Wir haben Empfehlungen für Sie berechnet. Jetzt anschauen!
Wollen Sie wissen, ob Sie schlecht hören?
Machen Sie jetzt unseren gratis Online-Hörtest bequem von zuhause aus und erfahren Sie, ob Sie an einem Hörverlust leiden.
Jetzt Hörtest machenUnsere individuellen Empfehlungen für Sie
Tinnitus: Ursachen, Symptome, Folgen und mehr zum Rauschen im Ohr

Bildquelle: Pavel Danilyuk
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Tinnitus werden Geräusche im Ohr oder im Kopf wahrgenommen.
- Tinnitus-Symptome können Geräusche wie Klingeln, Piepen, Pfeifen, Klopfen oder Rauschen im Ohr sein.
- Jeder siebte Erwachsene weltweit ist von Tinnitus betroffen.
- Es gibt verschiedenste Ursachen von Tinnitus, beispielsweise eine Störung in der Hörverarbeitung, Hörverlust, Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule und Stress.
- Tinnitus kann auch negative Folgen mit sich ziehen, beispielsweise Depressionen und Schlafstörungen.
- Die Aussage „man kann nichts gegen Tinnitus tun“ ist einfach falsch.
- Sie können etwas gegen Ihren Tinnitus tun, beispielsweise durch das Tragen von Hörgeräten oder die Anwendung von Entspannungstechniken.
1. Was ist ein Tinnitus? (Tinnitus-Definition)
Tinnitus kommt vom lateinischen Wort „tinnire“, was „klingeln“ bedeutet. Es beschreibt die Wahrnehmung von Geräuschen im Ohr oder im Kopf. Tinnitus wird auch oft als Ohrgeräusch, Ohrenrauschen oder Ohrensausen bezeichnet. Zudem werden auch Tinnitus-Symptome wie Piepen im Ohr als Synonym für Tinnitus verwendet.
Wichtig zu wissen ist, dass Tinnitus keine Erkrankung, sondern ein Symptom und an sich nichts Bedrohliches oder Gefährliches ist. Sollte das Ohrgeräusch Sie stören und Sie im Alltag beeinträchtigen, dann kann Ihnen geholfen werden – durch das Tragen von Hörgeräten bei Hörverlust oder diversen anderen Tinnitus-Behandlungen. Mehr darüber erfahren Sie weiter unten im Blogartikel.
1.1. Wie merkt man, dass man Tinnitus hat? (Tinnitus-Symptome)
Man spricht dann von einem Tinnitus, wenn man ein Geräusch hört, das keiner äußeren Quelle zuordenbar ist. Es kann sich in einem Klingeln, Pfeifen oder Piepen im Ohr äußern. Andere Betroffene beschreiben ihre Tinnitus-Symptome als Rauschen im Ohr oder im Kopf. Weitere Symptome, anhand derer man Tinnitus erkennen kann, sind Brummen, Summen, Zischen oder Klopfen im Ohr.
Je nach Situation wird Tinnitus unterschiedlich intensiv wahrgenommen: So verstärkt sich der Tinnitus bei vielen Personen in stressigen Situationen. Es gibt auch den sogenannten sound-induzierten Tinnitus, bei dem sich der Tinnitus in lauter Umgebung verstärkt. Tinnitus-Symptome können einseitig, auf beiden Ohren oder zentral im Kopf wahrgenommen werden.
1.2. Ist Tinnitus heilbar?
Nachdem Tinnitus keine Krankheit ist, sondern ein Symptom, das auf viele unterschiedlichste Ursachen zurückzuführen ist, sollte nicht von Heilung gesprochen werden. Ziel jeder Tinnitus-Behandlung ist es jedenfalls, das Ohrgeräusch so weit wie möglich in den Hintergrund zu drängen oder zumindest den Leidensdruck für den Betroffenen deutlich zu reduzieren. Mehr zu den Ansätzen der Tinnitus-Behandlung erfahren Sie unten.
1.3. Wie viele Menschen haben Tinnitus? (Verbreitung)
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 zeigt, dass 14 Prozent der Erwachsenen weltweit von Tinnitus betroffen sind: Damit leidet etwa jeder siebte Erwachsene weltweit an Tinnitus – eine erschreckende Zahl. Etwa zwei Prozent der Erwachsenen leiden an einer schweren Form von Tinnitus.

Jeder siebte Erwachsene weltweit ist von Tinnitus betroffen. Bildquelle: entiendoo
In der Meta-Analyse konnte kein Unterschied beim Geschlecht festgestellt werden, aber beim Alter. Je älter Menschen sind, desto eher sind sie von Tinnitus betroffen: So haben 10 Prozent der jungen Erwachsenen, 14 Prozent der Erwachsenen mittleren Alters und 24 Prozent der älteren Erwachsenen Tinnitus.
2. Welche Tinnitus-Arten gibt es?
Tinnitus lässt sich in unterschiedliche Arten einteilen – nach Wahrnehmbarkeit des Geräusches, Dauer, Ursache, Schweregrad und Umgang im Alltag.
2.1. Subjektiver oder objektiver Tinnitus
Je nachdem ob ein hörbares Geräusch vorliegt oder nicht, lässt sich zwischen subjektivem und objektivem Tinnitus unterscheiden.
- Subjektiver Tinnitus: Den subjektiven Tinnitus kann nur der Betroffene selbst wahrnehmen – für andere Menschen ist er nicht hörbar. Er entsteht durch eine abnormale Aktivität im Innenohr oder im zentralen Nervensystem. Der subjektive Tinnitus tritt in 99 Prozent der Fälle auf.
- Objektiver Tinnitus: Beim objektiven Tinnitus treten tatsächlich mit dem Stethoskop hör- und messbare Geräusche auf, die vom Körper des Betroffenen stammen. Das können beispielsweise gefäß- oder muskelbedingte Geräusche sein. Möglich ist auch eine Überaktivität der äußeren Haarzellen. Der objektive Tinnitus ist sehr selten.
Exkurs: Der pulssynchrone Tinnitus – auch pulsatiler Tinnitus genannt – ist eine Art des objektiven Tinnitus. Hierbei nehmen Betroffene ein rhythmisches Geräusch wahr, das dem eigenen Puls entspricht.
2.2. Akuter oder chronischer Tinnitus
Tinnitus lässt sich auch nach seiner Dauer abgrenzen.
- Akuter Tinnitus: In den ersten drei Monaten wird von einem akuten Tinnitus gesprochen. Oft verschwindet der akute Tinnitus wieder von allein.
- Chronischer Tinnitus: Von einem chronischen Tinnitus ist die Rede, wenn der Tinnitus nach drei Monaten immer noch anhält.
Exkurs: Ein akuter Tinnitus kann medikamentös behandelt werden, ein chronischer Tinnitus nicht. Das ist der Grund, warum viele Betroffene gesagt bekommen, dass man gegen Tinnitus nichts machen kann. Das stimmt jedoch nicht – Sie können etwas gegen Ihren Tinnitus tun! Unten im Bgloartikel beschreiben wir Ihnen einige vielversprechende Ansätze dazu.
2.3. Primärer oder sekundärer Tinnitus
Eine weitere Unterscheidung lässt sich bei den Ursachen von Tinnitus treffen.
- Primärer Tinnitus: Wenn keine Ursache für den Tinnitus gefunden werden kann, wird von einem primären oder idiopathischen Tinnitus gesprochen.
- Sekundärer Tinnitus: Wenn eine Tinnitus-Ursache identifiziert werden kann, ist von einem sekundären Tinnitus die Rede.
2.4. Tinnitus-Schweregrade
Des Weiteren gibt es eine Einteilung in die folgenden vier Tinnitus-Schweregrade.
- Leichter Tinnitus: Die betroffene Person ist in der Lage, mit dem Tinnitus umzugehen, ohne dass es zu großen Einschränkungen im Alltag kommt.
- Mittelschwerer Tinnitus: Der Tinnitus tritt vor allem in ruhigen Umgebungen oder in stressigen Situationen auf. Es kommt gelegentlich zu Beeinträchtigungen im Alltag.
- Schwerer Tinnitus: Der Tinnitus führt zu einer regelmäßigen Beeinträchtigung im Privat- und Berufsleben, beispielsweise im emotionalen und kognitiven Bereich.
- Schwerstgradiger Tinnitus: Der Tinnitus führt zu einer permanenten völligen Einschränkung in allen Lebensbereichen. Meist kommt es zur Berufsunfähigkeit.
2.5. Kompensierter oder dekompensierter Tinnitus
Je nach Schweregrad können Betroffene Ihren Tinnitus besser oder schlechter in Ihrem Alltag aushalten – oder kompensieren.
- Kompensierter Tinnitus: Der kompensierte Tinnitus bezieht sich auf die ersten beide Schweregrade. Die Person nimmt den Tinnitus wahr, kann jedoch gut damit umgehen. Es besteht wenig Leidensdruck. Die Lebensqualität ist noch nicht wesentlich eingeschränkt.
- Dekompensierter Tinnitus: Bei den letzten beiden Tinnitus-Schweregraden besteht ein massiver Leidensdruck in allen Lebensbereichen. Der Tinnitus kann auch zur Entwicklung oder Verschlimmerung von Begleiterkrankungen führen, beispielsweise Angstzuständen, Depressionen, Konzentrations- oder Schlafstörungen.
3. Was ist bei der Tinnitus-Diagnostik zu beachten?
3.1. Wann sollte man bei Tinnitus zum Arzt gehen?
Oft verschwindet Tinnitus wieder von allein, beispielsweise nach einem lauten Konzert. Wenn Ihr Tinnitus jedoch länger als 24 Stunden andauert und Sie im Alltag stark belastet, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Ist der Tinnitus mit einem massiven Hörsturz (plötzlichen Hörverlust) oder mit Schwindel verbunden, sollten Sie jedenfalls unverzüglich einen HNO-Arzt aufsuchen.
3.2. Welcher Arzt ist bei Tinnitus der richtige?
Der HNO-Arzt ist bei Tinnitus der erste Ansprechpartner, da er die notwendigen Untersuchungen durchführen kann. Je nach Ursache kann es jedoch sein, dass auch andere Ärzte und Fachkräfte in die Diagnose und Behandlung von Tinnitus einbezogen werden, beispielsweise Neurologen bei Auffälligkeiten des Nervensystems, Zahnärzte bei Kieferproblemen, Psychologen oder Psychotherapeuten bei Depressionen, die mit Tinnitus einhergehen können. Wichtige Ansprechpartner können auch Physiotherapeuten – beispielsweise bei starken Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule – oder Gefäßspezialisten bei pulssynchronem Tinnitus sein.

HNO-ärztliche Untersuchungen gehören zu einer umfassenden Tinnitus-Diagnostik. Bildquelle: Karolina Grabowska
3.3. Wie läuft die Tinnitus-Diagnostik ab?
Da es zahlreiche Tinnitus-Ursachen gibt, werden auch verschiedene Untersuchungen bei der Diagnose von Tinnitus von einem HNO-Arzt durchgeführt.
1. Anamnese: Der HNO-Arzt erfasst zu Beginn die Krankengeschichte. Hierbei werden auch der Tinnitus-Schweregrad, mögliche Tinnitus-Ursachen und Begleiterkrankungen beleuchtet.
2. Untersuchungen: Der Arzt untersucht Hals, Nase und Ohren und entfernt aus dem Gehörgang Ohrenschmalz, falls vorhanden. Die wichtigste Untersuchung ist die Durchführung eines Hörtests (auch Audiometrie genannt), um einen Hörverlust festzustellen. In den meisten Fällen ist ein Hörverlust die Ursache für Tinnitus. Die Frequenz des Tinnitus entspricht in den meisten Fällen genau der Frequenz, in der die Hörminderung vorliegt.
Gut zu wissen: Sie können den Online-Hörtest auch hier durchführen und Ihnen Vorschläge zur Therapie unterbreiten lassen. Denn der Ausgleich eines möglichen Hörverlusts mit Hörgeräten ist die effektivste und schnellste Möglichkeit Abhilfe gegen das störende Ohrgeräusch zu verschaffen.
3. Weitere Untersuchungen: Es werden auch MRT (Magnetresonanztomographie) und CT (Computertomographie) eingesetzt, um in ganz seltenen Fällen einen Tumor auszuschließen. Auch Blutdruck- und Pulsmessung sowie das Abtasten der Kiefermuskulatur, des Nackens und der Halswirbelsäule können aufschlussreich sein. Auch die Diagnose einer psychischen Erkrankung, eine zahnärztliche Diagnostik und verschiedene Labortests können im Einzelfall hilfreich sein.
4. Welche Tinnitus-Ursachen gibt es?
4.1. Wie entsteht Tinnitus?
Tinnitus ist ein komplexes Symptom mit vielen möglichen Ursachen. Tinnitus entsteht dadurch, dass unser Gehirn eine Störung in der Hörverarbeitung erkennt und diese ausgleichen will. Das kann zu einer Überaktivität im Bereich mancher Hörnerven führen, die dann von den betroffenen Personen als Tinnitus wahrgenommen wird.
Exkurs: Auch bei absolut äußerer Stille werden im Innenohr Geräusche in Form von sogenannten otoakustischen Emissionen erzeugt. Das Gehirn hat aber gelernt, diese Geräusche als Stille zu deuten. Kommt es aber zu Störungen in der Hörverarbeitung, wird diese Deutung gestört und es kann vom Betroffenen als Tinnitus wahrgenommen werden.
4.2. Was sind die häufigsten Ursachen von Tinnitus?
Zu den häufigsten Ursachen von Tinnitus zählen Störungen in der Hörverarbeitung, Hörverlust, Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, Lärmtraumata, sonstige psychische Traumata und Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule.
Im Folgenden finden Sie einen detaillierten Überblick über eine Vielzahl an Tinnitus-Ursachen.
- Ohren: Tinnitus wird in neunzig Prozent der Fälle von Hörverlust begleitet. Besonders häufige Tinnitus-Ursachen sind die Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) und Lärmschwerhörigkeit. Weitere Erkrankungen, die mit Tinnitus in Verbindung stehen können, sind Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit) und Morbus Menière.
Gut zu wissen: Sie haben auch das Gefühl, dass Sie in lauter Umgebung schon gewisse Probleme haben, gut zu verstehen? Dann machen Sie jetzt unseren gratis Online-Hörtest bequem von zu Hause aus. Als Ergebnis erhalten Sie ein detailliertes Audiogramm und sowie Empfehlungen für passende Hörlösungen aus dem entiendoo-Shop.
- Neurologie: Tinnitus kann auch vorkommen, wenn es Auffälligkeiten im Gehirn oder im Nervensystem gibt. Beispielsweise können Epilepsie, Hirnhautentzündung, Migräne und Multiple Sklerose Ursachen von Tinnitus sein.
- Herz-Kreislauf-System: Auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können mit Tinnitus zusammenhängen. Beispiele für Tinnitus-Ursachen sind Gefäßerkrankungen, Herzschwäche oder hoher Blutdruck.
- Hormone und Stoffwechsel: Mögliche Ursachen von Tinnitus im Zusammenhang mit dem Hormon- und Stoffwechselsystem können Diabetes mellitus, hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft und Schilddrüsenunterfunktion sein.
- Sonstige körperliche Faktoren: Auch genetische Prädisposition, Probleme im Zahn- und Kieferbereich, Traumata in Form von Kopf- oder Nackenverletzungen und Verspannungen der Halswirbelsäule können Tinnitus-Ursachen sein.
- Lebensstil: Manche Gewohnheiten, die den Lebensstil betreffen, können das Gehör schädigen und Tinnitus auslösen. Dazu zählen beispielsweise Alkohol, ototoxische Medikamente, Rauchen, Übergewicht und Lärm.

Tinnitus-Ursachen können äußerst vielseitig sein. Auch ein hoher Blutdruck kann mit Tinnitus zusammenhängen. Bildquelle: Thirdman
5. Welche Folgen kann Tinnitus haben?
Es gibt Menschen, die einen Tinnitus haben und gut damit leben können. Tinnitus kann aber für Betroffene auch sehr belastend sein und Folgen mit sich ziehen, unter anderem für die Psyche, das soziale Umfeld, den Schlaf, die kognitive Leistung und den Körper. Es gilt: Je belastender der Tinnitus wahrgenommen wird, desto eher ist mit einhergehenden Erkrankungen zu rechnen.
5.1. Tinnitus und die Psyche
In Zusammenhang mit Tinnitus können psychische Beschwerden auftreten, beispielsweise Stress, Angst, Panik, Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Umgekehrt stellen psychische Erkrankungen häufige Tinnitus-Ursachen dar und können Tinnitus auch verstärken.
Exkurs: Tinnitus und Corona? Eine Zeit, die besonders den Zusammenhang zwischen Tinnitus und der Psyche widerspiegelt, war die COVID-19-Pandemie. Eine groß angelegte Studie zeigte, dass sich der Tinnitus während der COVID-19-Pandemie bei vierzig Prozent der Befragten verschlechterte. Besonders soziale Isolation, Einsamkeit, weniger Bewegung und schlechter Schlaf spielten eine Rolle.
5.2. Tinnitus und das soziale Umfeld
Wie im letzten Abschnitt beschrieben wird, kann Tinnitus zahlreiche negative psychische Folgen nach sich ziehen. Dadurch kann es zu Vermeidungsverhalten, sozialem Rückzug und Konflikten mit Familienangehörigen und Freunden kommen.
Tinnitus tritt fast immer – in neunzig Prozent der Fälle – gemeinsam mit Hörverlust auf. Dadurch gelingt die Kommunikation im Alltag schlechter, wodurch Beziehungen zusätzlich belastet werden. Das effektivste Mittel gegen Schwerhörigkeit sind Hörgeräte. Sie können hier einen Online-Hörtest durchführen und prüfen, ob bei Ihnen eine Hörverlust vorliegt und was Sie dagegen tun können.
5.3. Tinnitus und der Schlaf
Personen mit Tinnitus berichten häufig von Schlafstörungen und schlechter Schlafqualität. Mangelnder Schlaf wirkt sich negativ auf den gesamten Körper aus. So kann zu wenig Schlaf mitunter zu Gewichtszunahme, einem geschwächten Immunsystem, einer Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten und einem höheren Stresslevel führen. Stress kann wiederum Tinnitus verstärken: Es entsteht eine Abwärtsspirale.
Gut zu wissen: Sie haben Tinnitus und schlafen schlecht? In einem anderen Blogartikel beschreiben wir Ihnen alle möglichen Tipps zum Schlafen mit Tinnitus. Da das Tragen von Hörgeräten bei Tinnitus in vielen Fällen hilft, können Sie auch Hörgeräte in der Nacht tragen.

Schlafstörungen sind eine häufig vorkommende Begleiterscheinung von Tinnitus. Bildquelle: Eren Li
5.4. Tinnitus und die kognitive Leistung
Tinnitus kann auch die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. So haben Betroffene häufig Schwierigkeiten dabei, sich zu konzentrieren und nicht ablenken zu lassen, zwischen Aufgaben zu wechseln, schnell Informationen zu verarbeiten, sich Dinge kurzfristig zu merken, sich neues Wissen anzueignen und Gelerntes später wieder abzurufen. Bei einem sehr hohen Leidensdruck kann es auch zur Berufsunfähigkeit kommen.
5.5. Tinnitus und der Körper
Es gibt zahlreiche physische Erkrankungen, die mit Tinnitus in Verbindung stehen. Dazu zählen beispielsweise Ohrkrankheiten (beispielsweise Schwerhörigkeit und Hyperakusis), Kopf- und Ohrenschmerzen, Verspannungen der Kiefer- und Kaumuskulatur, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. So wie die psychischen Erkrankungen können auch physische Erkrankungen Ursache, Folge und Verstärker von Tinnitus sein. Dementsprechend existiert auch hier ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Gut zu wissen: Sie leiden gelegentlich unter Ohrenschmerzen? Von entiendoo gibt es einen eigenen Blogartikel zu Hausmitteln bei Ohrenschmerzen.
6. Was tun bei Tinnitus? (Behandlung von Tinnitus)
Oft heißt es, dass man „bei Tinnitus nichts machen kann“, was für Betroffene extrem belastend und frustrierend ist. Es stimmt zwar, dass es kein Allheilmittel für Tinnitus gibt, Sie können jedoch einige Dinge tun, damit Sie Ihren Tinnitus als weniger störend wahrnehmen oder dieser sogar ganz aus Ihrer Wahrnehmung verschwindet.
Für den Beginn einer Tinnitus-Behandlung sollte zuallererst die Tinnitus-Art bestimmt werden. Je nachdem, ob ein akuter oder chronischer Tinnitus vorliegt, ist eine andere Behandlung zu wählen.
Akuter Tinnitus (in den ersten drei Monaten) kann mit einem Hörsturz (plötzlicher Hörverlust) einhergehen und sollte wie ein Hörsturz behandelt werden. Hierbei erfolgt meist eine Kortisonbehandlung.
Chronischer Tinnitus (ab drei Monaten) sollte behandelt werden, wenn die Betroffenen stark beeinträchtigt oder Begleiterkrankungen vorhanden sind. Hierfür gibt es eine Vielzahl an Behandlungsansätzen:
- Hörgeräte: Tinnitus ist gesellschaftlich akzeptiert, Hörverlust wird jedoch oft verdrängt – obwohl rund 90 % der Tinnitus-Betroffenen auch einen, oft unbemerkten, Hörverlust haben. Meist betrifft dieser genau die Frequenz des Tinnitus, weil das Gehirn dort zu wenig Reize erhält. Wird diese Lücke mit einem Hörgerät ausgeglichen, tritt der Tinnitus oft sofort in den Hintergrund, da das Gehirn wieder ausreichend stimuliert wird – eine einfache und sehr wirksame Therapie, die vielen schnell spürbare Erleichterung bringt. Das macht Hörgeräte zur effektivsten Behandlungsmethode.
Gut zu wissen: Es gibt inzwischen nicht nur traditionelle Hörgeräte, wie wir sie von Senioren kennen. Stattdessen gibt es immer mehr Hearables (eine Art moderner Hörgeräte), die optisch Earbuds ähneln und kostengünstiger sind. Diese eignen sich für Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust.
- Rauschgeneratoren: Wie der Name bereits vermuten lässt, erzeugen Rauschgeneratoren externe Geräusche wie Rauschen, Naturklänge oder Musik. Es wird zwischen zwei Arten von Rauschgeneratoren unterschieden. Tinnitus-Masker überdecken oder „maskieren“ Geräusche im Ohr vollständig, um den Betroffenen kurzfristige Erleichterung zu verschaffen. Sie werden in der Tinnitus-Behandlung heutzutage nicht mehr verwendet, weil diese Tinnitus verstärken können. Bei Tinnitus-Noisern hingegen sind die Geräusche im Ohr noch hörbar, um langfristig Habituation zu ermöglichen.
- Cochlea-Implantate: Betroffenen, die kein Hörgerät tragen können, beispielsweise wegen an Gehörlosigkeit grenzender Schwerhörigkeit, kann mittels Operation ein Cochlea-Implantat eingesetzt werden. Dieses kann auch zur Unterdrückung der Wahrnehmung des Ohrgeräusches beitragen.
- Hörtrainings: Sinn eines Hörtrainings ist, die Aufmerksamkeit vom Tinnitus wegzulenken und sich bewusst auf die Wahrnehmung anderer Höreindrücke zu fokussieren. Hörtraining besteht aus gezielten Übungen, bei denen beispielsweise trainiert wird, die Richtung von Geräuschen zu erkennen, sich auf bestimmte Töne zu konzentrieren und verschiedene Tonhöhen zu unterscheiden. Dies kann nicht nur gegen Tinnitus helfen, sondern auch das Sprachverstehen deutlich verbessern.
- Apps: Viele Möglichkeiten bieten Apps, beispielsweise mit Naturklängen, dynamische Klanglandschaften oder Entspannungsübungen mit Anleitungen kombiniert. Ziel ist, den Ohren abwechslungsreiche Sinneseindrücke zu schenken und damit das Gehirn vom Tinnitus abzulenken. Auf diese Weise kann der Leidensdruck reduziert werden.
- Entspannungstechniken: Da Tinnitus und Stress eng miteinander zusammenhängen, können Entspannungstechniken hilfreich sein, beispielsweise Meditation, Atemübungen, achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR), Yoga, Tai-Chi, Qigong, progressive Muskelrelaxation (PMR), autogenes Training und Biofeedback. Bei entiendoo erhalten Sie Informationen zu ausgewählten Entspannungstechniken.
- Tinnitus-Supplements: Eine Reihe von Supplements (Nahrungsergänzungsmitteln), die Sie hier bei entiendoo erhalten, können Sie bei Tinnitus begleitend unterstützen. Beispiele dafür sind Antioxidantien, B-Vitamine, Ginkgo biloba, Ginseng, Gushen Pian, Melatonin und Zink.
- Gesunder Lebensstil: Auch ein gesunder Lebensstil kann gegen Tinnitus helfen, beispielsweise regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, der Verzicht auf ungesunde Substanzen und Schutz vor Lärm. Daher sollte während der Tinnitus-Behandlung immer auch der Lebensstil berücksichtigt werden.
Gut zu wissen: Sie leiden unter Lärm am Arbeitsplatz und wollen wissen, wie Lärm vermindert werden kann? In unseren Beiträgen erfahren Sie Tipps und Tricks zum Lärmschutz, beispielsweise zu Noise-Cancelling.
- Physiotherapie: Oft hängt der Tinnitus auch mit der Halswirbelsäule oder dem Kiefer zusammen. In diesem Fall können Physiotherapie und manualmedizinische Therapie geeignete Ansätze zur Tinnitus-Behandlung darstellen.
- Psychotherapie: Auch die Psychotherapie spielt bei der Behandlung von Tinnitus eine zentrale Rolle. Insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie kann hilfreich sein, um einen besseren Umgang mit Tinnitus im Alltag zu erlernen. Zudem kann gegen die mit Tinnitus einhergehenden psychischen Erkrankungen vorgegangen werden.
- Medikamente: Während in der Phase des akuten Tinnitus (in den ersten drei Monaten) Kortison gegeben werden kann, gibt es nach sechs Monaten keinen Nachweis der Wirksamkeit eines Medikaments. Hilfreich können Medikamente gegen Begleiterkrankungen von Tinnitus sein, beispielsweise Antidepressiva. Bitte nehmen Sie nie Medikamente ein, ohne dies mit Ihrem Arzt abzusprechen.
- Selbsthilfegruppen: Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen und die damit verbundene Anleitung zur Selbsthilfe kann für Betroffene eine große Unterstützung beim Umgang mit Tinnitus bieten.

Psychotherapie ist ein Teil der klassischen Tinnitus-Retraining-Therapie. Bildquelle: cottonbro studio
- Tinnitus-Retraining-Therapie: Die klassische Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) nach Hazell und Jastreboff umfasst ein Beratungsgespräch (Tinnitus-Counselling) durch den HNO-Arzt, das Tragen von Noisern (Rauschgeneratoren) und psychologische Therapie. Ziel der TRT ist die Habituation, das heißt, dem Gehirn durch das Tragen von Noisern das Wahrnehmen des Tinnitus-Geräusches abzutrainieren.
- Musik- und Soundtherapie: Es gibt verschiedene Musik- und Soundtherapien, bei denen versucht wird, die Wahrnehmung des Tinnitus zu reduzieren.
- Magnet- und Elektrostimulation: Es gibt verschiedene Methoden der Magnet- und Elektrostimulation, mit denen versucht wird, Veränderungen im Gehirn und damit beim Tinnitus auszulösen.
- Alternative Therapien: Für Betroffene, die alternative Tinnitus-Therapien der Schulmedizin gegenüber bevorzugen, sind Akupunktur und Hypnose als Beispiele zu nennen.
Sie wollen noch mehr zur Tinnitus-Behandlung erfahren? Mehr Informationen finden Sie in unserem eigenen Beitrag, in dem wir detailliert auf Behandlungsansätze eingehen.
7. Fazit
Es bleibt festzuhalten, dass Tinnitus ein äußerst komplexes, belastendes Symptom sein kann. Aufgrund der vielzähligen Tinnitus-Ursachen existiert für Tinnitus kein Allheilmittel, das für jeden in gleicher Weise anwendbar ist – es gibt jedoch verschiedenste Behandlungsansätze, die sehr wirksam den Leidensdruck senken können. Da Tinnitus fast immer mit einem Hörverlust einhergeht, sind Hörgeräte die effektivste Behandlungsoption. entiendoo bietet eine große Auswahl an Hearables.
Weitere Möglichkeiten, die Sie in Betracht ziehen können, sind Hörtrainings, Supplements und Entspannungstechniken. Hilfreich kann auch sein, bei Tinnitus Hilfe bei verschiedenen Therapeuten zu suchen, beispielsweise bei Psychotherapeuten oder Physiotherapeuten. Fakt ist: Sie können immer etwas gegen Ihren Tinnitus tun – es ist nie zu spät! Wir begleiten Sie gerne auf diesem Weg.
Quellenverzeichnis
- Baguley, D., McFerran, D. & Hall, D. A. (2013). Tinnitus. The Lancet, 382(9904), 1600–1607. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(13)60142-7
- Beukes, E. W., Baguley, D. M., Jacquemin, L., Lourenco, M. P. C. G., Allen, P. M., Onozuka, J., Stockdale, D., Kaldo, V., Andersson, G. & Manchaiah, V. (2020). Changes in Tinnitus Experiences During the COVID-19 Pandemic. Frontiers in Public Health, 8. https://doi.org/10.3389/fpubh.2020.592878
- Bousema, E. J., Koops, E. A., Van Dijk, P. & Dijkstra, P. U. (2018). Association Between Subjective Tinnitus and Cervical Spine or Temporomandibular Disorders: A Systematic Review. Trends in Hearing, 22. https://doi.org/10.1177/2331216518800640
- Burry, M. (2023). Hearing aids for tinnitus. https://www.healthyhearing.com/report/53312-Hearing-aids-for-tinnitus
- Cima, R., Mazurek, B., Haider, H. F., Kikidis, D., Lapira, A., Noreña, A. & Hoare, D. J. (2019). A multidisciplinary European guideline for tinnitus: diagnostics, assessment, and treatment. HNO, 67(S1), 10–42. https://doi.org/10.1007/s00106-019-0633-7
- Clarke, N. A., Henshaw, H., Akeroyd, M. A., Adams, B. & Hoare, D. J. (2020). Associations Between Subjective Tinnitus and Cognitive Performance: Systematic Review and Meta-Analyses. Trends in Hearing, 24. https://doi.org/10.1177/2331216520918416
- Deutsche Tinnitus-Liga (2025). Tinnitus. https://www.tinnitus-liga.de/tinnitus/
- DGHNO (Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie). (2021). Patientenleitlinie: Chronischer Tinnitus, AWMF-Register-Nr. 017/064, Stand August 2021. https://register.awmf.org/assets/guidelines/017-064p_S3_Chronischer_Tinnitus_2021-09.pdf
- DGHNO (Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie). (2021). S3-Leitlinie: Chronischer Tinnitus, AWMF-Register-Nr. 017/064, Stand September 2021. https://register.awmf.org/assets/guidelines/017-064l_S3_Chronischer_Tinnitus_2021-09_1.pdf
- Gao, J., Tan, P., Liu, Y., Chen, S. & Liu, J. (2024). Association Between Sleep Apnea and Tinnitus: A Meta-Analysis. Ear Nose & Throat Journal. https://doi.org/10.1177/01455613241226853
- Gu, H., Kong, W., Yin, H. & Zheng, Y. (2021). Prevalence of sleep impairment in patients with tinnitus: a systematic review and single-arm meta-analysis. European Archives Of Oto-Rhino-Laryngology, 279(5), 2211–2221. https://doi.org/10.1007/s00405-021-07092-x
- IQWiG (Institute for Quality and Efficiency in Health Care). (2022). Overview: Tinnitus. InformedHealth.org. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK395560/
- Jarach, C. M., Lugo, A., Scala, M., Van den Brandt, P. A., Cederroth, C. R., Odone, A., Garavello, W., Schlee, W., Langguth, B. & Gallus, S. (2022). Global Prevalence and Incidence of Tinnitus. JAMA Neurology, 79(9), 888. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9361184/
- Kratzsch, V. (2025). Tinnitus. https://www.dasrehaportal.de/erkrankungen/tinnitus
- Luetzenberg, F. S., Babu, S. & Seidman, M. D. (2020). Alternative Treatments of Tinnitus. Otolaryngologic Clinics Of North America, 53(4), 637–650. https://doi.org/10.1016/j.otc.2020.03.011
- Mayo Clinic. (2022). Tinnitus. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/tinnitus/symptoms-causes/syc-20350156
- NIDCD (The National Institute on Deafness and Other Communication Disorders). (2023). Tinnitus. https://www.nidcd.nih.gov/health/tinnitus#2
- Probst, T., Pryss, R., Langguth, B. & Schlee, W. (2016). Emotion dynamics and tinnitus: Daily life data from the “TrackYourTinnitus” application. Scientific Reports, 6(1). https://doi.org/10.1038/srep31166
- Schwindelklinik. (2020). Pulssynchroner Tinnitus. https://www.schwindelklinik.ch/wissenswertes/pulssynchroner-tinnitus
- Solan, M. (2021). Tinnitus: Ringing or humming in your ears? Sound therapy is one option. Harvard Health. https://www.health.harvard.edu/blog/tinnitus-ringing-or-humming-in-your-ears-sound-therapy-is-one-option-202112082654
- Tinnitus UK (2023). Relaxation. https://tinnitus.org.uk/support-for-you/what-can-i-do/relaxation/
- Watson, S. (2025). The Effects of Sleep Deprivation on Your Body. Healthline. https://www.healthline.com/health/sleep-deprivation/effects-on-body#effects
- Yang, D., Zhang, D., Zhang, X. & Li, X. (2024). Tinnitus-associated cognitive and psychological impairments: a comprehensive review meta-analysis. Frontiers in Neuroscience, 18. https://doi.org/10.3389/fnins.2024.1275560
- Zimlich, R. (2023). Tinnitus Treatment and Remedies. Healthline. https://www.healthline.com/health/tinnitus-remedies