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Hörgeräte: Arten, Nutzen, Funktionsweise, Auswahl und mehr

Bildquelle: Shatishira
Inhaltsverzeichnis
- 1. Hörgerät-Definition: Was ist ein Hörgerät?
- 2. Häufige Vorbehalte gegen Hörgeräte
- 3. Nutzen und gesundheitliche Vorteile von Hörgeräten
- 4. Hörgerät-Funktionsweise
- 5. Beurteilung der Hörleistung
- 6. Klassische Hörgerät-Arten
- 7. Moderne Arten von Hörgeräten
- 8. Implantate als Hörhilfen
- 9. Die Auswahl des richtigen Hörgeräts
- 10. Fragen, die bei der Entscheidung für ein Hörgerät wichtig sind
- 11. Gewöhnung an das Hörgerät
- 12. Häufige Probleme beim Tragen von Hörgeräten
- 13. Pflege und Wartung von Hörgeräten
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Hörgerät ist ein kleines elektronisches Gerät, das im oder hinter dem Ohr getragen wird. Es verstärkt Geräusche in spezifischen Frequenzbereichen, in denen eine Hörminderung vorliegt.
- Hörhilfen helfen Menschen mit Hörverlust, besser zu hören, zu kommunizieren und aktiver am Leben teilzunehmen.
- Nach wie vor gibt es häufig Vorbehalte gegen Hörgeräte. Nutzen und gesundheitliche Vorteile überwiegen jedoch.
- Neben analogen Hörgeräten gibt es auch digitale Hörgeräte. Letztere werden heutzutage häufiger genutzt, da sie individuell anpassbar sind und zusätzliche Funktionen bieten.
- Die genaue Beurteilung der Hörleistung ist wichtig, um die passende Hörlösung auswählen zu können.
- Die klassischen Hörgerät-Arten sind In-dem-Ohr-Hörgeräte und Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte. Zudem gibt es moderne Hörgeräte wie Self-Fitting-Hörgeräte und Hearables, die viele zusätzliche Funktionen bieten. Für sehr starken Hörverlust gibt es Implantate.
1. Hörgerät-Definition: Was ist ein Hörgerät?
Ein Hörgerät ist ein kleines elektronisches Gerät, das im oder hinter dem Ohr getragen wird. Es verstärkt Geräusche in genau jenen Frequenzbereichen, in denen eine Hörminderung vorliegt.
Personen mit Hörverlust können damit in ruhigen und lauten Situationen wieder besser hören, Gesprochenes besser verstehen, besser kommunizieren und aktiver am täglichen Leben teilnehmen.
Es nutzt jedoch nur etwa jeder fünfte Mensch, der von einem Hörgerät profitieren könnte, auch tatsächlich eines.
2. Häufige Vorbehalte gegen Hörgeräte
Die Hauptgründe, warum Hörgeräte oft nicht genutzt werden, sind vielfältig und betreffen verschiedene Aspekte des Geräts und seiner Handhabung. In einer Studie wurden die Gründe behandelt, die dazu führen, dass Hörgeräte nicht genutzt werden.
- Ein wesentlicher Grund ist der wahrgenommene Nutzen des Geräts. Viele Nutzer berichten, dass Hörgeräte in lauten Umgebungen ineffektiv sind, nur geringen Nutzen oder eine schlechte Klangqualität bieten und oft nicht für die spezifische Art des Hörverlusts geeignet sind.
- Ein weiterer bedeutender Faktor ist die Passform und der Komfort der Hörgeräte. Viele Menschen erleben Schwierigkeiten beim Einsetzen und Herausnehmen der Geräte, empfinden sie als unangenehm oder leiden unter Nebenwirkungen wie Hautausschlägen und Juckreiz. Dies führt dazu, dass sie die Geräte weniger oft oder gar nicht tragen.
- Die Pflege und Wartung von Hörgeräten stellen ebenfalls ein Hindernis dar. Insbesondere ältere Erwachsene haben aufgrund eingeschränkter manueller Geschicklichkeit Schwierigkeiten bei der Handhabung der kleinen und oft unhandlichen Geräte. Das Wechseln der Batterien und die Lautstärkeregelung sind weitere Herausforderungen, die dazu führen können, dass Hörgeräte nicht genutzt werden. Hörgeräte mit Akku könnten hier eine Lösung darstellen.
- Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch die unzureichende Schulung und Unterstützung. Viele Nutzer wissen nicht, wie sie ihre Hörhilfen korrekt verwenden sollen, und erhalten nicht die notwendige Beratung und Unterstützung. Das erschwert die effektive Nutzung der Geräte in weiterer Folge natürlich erheblich.
- Finanzielle Gründe spielen ebenfalls eine Rolle, insbesondere in Ländern ohne kostenlose Gesundheitsversorgung. Die Kosten für Hörgeräte können für viele Menschen eine erhebliche Hürde darstellen.
- Zwar wurde das Aussehen der Hörgeräte nur selten als Hauptgrund für die Nichtnutzung genannt, dennoch sorgen sich einige Menschen um das Erscheinungsbild der Geräte. Diese Sorge könnte Menschen von vornherein davon abhalten, ihr Gehör überprüfen zu lassen und ein Hörgerät anzuschaffen.
- Schließlich spielt auch das Stigma eine Rolle, obwohl dies zunehmend weniger relevant zu sein scheint. Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Hörhilfen kann Menschen davon abhalten, sie zu tragen, obwohl moderne Hörgeräte weitaus handlicher und ästhetischer sind als früher.
Es gibt natürlich auch praktische Grenzen für die Menge an Verstärkung, die ein Hörgerät bieten kann. Bei einem stark geschädigten Innenohr, das bei sehr starker Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit auftreten kann, werden große Vibrationen möglicherweise nicht mehr in neuronale Signale umgewandelt. In dieser Situation wäre dann auch ein Hörgerät unwirksam. Eine Alternative stellen Implantate da – mehr dazu später im Beitrag.
Gut zu wissen: Es gibt inzwischen ästhetische, moderne Hörgeräte wie Self-Fitting-Hörgeräte und Hearables, die sich selbst an den Hörverlust anpassen, komfortabel sind, einfach gepflegt und gewartet werden können und nur einen Bruchteil klassischer Hörgeräte kosten. Wir bei entiendoo bieten solche modernen Hörhilfen an.
3. Nutzen und gesundheitliche Vorteile von Hörgeräten
Hörgeräte sind hilfreich, um das Hören und das Sprachverständnis von Menschen mit sensorineuralem Hörverlust zu verbessern. Diese Art von Hörverlust wird durch Schäden an den kleinen sensorischen Zellen im Innenohr, den sogenannten Haarzellen, verursacht. Die Schäden können durch Krankheit, fortschreitendes Alter, Verletzungen durch Lärm oder bestimmte Medikamente verursacht werden.
Ein Hörgerät verstärkt die Schallvibrationen, die ins Ohr gelangen. Haarzellen erkennen die größeren Vibrationen und wandeln sie in neuronale Signale um, die an das Gehirn weitergeleitet werden. Je größer die Schäden an den Haarzellen einer Person sind, desto schwerwiegender ist der Hörverlust und desto größer ist die benötigte Verstärkung durch das Hörgerät.

Leidet man unter einer unbehandelten Hörminderung oder weigert man sich, ein Hörgerät zu nutzen, ist das Risiko höher, dass man weniger soziale Kontakte pflegt und sich zunehmend isoliert. Bildquelle: Teona Swift
Unbehandelter Hörverlust birgt zahlreiche Gesundheitsrisiken wie Demenz, Stürze und Probleme mit der Psyche, beispielsweise Depressionen. Diese Probleme resultieren oft aus der sozialen Isolation, die mit Hörverlust einhergeht. Das Hörvermögen nimmt mit dem Alter ab. Bis zum Alter von hundert Jahren ist fast jeder Mensch betroffen.
Die gute Nachricht: Die Behandlung von Schwerhörigkeit mit Hörgeräten kann die Lebensqualität erheblich verbessern. In Studien konnte deutlich gezeigt werden, dass Hörgeräteträger seltener von einem schlechten Gesundheitszustand berichten.
- Im Zuge einer Studie aus dem Jahr 2019 erkannten Forscher, dass das Tragen von Hörgeräten das Demenzrisiko signifikant senken kann.
- In Studien aus dem Jahr 2023 wurde gezeigt, dass das Tragen von Hörgeräten den kognitiven Abbau verlangsamen und das Risiko für Stürze reduzieren können.
- Schwerhörigkeit beeinflusst auch die psychische Gesundheit: Menschen ohne Hörgeräte haben ein höheres Risiko für Einsamkeit, Angstzustände und Depressionen. Das Tragen von Hörgeräten kann dieses Risiko deutlich verkleinern.
- Es gibt auch eine Verbindung zwischen Schwerhörigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Unbehandelter Hörverlust scheint vor allem bei Männern das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte zu erhöhen, während das Tragen von Hörgeräten mit einer besseren Herzgesundheit verbunden wird.
Die Verwendung von Hörgeräten verbessert somit nicht nur das Hören, sondern bietet auch zahlreiche gesundheitliche Vorteile – von der Reduzierung des Demenzrisikos bis zur Verbesserung der Herzgesundheit.
4. Hörgerät-Funktionsweise
Ein Hörgerät hat drei grundlegende Teile: ein Mikrofon, einen Verstärker und einen Lautsprecher. Das Hörgerät empfängt den Ton über ein Mikrofon, das die Schallwellen in elektrische Signale umwandelt und sie dann an einen Verstärker sendet. Der Verstärker erhöht die Leistung der Signale und sendet sie dann durch einen Lautsprecher ins Ohr.
Zudem ist die Hörgerät-Funktionsweise auch abhängig von der Art der Elektronik, die verwendet wird. Die beiden Hörgerät-Arten nach Elektronik sind analog und digital.
- Analoge Hörgeräte wandeln Schallwellen in elektrische Signale um, die verstärkt werden. Analoge/verstellbare Hörgeräte werden individuell angepasst, um den Bedürfnissen jedes Benutzers gerecht zu werden. Das Hörgerät wird vom Hersteller entsprechend den Empfehlungen eines Audiologen programmiert. Heutzutage kommen Hörhilfen gemäß analoger Hörgerät-Funktionsweise immer seltener zum Einsatz, da digitale Hörgeräte eine bessere Anpassung an individuelle Hörbedürfnisse bieten, Hintergrundgeräusche besser reduzieren können und oft zusätzliche Funktionen wie Bluetooth-Konnektivität haben.
- Digitale Hörgeräte wandeln Schallwellen in numerische Codes um, ähnlich dem Binärcode eines Computers, bevor sie verstärkt werden. Da der Code auch Informationen über Tonhöhe oder Lautstärke eines Geräusches enthält, kann das Hörgerät speziell programmiert werden, um einige Frequenzen mehr zu verstärken als andere. Die digitale Hörgerät-Funktionsweise bietet mehr Flexibilität bei der Anpassung des Hörgeräts an die Bedürfnisse des Benutzers und an bestimmte Hörsituationen.
5. Beurteilung der Hörleistung

Die Fähigkeit zu hören ist von entscheidender Bedeutung für unsere Kommunikation, unser soziales Leben und unsere Sicherheit im Alltag. Bildquelle: Brooke Cagle
Jeder Mensch ist einzigartig und hat individuelle Höranforderungen: Hörminderungen können in ihrer Stärke sowie im betroffenen Frequenzbereich stark variieren.
Deshalb ist es äußerst wichtig, eine sorgfältige Bewertung der Hörleistung vorzunehmen. Diese ermöglicht es, die individuellen Anforderungen auszumachen, ein passendes Hörgerät aus den verschiedenen Hörgerät-Arten auszuwählen und es so anzupassen, dass es eine optimale Hörverbesserung erzielt.
- Bei Schwierigkeiten, hohe Töne zu hören, spricht man von einer Hochtonschwerhörigkeit. Das ist beispielsweise bei den meisten Menschen mit Presbyakusis (Altersschwerhörigkeit) der Fall. Bei jenen Personen könnten offene In-Ohr-Hörgeräte die beste Wahl sein. Diese Art von Hörgerät lässt die noch hörbaren tiefen Töne durch, während die hohen Töne verstärkt werden, die möglicherweise nicht mehr gehört werden können.
- Eine Tieftonschwerhörigkeit kann die Qualität des Gehörten beeinträchtigen und daher die Anpassung eines Hörgeräts erschweren. In solchen Fällen kann ein speziell angefertigtes Hörgerät eine Lösung sein. Wenn ein Hörverlust besonders schwerwiegend ist, ist es unter Umständen etwas schwieriger, die richtige Hörhilfe zu finden. Grundsätzlich gilt: Je stärker die Hörminderung, desto stärker müssen auch die Verstärkung und das Hörgerät sein.
- Wenn Sie unter einseitigem Hörverlust leiden, gibt es verschiedene Optionen. Hier können zum Beispiel spezielle Hörhilfen, knochenverankerte Hörsysteme und Cochlea-Implantate zum Einsatz kommen.
6. Klassische Hörgerät-Arten
Es gibt verschiedene Arten von Hörgeräten, die sich bei der Größe, Platzierung im oder am Ohr und der Art und Weise, wie sie den Ton verstärken, unterscheiden.
Es kann grundsätzlich zwischen zwei Hörgerät-Arten unterschieden werden:
- In-dem-Ohr(IdO)-Hörgeräte
- Hinter-dem-Ohr(HdO)-Hörgeräte
6.1. In-dem-Ohr-Hörgeräte
In-dem-Ohr-Hörgeräte (auf Englisch ITE nach „in the ear“), auch bekannt als „unsichtbare Hörgeräte“, werden im Ohrkanal getragen, sind durch hautfarbene Töne optisch diskret und sind in der Regel maßgefertigt.

Da In-dem-Ohr-Geräte tief im Ohr sitzen, bieten sie eine optisch diskrete Option für Menschen mit Hörproblemen; dadurch sind sie jedoch auch schwer bedienbar. Bildquelle: Mark Paton
Es gibt verschiedene Arten von Hörgeräten, die in dem Ohr platziert sind:
- Unsichtbare und vollständige Im-Gehörgang-Hörgeräte sind typischerweise für Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust geeignet. Da diese Hörgeräte tief im Ohr sitzen, sind sie optisch sehr diskret und bieten eine gute Klangqualität. Ihre tiefe Lage im Ohr macht diese Hörgeräte allerdings anfällig für Ohrenschmalz und Feuchtigkeitsschäden. Die Größe dieser Mini-Hörgeräte macht den Umgang damit problematisch, da es nahezu unmöglich ist, die häufig zu wechselnden Batterien selbst auszutauschen. Zudem bieten sie begrenzte Konnektivität zu drahtlosen Geräten. Die beiden Hörgerät-Arten sind folgendermaßen zu unterscheiden:
- Unsichtbare Im-Gehörgang-Hörgeräte (auf Englisch IIC nach „invisible in the canal“) werden vom Träger sehr tief in den Ohren platziert, wodurch sie von außen nicht mehr sichtbar sind. Sie müssen durch Ziehen an einem kleinen Faden entfernt werden.
- Vollständig-im-Gehörgang-Hörgeräte (auf Englisch CIC nach „completely in the canal“) sind sehr ähnlich, sitzen aber nicht ganz so tief im Gehörgang.
- Unsichtbare Im-Gehörgang-Hörgeräte (auf Englisch IIC nach „invisible in the canal“) werden vom Träger sehr tief in den Ohren platziert, wodurch sie von außen nicht mehr sichtbar sind. Sie müssen durch Ziehen an einem kleinen Faden entfernt werden.
- Im-Gehörgang-Hörgeräte (auf Englisch ITC nach „in the canal“) sitzen im unteren Teil der Ohrmuschel und sind daher bequem und einfach zu bedienen. Da sie etwas größer sind als IIC- und CIC-Hörgeräte haben sie in der Regel eine etwas längere Batterielebensdauer und eignen sich für ein breiteres Spektrum von Hörverlusten. Aufgrund ihrer Größe bieten sie außerdem zusätzliche Funktionen wie Richtmikrofone für besseres Verstehen in lauten Umgebungen und manuelle Bedienelemente wie ein Lautstärkerad. Auch sie sind anfällig für Ohrenschmalz und Feuchtigkeitsschäden und bieten begrenzte Konnektivität.
- Low-Profile-Hörgeräte ähneln ITC-Modellen und reichen von halbschaligen Designs, die die Hälfte der Ohrmuschel ausfüllen, bis hin zu vollschaligen Designs, die fast die gesamte Ohrmuschel ausfüllen. Die größere Größe dieser Hörgeräte erleichtert das Einsetzen und Entfernen. Sie bieten außerdem mehr Funktionen und Bedienelemente. Darüber hinaus ist die Konnektivität zu drahtlosen Geräten wie Telefonen bei diesen Modellen wahrscheinlicher. Im Vergleich zu kleineren In-Ohr-Stilen sind sie jedoch optisch auffälliger. Zudem kann das Tragen dieser Hörgerät-Art ein Gefühl des „Verstopftseins“ im Ohr erzeugen.
6.2. Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte
Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (auf Englisch BTE nach „behind the ear“) sitzen hinter oder oben auf dem äußeren Ohr und leiten den Schall über Schläuche in den Ohrkanal.

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte sind einfacher zu bedienen, können sich aber für Brillenträger und Menschen mit kleinen Ohren aufgrund von Platzmangel mitunter problematisch gestalten. Bildquelle: Mark Paton
Diese Hörgeräte sind eine beliebte Option, da sie mit verschiedenen Farben und Designs viele individuelle Möglichkeiten bieten. Zudem punkten sie durch eine einfachere Handhabung und Wartung. Zugleich sind diese Modelle aber weniger diskret als Hörgeräte im Ohr, weil das Mikrofon und der Prozessor hinter dem Ohr deutlich sichtbar sind.
- Die bekannteste Art dieser Hörgeräte sind HdO-Modelle mit Ohrpassstücken. Diese Hörgerät-Art können für jede Art von Hörverlust geeignet sein, von leicht bis hochgradig. Sie bieten mehr Funktionen, Bedienelemente und Batterieleistung als Mini-Hörgeräte. Insbesondere Kinder nutzen Hörgeräte mit Ohrpassstück, da es bei Bedarf umprogrammiert und das Ohrpassstück separat ersetzt werden kann, wenn das Kind wächst. Außerdem sind diese Modelle weniger anfällig für Schäden durch Feuchtigkeit. Mögliche Nachteile können sein, dass das Tragen dieser Hörgeräte für Brillenträger und Menschen mit kleinen Ohren problematisch sein kann und sie optisch auffälliger sind.
- Eine weitere Hörgerät-Art ist das sogenannte RITE-Hörgerät (auf Englisch nach „receiver in the ear“), das je nach Hersteller auch RIC-Hörgerät (nach „receiver in canal“) genannt wird. Dabei handelt sich es um Hörgeräte mit einer offenen Passform, bei denen sich der Lautsprecher des Hörgeräts im Gehörgang befindet, während das Mikrofon und der Prozessor in einem kleinen Gehäuse hinter dem Ohr sitzen. Sie sind durch ein dünnes Kabel verbunden. Dieser Hörgerätstil bietet üblicherweise eine überdurchschnittlich gute Klangqualität. Wenn es beschädigt wird, kann der Lautsprecherteil des Hörgeräts einfach ersetzt werden. Zudem gibt es viele Modelle mit wiederaufladbaren Batterien. Viele Geräte verfügen über Konnektivität und neue Features, beispielsweise mit KI. Mögliche Nachteile können Probleme mit der Handhabung, Schäden durch Feuchtigkeit und Ohrenschmalz sowie die optische Auffälligkeit des Geräts sein.
7. Moderne Arten von Hörgeräten
Alle Hörgerät-Arten haben ihre eigenen Vor- und Nachteile, abhängig von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Benutzers. Neben den traditionellen Arten von Hörgeräten sollten auch moderne Hörgeräte wie Self-Fitting-Hörgeräte und Hearables erwähnt werden.
7.1. Self-Fitting-Hörgeräte
Der Prozess, um ein Hörgerät zu kaufen und anzupassen, kann zeitaufwändig sein, weil er meist mehrere Besuche bei einem Hörakustiker erfordert. Zudem können die Kosten für die professionelle Anpassung hoch sein. Sie werden nicht von allen Versicherungen abgedeckt.
Im Vergleich dazu sind Self-Fitting-Hörgeräte eine schnellere und kostengünstigere Alternative für Menschen mit leichtem bis mittelschwerem Hörverlust, da Benutzer ihre Hörgeräte selbst einstellen können und nicht auf einen Hörakustiker angewiesen sind. Das bedeutet mehr Autonomie, Bequemlichkeit sowie eine Ersparnis von Zeit und Kosten.
7.2. Hearables
Hearables bieten eine vielseitige Lösung für Personen mit leichtem bis mittelschwerem Hörverlust, die sich eine multifunktionale Lösung wünschen, unter anderem mit Funktionen wie Reduktion von Hintergrundgeräuschen, Musikwiedergabe, Anrufannahme oder Fitness-Tracking.

Hearables sind besonders für Menschen mit leichtem oder mittlerem Hörverlust geeignet, die sich viele Funktionen bei ihrem Gerät wünschen. Bildquelle: Miriam Alonso
Hearables bieten im Vergleich zu herkömmlichen Hörgerät-Arten weniger Verstärkung und werden daher meist nicht als klassische Hörgeräte eingestuft. Trotzdem ermöglichen sie Anpassungen und bieten eine gewisse Verstärkungsfunktion, die den individuellen Hörbedürfnissen von Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust gerecht werden kann.
8. Implantate als Hörhilfen
Es gibt auch andere Arten von Hörgeräten, beispielsweise implantierbare Hörgeräte. Obwohl sie sich von den oben beschriebenen Hörgeräten unterscheiden, sind implantierbare Geräte ebenfalls darauf ausgelegt, die Übertragung von Schallschwingungen in das Innenohr zu erhöhen. Sie sind für starke Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit geeignet.
- Ein Mittelohrimplantat ist ein kleines Gerät, das an einem Knochen des Mittelohrs befestigt wird. Anstatt den Schall, der zum Trommelfell gelangt, zu verstärken, bewegt ein Mittelohrimplantat diese Knochen direkt. Dadurch werden die Schallschwingungen verstärkt, die ins Innenohr gelangen, damit sie von Personen mit sensorineuralem Hörverlust wahrgenommen werden können.
- Ein knochenverankertes Hörgerät ist ein kleines Gerät, das an den Knochen hinter dem Ohr befestigt wird. Das Gerät überträgt Schallschwingungen diekt über den Schädel ins Innenohr und umgeht das Mittelohr. Knochenverankerte Hörgeräte werden im Allgemeinen von Personen mit Mittelohrproblemen oder Gehörlosigkeit in einem Ohr verwendet. Da es sich um ein Implantat handelt, ist eine Operation erforderlich.
- Für Menschen mit einer sehr schwerwiegenden Hörminderung oder Gehörlosigkeit können auch Cochlea-Implantate zum Einsatz kommen. Anstatt Schall zu verstärken, wie es Hörgeräte tun, vermitteln Cochlea-Implantate das Gefühl von Schall durch Stimulation des Hörnervs. Auch bei Cochlea-Implantaten ist eine Operation notwendig.

Ein Cochlea-Implantat besteht aus zwei Hauptkomponenten: einem externen Teil, der entweder über das Ohr gehängt oder am Kopf getragen wird und einem chirurgisch implantierten internen Teil. Diese beiden Komponenten sind durch einen starken Magneten miteinander verbunden. Bildquelle: icarmen13
9. Die Auswahl des richtigen Hörgeräts
Welches das für Sie beste Hörgerät ist, hängt von der Art und dem Schweregrad Ihres Hörverlusts ab. Wenn Sie einen Hörverlust in beiden Ohren haben, werden in der Regel zwei Hörgeräte empfohlen, da zwei Hörgeräte ein natürlicheres Signal an das Gehirn liefern. Das Hören mit beiden Ohren hilft auch dabei, Sprache zu verstehen und die Richtung der Geräusche zu lokalisieren.
Die Auswahl des perfekten Hörgeräts sollte sich immer an Ihren individuellen Bedürfnissen und Ihrem Lebensstil orientieren. Natürlich ist auch der Preis ein wichtiger Faktor, da Hörgeräte kostspielig sein können. Ähnlich wie bei anderen Geräteanschaffungen beeinflussen Optik und Funktionen den Preis. Achten Sie jedoch nicht nur auf die Kosten, um das beste Hörgerät für sich auszuwählen. Nur weil ein Hörgerät teurer ist als ein anderes, bedeutet das nicht unbedingt, dass es besser zu Ihnen passt.
Gut zu wissen: Ein Hörgerät kann eine bereits bestehende Schwerhörigkeit zwar nicht heilen, es kann sie aber durchaus ausgleichen. Mit Übung kann ein Hörgerät Ihr Bewusstsein für Geräusche und ihre Quellen erhöhen. Sie sollten Ihr Hörgerät unbedingt regelmäßig tragen. Wählen Sie daher eines aus, das für Sie bequem und einfach zu tragen und zu bedienen ist.
10. Fragen, die bei der Entscheidung für ein Hörgerät wichtig sind
Bevor Sie ein Hörgerät kaufen, gibt es viel zu bedenken. Wir bei entiendoo machen es für Sie so einfach, wie es nur sein kann. Auf Basis des Ergebnisses unseres Online-Hörtests stellen wir Ihnen Optionen und Lösungen vor, die perfekt auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Seien Sie unbesorgt: Gemeinsam finden wir Ihre perfekte Hörhilfe!
11. Gewöhnung an das Hörgerät
Es gibt keinen Anlass zur Sorge, wenn es ein wenig dauert, bis Sie sich an Ihre Hörgeräte gewöhnt haben. Das Gehirn benötigt eine gewisse Zeit, um sich an die nun wieder wahrnehmbaren Frequenzbereiche zu gewöhnen.
Es ist wichtig, dass Sie Ihre Hörgeräte regelmäßig tragen, um diesen Prozess zu unterstützen. Wir lassen Sie damit aber nicht allein: entiendoo unterstützt Sie bei jedem einzelnen Schritt auf Ihrem Weg zu einem besseren Hörerlebnis.
12. Häufige Probleme beim Tragen von Hörgeräten
Es kann sein, dass Sie eines der folgenden Probleme beim Tragen Ihres Hörgeräts erleben:
- Ihr Hörgerät fühlt sich unbequem an.
- Ihre Stimme klingt zu laut.
- Sie bekommen Rückkopplungen von dem Hörgerät.
- Sie hören Hintergrundgeräusche.
- Sie hören ein Summen, wenn Sie Ihr Handy benutzen.
Falls Sie diese Probleme erleben, sind wir für Sie da, um sie gemeinsam mit Ihnen zu lösen.
13. Pflege und Wartung von Hörgeräten
Ordnungsgemäße Wartung und Pflege verlängern die Lebensdauer Ihres Hörgeräts. Gewöhnen Sie sich Folgendes an:
- Halten Sie Ihre Hörgeräte fern von Hitze und Feuchtigkeit.
- Reinigen Sie Hörgeräte stets wie vom Hersteller angegeben. Ansammlungen von Ohrenschmalz können Ihr Hörgerät beschädigen.
- Vermeiden Sie es, Haarspray oder andere Haarpflegeprodukte zu verwenden, während Sie Ihre Hörgeräte tragen.
- Schalten Sie Ihre Hörgeräte aus, wenn sie nicht benutzt werden.
- Ersetzen Sie leere Batterien sofort.
- Halten Sie Ihre Hörgeräte von Kindern und Haustieren fern.
Hörgeräte bieten die schnellste und effektivste Lösung bei Hörverlust. Sie sollten getragen werden, weil sie das Risiko von Demenz, Stürzen und Depressionen senken und soziale Isolation verhindern können. Die verschiedenen Arten von Hörgeräten bieten eine breite Palette an Möglichkeiten, um Menschen mit unterschiedlichen Arten und Graden von Hörverlust zu helfen.
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Quellenverzeichnis
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