchzuführen, beispielsweise psychologische Untersuchungen, audiologische und neurologische Tests, Untersuchungen von verschiedenen Muskeln und Gelenken, internistische und labordiagnostische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Gut zu wissen: Treten Tinnitus-Symptome plötzlich auf, ist es ratsam, einen Arzt aufsuchen, insbesondere bei den folgenden Symptomen: Gesichtslähmung, plötzlicher Hörverlust, übelriechender Ausfluss aus dem Ohr oder ein pulsierendes Geräusch im Takt mit dem Herzschlag (pulssynchroner Tinnitus). Besonders bei einem pulssynchronen Tinnitus ist eine frühzeitige Tinnitus-Behandlung entscheidend.

Um zu wissen, welche Art der Tinnitus-Behandlung man einsetzt, ist zwischen akutem und chronischem Tinnitus zu unterscheiden.

  • Akuter Tinnitus dauert maximal drei Monate an und wird wie ein Hörsturz behandelt. Er ist häufig heilbar und hat eine überschaubare Anzahl an Behandlungsmethoden.
     
  • Chronischer Tinnitus hat gemäß der Leitlinie für chronischen Tinnitus der DGHNO (Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie) eine Dauer von mindestens drei Monaten. Er kann in der Regel nicht beseitigt, der Schweregrad jedoch gelindert werden. Die Behandlung ist komplexer als beim akuten Tinnitus und umfasst zahlreiche Behandlungsmethoden, darunter auch zum dauerhaften Umgang mit Tinnitus.

2. Tinnitus-Behandlung: akuter Tinnitus

Bei Tinnitus, vor allem wenn es ein akuter Tinnitus ist, gilt: Je früher die Tinnitus-Behandlung beginnt, desto besser kann man die Ohrgeräusche behandeln.

  • Die primäre Behandlungsmethode bei akutem Tinnitus ist eine Kortisonbehandlung, die auch bei einem Hörsturz zum Einsatz kommt. Bei der systemischen Kortisontherapie wird Kortison in Form von Tabletten oder Infusionen zugeführt. Bei der intratympanalen Kortisontherapie wird das Kortison direkt in das Mittelohr injiziert.
     
  • Eine weitere Art der akuten Tinnitus-Behandlung zielt darauf ab, mithilfe von Infusionen die Durchblutung im Innenohr zu verbessern. Dazu werden Infusionen eingesetzt, die das Blut flüssiger machen und den Sauerstofftransport fördern. Oft wird dabei Kortison (zur Entzündungshemmung) und/oder Lidocain (zur Beruhigung der Nerven) verwendet.
Nahaufnahme vom Arm einer Frau, die zur Behandlung von Tinnitus Infusionen bekommt.

Liegt ein akuter Tinnitus vor, können Infusionen als Teil der Tinnitus-Behandlung Wirkung zeigen, indem sie die Durchblutung fördern. Bildquelle: yacobchuk

  • Auch eine hypobare Sauerstofftherapie in einer Druckkammer kann bei der Tinnitus-Therapie vorteilhaft sein. Bei der Behandlung sitzt die betroffene Person in einer kleinen luftdichten Kammer, in der der Luftdruck für 60 bis 120 Minuten auf das Dreifache des normalen Drucks erhöht wird. Eine typische Behandlung umfasst zwanzig bis vierzig Sitzungen. 

Gut zu wissen: Es fehlt an wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von der hypobaren Sauerstofftherapie zur Tinnitus-Behandlung klar belegen.

Halten die Symptome länger als drei Monate an und werden somit chronisch, werden andere Arten der Tinnitus-Behandlung durchgeführt. In den folgenden Kapiteln ist mit dem Begriff Tinnitus immer der chronische Tinnitus gemeint.

3. Tinnitus-Behandlung: chronischer Tinnitus

Es gibt in vielen Fällen keine Heilung für chronischen Tinnitus, aber die Symptome können durch die richtige Tinnitus-Behandlung deutlich gelindert werden. Da jeder Fall von Tinnitus einzigartig ist, muss auch die Behandlung individuell gewählt werden. Zu einigen der Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus fehlt es jedoch an wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit.

3.1. Tinnitus-Beratung

Der erste Schritt jeder Tinnitus-Behandlung ist ein informierendes Gespräch. Bei der Tinnitus-Beratung wird der Patient zunächst über die Tinnitus-Diagnose aufgeklärt.

Anschließend sollten im Rahmen der Tinnitus-Beratung Strategien zum Umgang mit Tinnitus erläutert werden, um Ängste oder übertriebene Heilungserwartungen zu reduzieren. Dadurch sollen negative, sich selbst verstärkende Kreisläufe bei Tinnitus vermieden werden.

Im dritten Schritt der Tinnitus-Beratung sollte der Patient über mögliche Optionen für die Tinnitus-Therapie aufgeklärt und dazu ermutigt werden, tinnitusverstärkendes Verhalten zu vermeiden und tinnituslinderndes Verhalten zu fördern.

Eine Frau erhält von einem Arzt eine umfangreiche Tinnitus-Beratung und sie lächelt dabei.

Der Ausgangspunkt jeder Tinnitus-Behandlung sollte stets eine ausführliche Tinnitus-Beratung für den Patienten sein. Bildquelle: Cedric Fauntleroy

3.2. Tinnitus-Behandlung in Zusammenhang mit Hörverlust

Es gibt einige Arten der Tinnitus-Behandlung, die auch mit einer Behandlung von Hörverlust zusammenhängen.

  • Hörgeräte: Hörgeräte sind ein wichtiger Bestandteil der Tinnitus-Behandlung, da die meisten Menschen Tinnitus als Folge-Symptom von Schwerhörigkeit entwickeln. Hörgeräte gegen Tinnitus können verwendet werden, indem sie die Lautstärke von Außengeräuschen erhöhen. Dies funktioniert besonders gut, wenn Hörverlust und Tinnitus im selben Frequenzbereich auftreten. Bei einem leichten bis mittleren Hörverlust empfehlen sich besonders moderne Hörgeräte. Sie kombinieren cooles Design mit smarter Technik, einfacher Bedienung und fairen Preisen.
     
  • Klangmaskierungsgeräte: Diese Geräte erzeugen externe Geräusche wie Rauschen, Naturklänge oder Musik, die das interne Tinnitus-Geräusch überdecken und davon ablenken können. Sie sind in verschiedenen Formen erhältlich, von Tischgeräten bis zu kleinen Geräten, die im Ohr getragen werden. Je nach Vorliebe kann mit diesen Geräten entweder das Tinnitus-Geräusch leicht (Tinnitus-Noiser) oder vollständig (Tinnitus-Masker) überdeckt werden.

Gut zu wissen: Es fehlt an wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von Klangmaskierungsgeräten für die Tinnitus-Behandlung klar belegen.

  • Cochlea-Implantate: Viele stark schwerhörige oder gehörlose Personen leiden an Tinnitus. Studien zeigen, dass ein Cochlea-Implantat nicht nur die Hörfähigkeit verbessert, sondern oft auch den Tinnitus lindert. Diese Verbesserung tritt sowohl auf der Seite des Implantats als auch auf der gegenüberliegenden Seite auf. Besonders bei Menschen mit einseitiger Taubheit und stark belastendem Tinnitus zeigen sich positive Effekte.
     
  • Hörtherapie: Eine Hörtherapie besteht aus gezielten Übungen, die dabei helfen können, besser zu hören, die Richtung von Geräuschen zu erkennen, sich auf bestimmte Töne zu konzentrieren und verschiedene Tonhöhen zu unterscheiden. Dies kann auch das Tragen von Hörgeräten erleichtern und dabei helfen, sich besser an das Tinnitus-Geräusch zu gewöhnen und es weniger stark wahrzunehmen.

3.3. Verhaltenstherapie als Tinnitus-Behandlung

Andauernde Ohrgeräusche gehen häufig mit einem hohen Maß an emotionaler Belastung einher. Depressionen, Angstzustände und Schlaflosigkeit sind bei Menschen mit Tinnitus nicht ungewöhnlich und zählen auch zu den möglichen Tinnitus-Ursachen. In vielen Fällen kann Tinnitus stressbedingt auftreten.

Bei Tinnitus kann eine kognitive Verhaltenstherapie, eine Art der Gesprächstherapie, Menschen mit Tinnitus helfen, besser mit der Belastung der Ohrgeräusche umzugehen. Das Ziel der Verhaltenstherapie bei Tinnitus ist, die Lebensqualität zu verbessern und zu verhindern, dass die Ohrgeräusche zu sehr in den Fokus geraten.

Haben Sie gewusst, dass auch Schwerhörigkeit und Psyche eng miteinander in Verbindung stehen? Lesen Sie mehr dazu in unserem Beitrag zu diesem Thema.

Eine Frau sitzt auf einem Stuhl, hält sich die Handflächen über die Ohren und kauert sich zusammen, weil ihre Tinnitus-Symptome psychische Probleme verursachen.

Während Probleme mit der Psyche Tinnitus auslösen können, ist es umgekehrt auch möglich, dass die Belastung, die durch das Pfeifen im Ohr entsteht, zu psychischen Problemen führt. Bildquelle: Liza Summer

3.4. Tinnitus-Retraining-Therapie

Die Tinnitus-Retraining-Therapie, häufig auch Habituation genannt, gilt als wirksame Art der Tinnitus-Behandlung, insbesondere für mittelschweren oder schweren Tinnitus. Sie trainiert das Gehirn darauf, sich an Tinnitus zu gewöhnen.

Habituation bedeutet, dass man sich so sehr an einen Ton gewöhnt, dass man ihn nicht mehr bewusst wahrnimmt. Hierbei hört man über längere Zeit Geräusche, die dem Tinnitus-Ton ähnlich sind. Schließlich ignoriert das Gehirn den Ton zusammen mit dem Tinnitus-Geräusch.
Es ist ähnlich wie bei Brillen, deren Tragegefühl man irgendwann nicht mehr bewusst wahrnimmt.

Diese Art der Tinnitus-Therapie wird unter Anleitung eines Spezialisten durchgeführt. Die Dauer variiert von Person zu Person, sollte jedoch langfristig angesetzt werden, in der Regel zwischen einem und zwei Jahren. Die ersten Verbesserungen bei der Tinnitus-Retraining-Therapie zeigen sich oft nach etwa drei Monaten nach Behandlungsbeginn. 

3.5. Klangbasierte Tinnitus-Behandlung

Im Falle von klangbasierten Möglichkeiten zur Tinnitus-Behandlung gibt es verschiedene Optionen.

  • Akustische Neuromodulation: Mithilfe dieser Art der Tinnitus-Therapie wird versucht, durch spezielle Töne im Bereich der individuellen Tinnitusfrequenz den Tinnitus zu reduzieren.
     
  • Musiktherapie: Musiktherapie bei Tinnitus ist eine Behandlungsmethode, bei der Musik gezielt eingesetzt wird, um das Ohrgeräusch zu lindern. Eine Form der Therapie, die „Tinnituszentrierte Musiktherapie“, passt die Musik speziell an die Frequenz des Tinnitus an.
     
  • Sound-Therapie: Die Sound-Therapie ist eine Art der Tinnitus-Behandlung, bei der verschiedene Töne oder Geräusche eingesetzt werden, um die Belastung durch das Ohrgeräusch zu reduzieren. Dazu zählen zum Beispiel Breitbandrauschen, Naturgeräusche oder speziell angepasste Töne. Diese Geräusche können helfen, den Tinnitus zu maskieren oder die wahrgenommene Lautstärke zu verringern. In einigen Fällen werden sie auch nachts über Kopfhörer abgespielt oder in Kombination mit Hörgeräten verwendet.
     
  • Tailor-Made-Notched-Musik-Therapie: Diese Art der Tinnitus-Therapie filtert die Tinnitusfrequenz aus der Musik heraus, um das Gehirn umzuschulen und die Tinnituswahrnehmung zu reduzieren.

Gut zu wissen: Es fehlt an wissenschaftlichen Studien zu allen Formen der klangbasierten Tinnitus-Behandlung, die die Wirksamkeit bei chronischem Tinnitus klar belegen.

3.6. Tinnitus-Medikamente

Es gibt zahlreiche sogenannte Tinnitus-Medikamente, die in Zusammenhang mit einer Tinnitus-Behandlung in Studien untersucht wurden, beispielsweise:

  • Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen)
  • Betahistin (Medikament gegen Morbus Menière)
  • Benzodiazepine (Medikamente gegen Angst- und Schlafstörungen)
  • Cannabis (Medikament gegen Schmerzen)
  • Carbamazepin (Medikament gegen Krampfanfälle)
  • Gabapentin (Medikament gegen Epilepsie)
  • Glutamat-Antagonisten (Medikamente gegen Demenz)
  • Melatonin (Medikament gegen Schlafprobleme) 
  • Misopostrol (Medikament gegen Magengeschwüre)
  • Oxytocin (Medikament für die Stimulierung von Wehen während der Geburt)
  • Steroide (Medikamente gegen Entzündungen)
  • Sulpirid (Medikament gegen Schizophrenie und Schwindel)
Nahaufnahme der Hände einer Person, die Medikamente gegen Tinnitus einnimmt.

Die Einnahme von Medikamenten sollte niemals leichtfertig geschehen und vorab immer mit einem Arzt besprochen werden, um Wechselwirkungen oder Überdosierungen zu vermeiden. Bildquelle: Polina Tankilevitch

Gut zu wissen: Es fehlt an wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von Medikamenten bei chronischem Tinnitus klar belegen. Anders sieht es bei der Behandlung von Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen aus. Für diese Probleme sollten Medikamente eingesetzt werden.

3.7. Magnet- und Elektrostimulation als Tinnitus-Behandlung

Es gibt eine Vielzahl an Verfahren der Magnet- und Elektrostimulation, die zur Tinnitus-Behandlung eingesetzt werden.

  • Bimodale akustische und elektrische Stimulation: Diese Art der Tinnitus-Therapie zielt darauf ab, durch gleichzeitige Reizung der Hör- und Trigeminusbahnen Veränderungen im Gehirn auszulösen. Die Methode kombiniert akustische Reize, die an das Hörvermögen der Patienten angepasst sind, mit elektrischer Stimulation von bestimmten Punkten.
     
  • Invasive Elektrostimulation: Bei dieser Art der Tinnitus-Behandlung wird soll durch Elektrostimulation verschiedener Hirnregionen die Tinnitus-Lautstärke reduziert werden.
     
  • Low-Level-Lasertherapie: Die Low-Level-Lasertherapie zur Tinnitus-Behandlung verwendet schwaches Laserlicht, um das Ohr oder den Gehörgang zu behandeln.
     
  • Transkranielle Elektrostimulation: Bei dieser Art der Tinnitus-Therapie wird schwacher Strom über die Kopfhaut auf das Gehirn geleitet, um dessen Aktivität zu beeinflussen.
     
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS ist eine nicht-invasive Methode, bei der der Vagusnerv durch Elektroden an der Ohrmuschel stimuliert wird. Ziel dieser Behandlung ist es, die neuronale Aktivität zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern, was potenziell zur Linderung von Tinnitus-Symptomen beitragen könnte.
     
  • Transkranielle Magnetstimulation (TMS): Bei dieser Art der Tinnitus-Behandlung werden elektromagnetische Impulse eingesetzt, um die Erregbarkeit bestimmter Gehirnareale zu verändern, die mit Tinnitus in Verbindung stehen.
     
  • Vagusnerv-Stimulation: Die Vagusnerv-Stimulation zielt darauf ab, durch elektrische Stimulation des Vagusnervs in Kombination mit akustischer Behandlung Tinnitus zu lindern. Es gibt zwei Hauptmethoden: invasive Stimulation durch einen implantierten Stimulator und nicht-invasive Stimulation über Elektroden am Ohr.

Gut zu wissen: Es fehlt an wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von Magnet- und Elektrostimulation als Tinnitus-Behandlung klar belegen.

3.8. Multidisziplinäre physische Ansätze zur Tinnitus-Behandlung

Aufnahme einer Person, die von einem Zahnarzt eine Behandlung gegen Tinnitus bekommt.

Tinnitus kann auch durch Probleme im Kiefer verursacht werden. In diesem Fall kann eine Behandlung beim Zahnarzt dabei helfen, die Ohrgeräusche zu beseitigen. Bildquelle: Cedric Fauntleroy

Es gibt verschiedene physische Ansätze zur Tinnitus-Behandlung.

  • Biofeedback bei Tinnitus: Biofeedback zielt darauf ab, Patienten die Kontrolle über autonome physiologische Prozesse zu geben, indem sie unmittelbares Feedback über diese Prozesse erhalten. In Kombination mit Gesprächstherapie kann Biofeedback die psychologischen Bewältigungsstrategien der Patienten verbessern. Es kann auch helfen, Stress und Muskelverspannungen zu lindern sowie die periphere Durchblutung zu erhöhen, was möglicherweise zur Verringerung der Tinnitus-Symptome beitragen könnte.
     
  • Progressive Muskelentspannung: Stress und Anspannung können Tinnitus verstärken. Methoden wie die progressive Muskelentspannung (PME) oder auch Muskelrelaxation (PMR) helfen, Stress zu reduzieren, Anspannungen zu lösen und innere Ruhe herbeizuführen und können damit eine Tinnitus-Behandlung unterstützen.
     
  • Tinnitus-Physiotherapie für Halswirbelsäule und Kiefergelenk: Tinnitus-Physiotherapie kann als Teil der Tinnitus-Behandlung helfen, Symptome zu lindern. In einer Untersuchung wurden sechs Studien einbezogen, von denen vier die Behandlung der Halswirbelsäule und zwei die Behandlung des Kiefergelenks untersuchten. Forscher konnten in diesen Studien positive Effekte der Behandlung der Halswirbelsäule auf die Schwere des Tinnitus zeigen. Zudem wurde nach der Behandlung des Kiefergelenks eine Verringerung der Schwere und Intensität des Tinnitus festgestellt.
     
  • Zahnärztlicher Eingriff: Die Muskeln von Kopf und Nacken sowie das Kiefergelenk sind häufig Bereiche, in denen ausgeprägte Verspannungen oder Funktionsstörungen Tinnitus auslösen können. In solchen Fällen kann ein zahnärztlicher Eingriff oder eine Anpassung des Bisses das Problem lindern und eine geeignete Tinnitus-Behandlung darstellen.
Ein Mann liegt auf einer Yogamatte und macht Entspannungsübungen, um seine Tinnitus-Behandlung zu unterstützen.

Verschiedene Formen der Achtsamkeitspraxis und Stressreduktion können bei der Tinnitus-Behandlung eine wichtige Ergänzung darstellen. Bildquelle: cottonbro studio

3.9. Tinnitus-Nahrungsergänzungsmittel

Es gibt Supplements, die bei einer Tinnitus-Behandlung hilfreich sein könnten. Fragen zu Anwendung und Dosierung von Tinnitus-Nahrungsergänzungsmitteln sollten ebenso wie bei den Tinnitus-Medikamenten unbedingt vor der Einnahme mit medizinischem Fachpersonal geklärt werden.

  • Antioxidantien: Es gibt Hinweise darauf, dass verschiedene Antioxidantien bei der Behandlung von Tinnitus hilfreich sein könnten.
     
  • B-Vitamine: Diese Vitamine sind entscheidend für ein gesundes Nervensystem. Ein Mangel an Vitamin B12 könnte Tinnitus verstärken und B12-Injektionen könnten bei einem bestehenden Mangel helfen. Auch die Vitamine B2 und B3 könnten eine Rolle bei der Linderung von Tinnitus-Symptomen spielen.
     
  • Ginkgo biloba: Die Blätter des Ginkgo-Baums werden traditionell in der chinesischen Medizin als Heilmittel verwendet. Studien zur Wirksamkeit von Ginkgo bei Tinnitus zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Es wird jedoch angenommen, dass standardisierte Ginkgo-Präparate bei einer täglichen Einnahme in einer Tinnitus-Therapie wirksam sein könnten.
     
  • Ginseng und Gushen Pian: Roter Ginseng und Gushen Pian – ebenfalls aus der traditionellen chinesischen Medizin – wurden ebenfalls auf ihre Wirksamkeit bei Tinnitus untersucht. Hohe Dosen von Rotem Ginseng haben in Studien positive Effekte gezeigt, während Gushen Pian in ersten Untersuchungen ebenfalls eine vielversprechende Wirkung gezeigt hat.
     
  • Melatonin: Studien deuten darauf hin, dass Melatonin bei Patienten mit Schlafproblemen hilfreich sein kann. Darüber hinaus könnte Melatonin eine antidepressive Wirkung haben und die Durchblutung im Innenohr fördern, was potenziell ebenfalls zur Linderung von Tinnitus-Symptomen beitragen könnte.
     
  • Zink: Zink ist für die Gesundheit des ganzen Körpers von Bedeutung, insbesondere aber auch für das Innenohr. Die Ergebnisse von einigen Studien deuten darauf hin, dass eine Zinksupplementierung, vor allem bei älteren Patienten oder Patienten mit einem sehr niedrigen Zinkspiegel, bei der Tinnitus-Behandlung hilfreich sein könnte.

Neben Tinnitus-Nahrungsergänzungsmitteln gibt es viele weitere Supplements, auf die manche Menschen zur Verbesserung ihrer Hörgesundheit schwören.

Gut zu wissen: Es fehlt an wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln als Tinnitus-Behandlung klar belegen. 

3.10. Selbsthilfe zur Tinnitus-Therapie

Es gibt einige Möglichkeiten der Selbsthilfe, die Menschen für eine holistische Tinnitus-Behandlung und -Prävention nutzen sollten.

  • Entfernung von Ohrenschmalz: Tinnitus kann durch übermäßiges Ohrenschmalz oder Fremdkörper im Ohr verursacht werden. In diesen Fällen reicht die Entfernung von Ohrenschmalz als Tinnitus-Behandlung oft bereits aus, um leichte Fälle von Tinnitus zu beseitigen.
     
  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil kann die Schwere und die Auswirkungen der Tinnitus-Symptome beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Suchtmittel, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine gute mentale Gesundheit können helfen, die Tinnitus-Symptome zu lindern bzw. diesen vorzubeugen.
     
  • Schutz vor Lautstärke: Wenn Sie häufig Lärm am Arbeitsplatz oder zuhause ausgesetzt sind, ist es wichtig, das Risiko von Tinnitus und Schäden am Gehör (Lärmschwerhörigkeit) zu reduzieren. Dabei kann Ihnen ein geeigneter Gehörschutz helfen, es gibt aber noch mehr Möglichkeiten wie Lärm vermindert werden kann.
     
  • Selbsthilfegruppen: Selbsthilfe bei Tinnitus wird oft in Form von Selbsthilfegruppen oder über digitale Angebote wie Apps organisiert. Tinnitus-Selbsthilfe wird als wichtiger Bestandteil in der Tinnitus-Therapie gesehen, da Betroffene sich in diesem Rahmen gegenseitig unterstützen und wichtige Informationen erhalten. Studien zeigen, dass die Teilnahme an Selbsthilfegruppen positive Effekte auf Tinnitus-Wissen, Bewältigungsstrategien und Selbstbewusstsein hat.
     
  • Stressbewältigung durch Achtsamkeit: Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion kann dabei helfen, die Aufmerksamkeit besser zu kontrollieren und den Fokus von unangenehmen Empfindungen und Geräuschen abzulenken. Das kann bei der Behandlung von Tinnitus äußerst nützlich sein.

3.11. Alternative Tinnitus-Behandlung

Nahaufnahme von einem Mann, der sich im Rahmen einer Tinnitus-Behandlung Akupunktur-Nadeln am Ohr setzen lässt.

Es gibt einige alternative Tinnitus-Behandlungen, darunter Akupunktur und Hypnose. Bildquelle: RDNE Stock project

Es gibt keine Tinnitus-Behandlung, die bei allen Betroffenen hilft. Nicht alle Patienten sind mit schulmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus zufrieden und wollen lieber Tinnitus alternativ behandeln lassen.

Daher führen wir im Folgenden mögliche Wege aus einer Studie an, um Tinnitus alternativ zu behandeln. Bei den genannten Verfahren der Tinnitus-Therapie ist weitere Forschung nötig, um Wirksamkeit und Anwendung zu belegen.

  • Akupunktur bei Tinnitus: Akupunktur ist ein zentraler Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin, die darauf abzielt, das Gleichgewicht der neurophysiologischen Systeme wiederherzustellen. Bei der Behandlung von Tinnitus zeigen Studien unterschiedliche Ergebnisse. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass mindestens 17 bis 24 Sitzungen erforderlich sind, um spürbare Verbesserungen zu erzielen. Ein besonderer Akupunkturpunkt entlang der vestibulo-cochlearen Linie hat in einer Studie signifikante Verbesserungen gezeigt. Darüber hinaus könnte Akupunktur die Durchblutung des Innenohrs stabilisieren und die Aktivität der Haarzellen im Innenohr beeinflussen, was sich positiv auf Tinnitus-Symptome auswirken könnte.
     
  • Hypnose bei Tinnitus: Hypnose ist eine Methode, die darauf abzielt, Patienten durch tiefe Entspannung und gezielte mentale Fokussierung dabei zu helfen, ihre Gedanken und Verhaltensweisen zu kontrollieren. Obwohl es nur wenige Studien seit den späten 1900er-Jahren gibt, berichten diese meist durchweg von positiven Effekten von Hypnose bei der Tinnitus-Behandlung. Besonders die sogenannte „Ericksonsche Hypnotherapie“ wird häufig eingesetzt, bei der zunächst die Auswirkungen des Tinnitus auf das Leben des Patienten untersucht werden, gefolgt von Sitzungen, die Entspannung und mentale Bilder nutzen. Selbsthypnose, bei der Patienten in nur wenigen Sitzungen Techniken zur Hypnose erlernen, kann ebenfalls zu anhaltenden Verbesserungen führen. Diese Methode scheint besonders effektiv bei Patienten ohne Hörverlust zu sein.

Gut zu wissen: Es fehlt an wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von alternativer Tinnitus-Behandlung klar belegen. 

Es bleibt festzuhalten: Tinnitus kann frustrierend und belastend sein. Es gibt meist keine einfache Erklärung und leider auch keine einfache Heilung dafür – es sei denn, es gibt eine gut behandelbare Ursache. Daher sollten Sie zuerst abklären, ob zugrundeliegenden Erkrankungen Ihre Tinnitus-Symptome verursachen. Ein wichtiger erster Schritt kann ein Hörtest sein, um eine mögliche Hörminderung als Ursache abzuklären.

Es gibt, wie oben angeführt, zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus – von Tinnitus-Beratung, Tinnitus-Behandlung in Zusammenhang mit Hörverlust und Hörhilfen wie Hörgeräten, Verhaltenstherapie, Tinnitus-Retraining-Therapie, klangbasierter Tinnitus-Behandlung, Tinnitus-Medikamenten, Magnet- und Elektrostimulation, physischen Ansätzen, Tinnitus-Nahrungsergänzungsmitteln und Selbsthilfe bis hin zu alternativer Tinnitus-Therapie.

Da Tinnitus schnellstmöglich behandelt werden sollte, sollten Sie bald aktiv werden und verschiedene Ansätze der Tinnitus-Therapie ausprobieren, um Ihre Symptome zu lindern und Ihre Lebensqualität zu verbessern.

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