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Tinnitus-Behandlung: Therapie bei akutem oder chronischem Tinnitus

entiendoo Redaktion
27.02.2026
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Nahaufnahme vom Ohr eines Mannes, der im Zuge einer Tinnitus-Behandlung mit einem Otoskop untersucht wird.

Bildquelle: Kaboompics

Tinnitus ist ein Symptom, bei dem Geräusche wie Klingeln, Pfeifen oder Rauschen im Ohr oder im Kopf wahrgenommen werden. Oft heißt es: „Bei Tinnitus kann man nichts machen.“ Das ist aufgrund des hohen Leidensdrucks vieler Betroffener sehr entmutigend und frustrierend. Wir widersprechen dieser Aussage und zeigen in unserem Blogartikel, welche Ansätze der Tinnitus-Behandlung Sie gegen Ihren Tinnitus nutzen können.

entiendoo-Fachexpertin Mag. Maria Heiss hat als angesehene Hörakustik-Meisterin, Tinnitusspezialistin und Inhaberin eines eigenen Hörstudios in St. Pölten langjährige Erfahrung in der erfolgreichen Betreuung von Tinnitus-Patienten. Im Laufe dieses Textes meldet sie sich persönlich zu Wort, um ihr Wissen mit Ihnen zu teilen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Annahme „Gegen Tinnitus kann man nichts tun“ ist längst überholt und entspricht keinesfalls der Wahrheit. Sowohl für akuten als auch für chronischen Tinnitus gibt es verschiedene Mittel und Wege, die Ihnen das Leben mit Tinnitus deutlich erleichtern können.
     
  • Ein akuter Tinnitus (in den ersten drei Monaten) wird wie ein Hörsturz behandelt. Meist erfolgt die Tinnitus-Behandlung mit Cortison. Nach dieser Phase gelten Medikamente als nicht mehr wirkungsvoll.
     
  • Auch für einen chronischen Tinnitus (nach Ablauf der akuten Phase) gibt es zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten. Allem voran stehen Hörgeräte, weil sie sich als effektivstes Mittel in der Tinnitus-Behandlung erwiesen haben.
     
  • Darüber hinaus können Betroffene von Tinnitus auf Hörtrainings, Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) und andere Therapieformen (wie z. B. kognitive Verhaltenstherapie) zurückgreifen, um ihren Leidensdruck zu verringern.
     
  • Ergänzende Maßnahmen wie Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel) und Entspannungstechniken sind mitunter ebenfalls nützlich, um die Tinnitus-Belastung im Alltag zu senken.
     
  • Wenn Sie unter Tinnitus leiden, sollten Sie generell sowohl absolute Stille als auch sehr laute Orte meiden.

1. Was tun bei akutem Tinnitus? (akute Tinnitus-Behandlung)

Wann welche Art der Tinnitus-Behandlung für Sie sinnvoll ist, hängt zuallererst einmal davon ab, ob es sich bei Ihnen um einen akuten oder chronischen Tinnitus handelt. In den ersten drei Monaten spricht man von akutem Tinnitus und dieser wird in der Regel wie ein Hörsturz (plötzlicher Hörverlust) behandelt. Er hat eine überschaubare Anzahl an Behandlungsmethoden.

1.1. Tinnitus-Cortisontherapie und hyperbare Sauerstofftherapie

Nahaufnahme vom Arm einer Frau, die zur Behandlung von Tinnitus Infusionen bekommt.

Bei akutem Tinnitus können Infusionen mit Cortison Teil der Tinnitus-Behandlung sein. Bildquelle: yacobchuk

  • Die primäre Methode der Tinnitus-Behandlung bei akuten Ohrgeräuschen ist eine Cortisonbehandlung oder Steroidtherapie, die innerhalb der ersten zwei Wochen durchgeführt werden sollte. Bei der systemischen Tinnitus-Behandlung mit Cortison wird dieses in Form von Tabletten oder Infusionen zugeführt. Bei der intratympanalen Cortisonbehandlung wird das Cortison direkt in das Mittelohr injiziert.
     
  • Eine weitere Methode der Tinnitus-Behandlung ist die hyperbare Sauerstofftherapie oder hyperbare Oxygenierung (HBO), die kombiniert mit der systemischen Cortisonbehandlung ebenfalls innerhalb der ersten zwei Wochen durchgeführt werden sollte. Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie wird bei erhöhtem (hyperbaren) Umgebungsdruck – meist in einer Druckkammer – reiner Sauerstoff eingeatmet.

1.2. Tinnitus-Medikamente

In der Phase eines akuten Tinnitus (in den ersten drei Monaten) kann, wie oben beschrieben, die Gabe von Kortison oder durchblutungsfördernden Medikamenten hilfreich sein. Spätestens nach sechs Monaten andauerndem Tinnitus (chronischer Tinnitus) gibt es allerdings keinen Nachweis über die Wirksamkeit eines Medikaments – und das, obwohl immer wieder Medikamente wie Betahistin, Gabapentin und Benzodiazepine verschrieben werden.

Fachexpertin Mag. Maria Heiss: „Aufgrund des mangelnden Nachweises für die Wirksamkeit von Medikamenten gegen chronischen Tinnitus höre ich oft den Ausspruch, dass man gegen Tinnitus nichts tun kann und damit leben muss. Das ist aber nicht richtig, denn es gibt einige andere Möglichkeiten, den Leidensdruck zu reduzieren, wie wir Ihnen in diesem Blogartikel vermitteln möchten."

Hilfreich im Rahmen der Tinnitus-Behandlung sind Medikamente gegen Begleiterkrankungen von Tinnitus, beispielsweise Antidepressiva bei Depressionen. Die Einnahme von Medikamenten ist immer unbedingt mit einem Arzt abzuklären.

Gut zu wissen: entiendoo hat sich einem holistischen Ansatz in der Förderung Ihrer Hörgesundheit verschrieben. Wir bieten Ihnen nicht nur einen umfassenden Wissensbereich mit allerlei relevanten Informationen, sondern vermitteln Ihnen auch gerne die für Sie passenden Hörlösungen.

2. Was tun bei chronischem Tinnitus? (Tinnitus-Behandlung)

Besteht der Tinnitus schon länger als drei Monate, so kann er im Gegensatz zum akuten Tinnitus auf verschiedene Weisen behandelt werden. In den folgenden Kapiteln gehen wir detailliert auf die verschiedenen Methoden der chronischen Tinnitus-Behandlung ein. Wenn wir im Folgenden von Tinnitus sprechen, meinen wir damit immer den chronischen Tinnitus.

2.1. Hörgeräte gegen Tinnitus

Gesellschaftlich ist es heute absolut anerkannt, Tinnitus zu haben. Ein Hörverlust wird jedoch gern weiterhin verdrängt. Etwa neunzig Prozent aller Menschen, die unter Ohrgeräuschen leiden, haben auch einen Hörverlust – die meisten wissen es jedoch nicht. Es genügt eine einzige Frequenz, die geschädigt ist, ohne dass es dem Betroffenen auffällt. Genau in dieser Frequenz ist meist der Tinnitus zu finden und das ist kein Zufall, denn genau dort bekommt das Gehirn zu wenig Reize von außen.

Gleicht man diese Frequenz mit einem Hörgerät aus, tritt der Tinnitus üblicherweise sofort in den Hintergrund. Grund dafür ist, dass das Gehirn nun wieder genug stimuliert wird. Es ist nicht nur die unkomplizierteste, sondern zugleich die effektivste Methode in der Tinnitus-Behandlung. Ein Großteil der Betroffenen erfährt damit sehr rasch zumindest eine deutliche Erleichterung des Ohrgeräusches.

  • Hörgeräte: Es gibt sowohl praktisch als auch wissenschaftlich deutliche Hinweise darauf, dass Menschen mit Tinnitus Hörgeräte als hilfreich empfinden – auch bei Betroffenen, die keinen messbaren Hörverlust aufweisen. Wenngleich wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit wegen der Komplexität von Tinnitus und seiner Entstehung nur sehr schwer zu bekommen sind, dürfen Experten in der Praxis tagtäglich zuverlässig den Erfolg von Hörgeräten bei Tinnitus-Patienten beobachten. Daher empfehlen ärztliche Leitlinien den Einsatz von Hörgeräten in der Tinnitus-Behandlung.

Gut zu wissen: In den letzten Jahren wurden für Menschen mit leichter bis mittlerer Schwerhörigkeit zunehmend Hearables (eine Art moderner Hörgeräte) entwickelt. Sie ähneln optisch und funktional den bekannten „Earbuds“ (= kleine, kabellose Kopfhörer mit smarten Funktionen), sind selbstständig anpassbar (= self-fitting), frei zugänglich und preisgünstiger als traditionelle Hörgeräte. Bei entiendoo finden Sie eine Auswahl an modernen Hörlösungen, die zu Ihren individuellen Bedürfnissen passen.

  • Tinnitus-Noiser: Ein Noiser ist ein Rauschgenerator, der ein künstliches Rauschen erzeugt, das alle Frequenzen beinhaltet (wie beispielsweise Meeresrauschen). Er eignet sich vor allem für Menschen, die unter Tinnitus leiden, aber keinen nachweisbaren Hörverlust haben. Der Noiser wird in der klassischen Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) eingesetzt. Neben reinen Noisern gibt es auch einige Hörgeräte, die zusätzlich über eine Noiser-Funktion verfügen. Ziel beim Einsatz eines Noisers ist, dem Gehirn das Hören des Ohrgeräusches wieder zu „verlernen“ (sogenannte Habituation). Habituation bedeutet, dass man sich an einen Ton gewöhnt und ihn nicht mehr bewusst wahrnimmt. So senkt sich langfristig der Leidensdruck von Betroffenen.
     
  • Tinnitus-Masker: Während das Geräusch im Ohr bei Tinnitus-Noisern noch hörbar ist, um langfristig eine Habituation zu ermöglichen, ist bei dieser Version eines Rauschgenerators das Geräusch im Ohr vollständig durch Rauschen überdeckt („maskiert“). Tinnitus-Masker werden in der Praxis allerdings nicht mehr verwendet und sind im Rahmen der Tinnitus-Behandlung nicht zu empfehlen, weil diese Tinnitus auch verstärken können.
     
  • Cochlea-Implantate: Wenn Personen gehörlos oder so stark schwerhörig sind, dass Hörgeräte nicht mehr helfen, kommen Cochlea-Implantate zum Einsatz. Diese erfordern einen operativen Eingriff. Anstatt Schall zu verstärken, wie Hörgeräte es tun, vermitteln Cochlea-Implantate das Gefühl von Schall, indem sie den Hörnerv stimulieren. Ebenso wie Hörgeräte können Cochlea-Implantate nicht nur den Hörverlust lindern, sondern auch die Tinnitus-Symptome.

Gut zu wissen: Haben Sie das Gefühl, nicht nur unter Ihrem Tinnitus, sondern auch unter Ihrem Hörverlust zu leiden? Dann machen Sie jetzt bequem von zuhause aus unseren gratis Online-Hörtest. Als Ergebnis erhalten Sie ein Audiogramm sowie Empfehlungen für passende Hörlösungen aus dem entiendoo-Shop.

2.2. Tinnitus-Retraining-Therapie

Ein verhältnismäßig wenig verbreiteter, aber vielversprechender Ansatz in der Tinnitus-Behandlung ist die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) nach Hazell und Jastreboff. Die Tinnitus-Retraining-Therapie umfasst eine Tinnitus-Beratung (Tinnitus-Counselling), das Tragen von Tinnitus-Noisern (Rauschgeneratoren) und psychologische Therapie. Ziel der TRT ist die Habituation, das heißt, dem Gehirn das Wahrnehmen des Tinnitus-Geräusches abzutrainieren.

Fachexpertin Mag. Maria Heiss: „Das Tragen eines Noisers nur nach eigenem Gefühl und ohne Anleitung gilt als nicht zielführend, während das Tragen eines Noisers im Rahmen der TRT dagegen sehr zielführend ist. Bei der Einstellung der Lautstärke und der Dauer des Rauschens gibt es klare Regelungen im Zusammenhang mit der TRT. Ich bin von der Effektivität der Tinnitus-Retraining-Therapie überzeugt und biete sie vor Ort an. Möchten Sie mehr über die TRT erfahren? Versuchen Sie, herauszufinden, ob es auch in Ihrer Nähe Fachkundige gibt, die Ihnen weiterhelfen können."

2.3. Hörtraining und Apps bei Tinnitus

Eine weitere Methode der Tinnitus-Behandlung ist ein Hörtraining oder eine Hörtherapie. Beim Tinnitus-Hörtraining wird versucht, Fähigkeiten wie Richtungshören, Fokussierung und Differenzierung von Geräuschen und Tonhöhen zu trainieren. Hörtraining kann viele Lebensbereiche verbessern, darunter Sprachverständnis, auditive Aufmerksamkeit, Kommunikation und Multitasking.

Einen weiteren hilfreichen Ansatz zur Tinnitus-Behandlung bieten Apps, beispielsweise mit Naturklängen, um das Gehirn vom Tinnitus abzulenken. Es gibt auch dynamische Klanglandschaften oder Entspannungsübungen mit Anleitungen kombiniert. Damit sollen den Ohren abwechslungsreiche Sinneseindrücke vermittelt und die Aufmerksamkeit des Gehirns vom Tinnitus weggelenkt werden. Dadurch kann der Leidensdruck reduziert werden.

2.4. Tinnitus-Supplements

Es gibt eine Vielzahl an Supplements (Nahrungsergänzungsmitteln), die Sie bei der Tinnitus-Behandlung in Betracht ziehen können.

Tinnitus-Supplements, die auf einer grünen Fläche liegen

Es gibt eine Vielzahl an Supplements, die von manchen Menschen im Rahmen einer Tinnitus-Behandlung eingenommen werden. Bildquelle: Nataliya Vaitkevich

  • Antioxidantien: Es gibt Hinweise darauf, dass verschiedene Antioxidantien wie Vitamin B2, B3, C und E, Beta-Carotin und Coenzym Q10 bei der Tinnitus-Behandlung unterstützend wirken könnten.
     
  • B-Vitamine: Diese Vitamine sind entscheidend für ein gesundes Nervensystem. Ein Mangel an Vitamin B12 könnte zu neuronalen Funktionsstörungen, gefolgt von cochlearen Funktionsstörungen und schließlich Hörverlust und Tinnitus führen. B12-Injektionen könnten bei einem bestehenden Mangel helfen.
     
  • Ginkgo biloba: Die Blätter des Ginkgo-Baums werden schon seit Jahrtausenden in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet und sind inzwischen auch in der westlichen Welt populär. Es gibt Hinweise, dass Ginkgo-Präparate bei einer Tinnitus-Therapie wirksam sein könnten.
     
  • Ginseng und Gushen Pian: Auch bei rotem Ginseng und Gushen Pian – ebenfalls aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) – gibt es Hinweise, dass diese bei einer holistischen Tinnitus-Behandlung hilfreich sein könnten.
     
  • Melatonin: Melatonin, das Schlafhormon aus der Zirbeldrüse könnte für Tinnitus-Betroffene positiv wirken, etwa durch gefäßerweiternde, muskelentspannende, antidepressive und antoxidative Effekte. Da viele Tinnitus-Betroffene an Schlafstörungen leiden, kann Melatonin auch hier hilfreich sein.
     
  • Zink: Zink ist für die Gesundheit des ganzen Körpers von Bedeutung, insbesondere für das Innenohr. Da Menschen mit Tinnitus niedrige Zinkwerte haben, vor allem ältere Personen und Personen mit stark wahrgenommenem Tinnitus, könnte die Zinkgabe helfen. Auch Kupfer, Kalzium und Mangan rücken für die Tinnitus-Behandlung zunehmend in den Fokus.

Gut zu wissen: Neben Tinnitus-spezifischen Nahrungsergänzungsmitteln gibt es viele weitere Supplements (Nahrungsergänzungsmitteln), auf die manche Menschen zur Verbesserung ihrer Hörgesundheit schwören. Bei entiendoo finden Sie eine Auswahl an Produkten, die wir guten Gewissens empfehlen können.

2.5. Entspannung bei Tinnitus

Da Tinnitus und Stress eng zusammenhängen, können Ihnen regelmäßige Entspannungstechniken dabei helfen, Ihren Leidensdruck zu senken. Wir stellen Ihnen im Folgenden einige Techniken vor, die Sie im Rahmen Ihrer Tinnitus-Behandlung ausprobieren können – auch in Kombination.

Ein Mann liegt auf einer Yogamatte und macht Entspannungsübungen, um seine Tinnitus-Behandlung zu unterstützen.

Verschiedene Formen der Achtsamkeitspraxis und Stressreduktion können bei der Tinnitus-Behandlung eine wichtige Ergänzung darstellen. Bildquelle: cottonbro studio

  • Achtsamkeitsbasierte Techniken, beispielsweise Meditation, Atemübungen und achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction, MBSR) können in Rahmen einer Tinnitus-Behandlung hilfreich sein. Bei MBSR handelt es sich um ein achtwöchiges Programm, bei dem verschiedene Übungen durchgeführt werden, beispielsweise bewusste Körperwahrnehmung (Bodyscan) und Bewegung, bewusstes Atmen oder eine achtsame Durchführung von alltäglichen Dingen wie Essen sowie Sitz- und Gehmeditation.
     
  • Bewegungsorientierte Techniken wie Yoga, Tai-Chi und Qigong werden von manchen Betroffenen im Zuge der Tinnitus-Behandlung genutzt. Yoga, das seine Wurzeln in Indien hat, umfasst eine Vielzahl von einfachen bis sehr herausfordernden Positionen sowie Atem- und Meditationsübungen. Tai-Chi hingegen ist eine chinesische Kampfkunst, die Kampfkunstbewegungen mit Atem- und Dehntechniken kombiniert und für ihre langsamen, fließenden Bewegungen im Stehen bekannt ist. Qi-Gong hat seine Wurzeln ebenfalls in China, legt aber den Fokus auf einfachere Körperübungen im Stehen, Sitzen und Liegen sowie Atem- und Meditationsübungen.
     
  • Entspannungstechniken, beispielsweise autogenes Training, progressive Muskelrelaxation (PMR) und Biofeedback können als begleitende Maßnahmen der Tinnitus-Behandlung dienen. Beim autogenen Training werden Aussagen wie „Ich bin ganz ruhig“ getätigt, die einem dabei helfen sollen, tatsächlich in einen inneren Ruhezustand zu kommen. Bei der progressiven Muskelrelaxation werden verschiedene Muskelgruppen nacheinander kurz angespannt und wieder entspannt, wodurch Verspannungen erkannt und losgelassen werden können. Beim Biofeedback werden Körpersignale wie Muskelspannung gemessen, wodurch man direkt basierend auf Daten lernen kann, die Muskelspannung zu reduzieren.

Gut zu wissen: Nicht nur zwischen Tinnitus und Stress besteht ein Zusammenhang, sondern auch zwischen schlechtem Hören und Stress. Daher können Entspannungstechniken auch hier sinnvoll sein.

2.6. Gesunder Lebensstil bei Tinnitus

Alles, was für den Körper gut ist, ist auch für Ihre Ohren und gegen Tinnitus gut. Daher sollten Sie im Rahmen Ihrer Tinnitus-Behandlung unterstützend auf regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf achten sowie möglichst auf ungesunde Substanzen (wie Alkohol und Nikotin) verzichten. Darüber hinaus ist es wichtig, das Gehör vor Lärm zu schützen, um Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit) und Lärmschwerhörigkeit vorzubeugen.

Gut zu wissen: Sie sind häufig von Lärm am Arbeitsplatz betroffen und wollen wissen, wie Lärm vermindert werden kann? In unseren Beiträgen dazu erfahren Sie alles, was Sie tun können, um Ihr Gehör vor Lärm zu schützen – eine Möglichkeit ist das Noise-Cancelling.

2.7. Physiotherapie bei Tinnitus

Wenn Ihr Tinnitus mit der Halswirbelsäule, dem Kiefergelenk oder Muskelverspannungen zusammenhängt, könnten physiotherapeutische oder manualmedizinische Maßnahmen als Tinnitus-Behandlung hilfreich für Sie sein. Diese Ansätze können Beschwerden in den genannten Bereichen lindern und die Tinnitusbelastung somit verringern.

Neben physiotherapeutischer Behandlung kann auch ein Zahnarzt eine Hilfe bei Tinnitus sein. So kann ein zahnärztlicher Eingriff oder eine Korrektur des Bisses gegen eine Kiefergelenksstörung im Rahmen der Tinnitus-Behandlung vorgenommen werden.

2.8. Psychotherapie bei Tinnitus

Tinnitus geht häufig mit psychischen Beschwerden einher, unter anderem mit Stress, Angst, Panik, Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Aufgrund der psychischen Belastung kann es zu Vermeidungsverhalten, sozialem Rückzug und Konflikten mit dem Umfeld kommen, was die Psyche wiederum noch stärker belastet. Auch der Schlaf und die kognitive Leistungsfähigkeit können durch Tinnitus beeinträchtigt sein, was sich ebenfalls potenziell auf die mentale Gesundheit niederschlägt.

Gut zu wissen: Sie haben Tinnitus und leiden unter Schlafproblemen? In unserem Beitrag zum Thema Schlafen mit Tinnitus und Hörverlust haben wir Ihnen einige Tipps zusammengestellt, mit denen das Schlafen mit Tinnitus wieder zu einer angenehmeren Erfahrung für Sie wird.

Da psychische Probleme durch Tinnitus noch verstärkt werden können, kann Psychotherapie eine große Hilfe für den Erhalt der mentalen Gesundheit sein. Darüber hinaus unterstützt sie Betroffene dabei, einen friedfertigeren Umgang mit ihrem Tinnitus im Alltag zu finden. Von den bekannten psychotherapeutischen Ansätzen hat sich bei der Tinnitus-Behandlung insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie (CGT) durchgesetzt. Es werden aber auch tiefenpsychologische, psychodynamische Verfahren eingesetzt.

Eine Frau sitzt auf einem Stuhl, hält sich die Handflächen über die Ohren und kauert sich zusammen, weil ihre Tinnitus-Symptome psychische Probleme verursachen.

Da zwischen Tinnitus und der Psyche ein enger Zusammenhang besteht, kann Psychotherapie im Zuge der Tinnitus-Behandlung hilfreich sein. Bildquelle: Liza Summer

2.9. Hilfe bei Tinnitus durch Selbsthilfegruppen

Hilfe bei Tinnitus finden Sie auch in Selbsthilfegruppen. Dort können Sie sich mit anderen Betroffenen über Ihren Tinnitus und verschiedene Umgangs- und Behandlungsstrategien austauschen. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Selbsthilfegruppen für Tinnitus. Neben Offline-Gruppen gibt es Online-Foren und Apps, in denen Austausch über die Tinnitus-Behandlung stattfindet.

2.10. Musik- und Soundtherapie bei Tinnitus

Weitere Ansätze der Tinnitus-Behandlung sind in der Musik- und Soundtherapie zu finden. Ähnlich wie bei der Tinnitus-Retraining-Therapie werden auch bei der Musik- und Soundtherapie Geräusche eingesetzt, um die Wahrnehmung des Tinnitus zu lindern.

  • Musiktherapie: Bei der Musiktherapie wird Musik gezielt eingesetzt wird, um Tinnitus zu lindern. Eine Form davon ist die „tinnituszentrierte Musiktherapie“. Bei dieser wird Musik so verändert, dass sie gezielt auf die individuelle Tinnitusfrequenz wirkt.
     
  • Tailor-Made-Notched-Musik-Therapie: Bei dieser Art der Tinnitus-Therapie wird die Tinnitusfrequenz aus der Musik herausgefiltert, um das Gehirn umzuschulen und die Tinnituswahrnehmung zu reduzieren.
     
  • Sound-Therapie: Bei dieser Methode der Tinnitus-Behandlung werden statt Musik verschiedene Töne und Geräusche wie Naturklänge und Breitbandrauschen eingesetzt, um Tinnitus zu überdecken oder Habituation zu erreichen.
     
  • Akustische Neuromodulation: Bei dieser Tinnitus-Therapie werden spezielle Töne im Bereich der individuellen Tinnitusfrequenz abgespielt. Dadurch soll Wahrnehmung des Tinnitus reduziert werden.

Gut zu wissen: Wenn Sie unter Tinnitus leiden, sollten Sie generell sowohl absolute Stille als auch sehr laute Orte meiden.

2.11. Magnet- und Elektrostimulation bei Tinnitus

Ein Ansatz zur Tinnitus-Behandlung, von dem Sie vermutlich noch nie gehört haben, ist die Magnet- und Elektrostimulation.

  • Bimodale akustische und elektrische Stimulation: Bei dieser Art der Tinnitus-Behandlung kombiniert individuell angepasste Töne mit einer leichten elektrischen Stimulation, die zum Beispiel über die Zunge oder den Gesichtsnerv erfolgt. Ziel ist es, durch die gleichzeitige Reizung von Hör- und Nervensystem die Aktivität im Gehirn zu verändern und so den Tinnitus zu lindern.
     
  • Invasive Elektrostimulation: Bei dieser Tinnitus-Therapie werden Elektroden direkt in bestimmte Hirnregionen implantiert und elektrisch stimuliert. Ziel ist es, die Erregbarkeit tinnitusrelevanter Hirnareale zu beeinflussen und dadurch die Lautstärke oder Wahrnehmung des Tinnitus zu verringern.
     
  • Low-Level-Lasertherapie: Diese Methode der Tinnitus-Behandlung verwendet schwaches Laserlicht, das von außen auf das Ohr oder den Gehörgang gerichtet wird. Die Behandlung erfolgt kontaktlos oder über spezielle Applikatoren. Ziel ist es, durch Lichtreize lokale Gewebeprozesse oder die Zellaktivität zu beeinflussen.
     
  • Transkranielle Elektrostimulation: Bei dieser Art der Tinnitus-Behandlung wird schwacher Strom über Elektroden auf der Kopfhaut ins Gehirn geleitet. Je nach Stromart werden unterschiedliche elektrische Muster verwendet. Ziel ist es, die Erregbarkeit bestimmter Hirnregionen zu modulieren, die mit Tinnitus in Verbindung stehen.
     
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Diese Tinnitus-Therapie nutzt Elektroden an der Haut, meist am Ohr, um sanfte elektrische Impulse abzugeben. Dabei werden sensorische Nerven oder der Vagusnerv über die Hautoberfläche stimuliert. Ziel ist es, durch äußere Reize die Nervenaktivität zu beeinflussen und die Tinnitusverarbeitung zu verändern.
     
  • Transkranielle Magnetstimulation (TMS): Diese Methode der Tinnitus-Behandlung verwendet elektromagnetische Impulse, die über eine Spule außen auf den Kopf gerichtet werden. Diese Impulse dringen in das Gehirn ein und beeinflussen gezielt die Aktivität darunterliegender Hirnareale. Ziel ist es, tinnitusrelevante Gehirnbereiche kurzfristig zu modulieren.
     
  • Vagusnerv-Stimulation: Bei dieser Art der Tinnitus-Behandlung wird der Vagusnerv elektrisch gereizt, entweder durch ein Implantat oder über Elektroden am Ohr. Die Stimulation erfolgt häufig zusammen mit akustischen Reizen. Ziel ist es, über diesen Nerv Lernprozesse im Gehirn anzustoßen, die die Tinnituswahrnehmung verändern können.

2.12. Alternative Tinnitus-Behandlung

Nahaufnahme von einem Mann, der sich im Rahmen einer Tinnitus-Behandlung Akupunktur-Nadeln am Ohr setzen lässt.

Es gibt einige alternative Arten der Tinnitus-Behandlung, darunter Akupunktur und Hypnose. Bildquelle: RDNE Stock project

Sie bevorzugen alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus? Auch hier gibt es Ansätze bei der Tinnitus-Behandlung. 

  • Akupunktur bei Tinnitus: Akupunktur ist Teil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und wird eingesetzt, um das Gleichgewicht im Nervensystem wiederherzustellen. Dabei werden dünne Nadeln in bestimmte Punkte der Haut gesetzt, um Blockaden zu lösen. Im Rahmen der Tinnitus-Behandlung wird Akupunktur angewendet, um beispielsweise die Durchblutung im Innenohr und die Aktivität der Hörzellen zu verbessern.
     
  • Hypnose bei Tinnitus: Hypnose ist eine Methode, die darauf abzielt, Patienten durch tiefe Entspannung und mentale Fokussierung dabei zu helfen, ihre Gedanken und Verhaltensweisen zu kontrollieren. Die „Ericksonsche Hypnotherapie“ ist die am häufigsten verwendete Methode zur Tinnitus-Behandlung. Sie beginnt mit einer Erkundung der Auswirkungen des Tinnitus auf das Leben, gefolgt von Sitzungen, die sich auf Entspannung und mentale Bilder konzentrieren. Auch Selbsthypnose kann bei Tinnitus eingesetzt werden.

3. Fazit

Wir können festhalten: Der Satz „Bei Tinnitus kann man nichts machen“ stimmt keineswegs. 

Es gibt verschiedene Methoden in der Tinnitus-Behandlung, die Betroffenen den Leidensdruck bestenfalls komplett nehmen. Da Tinnitus fast immer mit einem Hörverlust in Verbindung steht, sind Hörgeräte die effektivste Methode in der Tinnitus-Behandlung. Darüber hinaus sind auch Hörtrainings, die Tinnitus-Retraining-Therapie oder die Einnahme von Supplementen empfehlenswerte Ansätze für die Förderung Ihrer Hörgesundheit. 

Ergänzend dazu können Sie ausprobieren, ob Ihnen Lebensstilanpassungen, Entspannungstechniken, der Beitritt einer Selbsthilfegruppe oder andere alternative Therapiemethoden helfen. Wichtig ist, dass Sie einen Umgang finden, der Ihnen langfristig Lebensqualität schenkt.

Bei entiendoo finden Sie eine große Auswahl an modernen Hörlösungen, die Sie auf diesem Weg unterstützen.

4. FAQ

  • Kann man Tinnitus heilen?
    Während ein akuter Tinnitus mittels Medikamenten als behandelbar gilt, braucht es für die Linderung von chronischen Tinnitus-Symptomen andere Strategien. Allem voran kann das Tragen von Hörgeräten mitunter sogar dazu führen, dass der Tinnitus während des Tragens gar nicht mehr hörbar ist. 
     
  • Wie kann man Tinnitus behandeln?
    Chronischer Tinnitus geht prinzipiell mit einem Hörverlust einher – ob entdeckt oder unentdeckt. Daher ist es ganz wichtig, zuerst einmal den Versuch mit Hörgeräten zu starten, da in den meisten Fällen damit eine deutliche Verringerung des Tinnitus erreicht werden kann. Bei entiendoo finden Sie passende Modelle für Ihre individuellen Bedürfnisse.
     
  • Welche Möglichkeiten gibt es noch zur Tinnitus-Behandlung?
    Mithilfe einer Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) können Sie Ihre Lebensqualität steigern. Weitere Möglichen zur Tinnitus-Behandlung sind Hörtraining, Physio- und Psychotherapie, Selbsthilfegruppen, Musik- und Soundtherapie, Magnet- und Elektrostimulation, Akupunktur oder Hypnose. Weitere Informationen finden Sie in den entsprechenden Textabschnitten dieses Artikels.
     
  • Was kann ich sonst noch bei Tinnitus tun?
    Zu den besten Selbsthilfemaßnahmen gegen Tinnitus zählt der Einsatz von Entspannungstechniken oder Supplements (Nahrungsergänzungsmitteln). Insgesamt fördert ein gesunder Lebensstil mit bewusster Ernährung, ausreichend Bewegung und funktionierendem Stressmanagement die Hörgesundheit – und wirkt damit auch dem Leidensdruck bei Tinnitus positiv entgegen.