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Ruhige Cafés oder Restaurants finden und in Lokalen besser hören

Bildquelle: Helena Lopes
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kommunikation in Lokalen wird immer schwieriger. Gründe dafür sind unter anderem laute Musik, schlechte Raumakustik und zunehmende Schwerhörigkeit.
- Mögliche Folgen von Lärm und schlechtem Hören in Lokalen können Verlust von Freude, Erschöpfung, Konflikte, soziale Isolation, Hörverlust und Gewichtszunahme sein.
- Um ruhige Cafés und Restaurants zu finden, können Bekannte befragt, Online-Bewertungen und Apps durchforstet und Webauftritte analysiert werden.
- Merkmale von ruhigen Restaurants und Cafés sind u. a. schallabsorbierende Elemente an Decken, Wänden und Böden, Stoffe auf Möbeln und Raumtrenner.
- Um in Lokalen besser hören zu können, sollten Sie versuchen, einen ruhigen Platz zu ergattern, Menschen über den Hörverlust zu informieren und Hörgeräte zu verwenden.
1. Gründe für schlechtes Hören in Lokalen
Es gibt mehrere Gründe, warum es immer weniger ruhige Cafés und Restaurants gibt und Gespräche in Lokalen immer beschwerlicher werden.
- Laute Musik und Lärm: Diverse Studien zeigen: Je lauter die Umgebung ist, desto stärker scheint der Konsum von Speisen und Getränken zu sein. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass man bei Lärm weniger auf den Geschmack achtet und daher schneller und mehr konsumiert. Da es dadurch zu einem gesteigerten Umsatz kommen kann, achten viele Lokale bewusst auf laute Musik. Die Folge ist, dass es immer weniger ruhige Cafés und Restaurants gibt.
- Lombard-Effekt: Wenn eine Person in einem lauten Umfeld sprechen möchte, erhöht sie nicht nur ihre Lautstärke, sondern auch ihre Stimmlage. Diese Reaktion wird als Lombard-Effekt bezeichnet, benannt nach dem Wissenschaftler Étienne Lombard. Dadurch wird die Geräuschkulisse in Lokalen noch lauter.
- Schlechte Raumakustik: Insbesondere moderne Restaurants und Cafés setzen auf minimalistische Inneneinrichtung mit kahlen Betonwänden, glatten Böden, viel Glas, Metalltischen und -stühlen ohne Stoffe und wenigen Trennwänden. Dadurch kann sich der Schall ungebremst ausbreiten. Laute Küchengeräte verstärken das Problem.

In vielen Lokalen ist es für den Geschmack der Gäste zu laut. Die Raumakustik moderner Lokale ist aufgrund von glatten Böden, viel Glas, Metallstühlen und fehlenden Raumtrennern häufig nicht ideal. Bildquelle: Wade Austin Ellis
- Zunehmende Urbanisierung: Aufgrund des Bevölkerungswachstums in Städten und der Zunahme von Geräuschquellen, beispielsweise durch den Verkehr, nimmt auch die Geräuschkulisse außerhalb der Lokale zu. Dies wirkt sich wiederum negativ auf die Lautstärke in Lokalen aus. Dadurch werden auch ruhige Cafés und Restaurants lauter.
- Überwiegend junge Gäste in Städten: Eine weitere Theorie bezüglich der zunehmenden Lautstärke in Lokalen betrifft die Demographie der Gäste in Städten. So gibt es dort überwiegend junge Gäste. Insbesondere junge Männer in Gruppen neigen häufiger zu lebhafterem Verhalten und bevorzugen lautere Musik.
- Zunehmende Schwerhörigkeit: Wenn man auch in ruhigen Cafés und Restaurants Gesagtes schlecht versteht, kann dies auf Schwerhörigkeit oder Presbyakusis hindeuten. Laut Angaben der WHO leidet weltweit jeder fünfte Mensch an Schwerhörigkeit, auch viele junge Menschen. 2050 soll bereits jeder vierte Mensch von einem Hörverlust betroffen sein.
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2. Folgen von Lärm und schlechtem Hören in Lokalen
Schlechtes Verstehen in Lokalen kann sich negativ auf die Betroffenen auswirken.
- Verlust von Freude: Wenn der Gesprächspartner im Lokal nicht verstanden wird, kann kein gutes Gespräch zustande kommen und man verliert den Spaß daran.
- Erschöpfung: Um Gesprächspartner in Lokalen zu verstehen, ist oft ein hohes Maß an Konzentration nötig. Dies kann zu Erschöpfung führen.
- Konflikte: Wenn Menschen das Gesagte falsch verstehen oder vorgeben es verstanden zu haben, kann es zu Missverständnissen und Konflikten kommen.
- Soziale Isolation: Da Gespräche in Lokalen oft anstrengend sind, werden diese von schwerhörigen Menschen gemieden, was zu Isolation führen kann.
- Hörverlust: Aufgrund des hohen Lärmpegels vieler Lokale, oft über 85 Dezibel, kann es langfristig zu einer Schädigung des Hörvermögens kommen. Kommt es aufgrund von Lärm zu einem Hörverlust, spricht man von Lärmschwerhörigkeit.
- Gewichtszunahme: Diverse Studien zeigen, dass Lärm in Lokalen nicht nur zu mehr, sondern auch ungesünderem Konsum führt, was zu einer Gewichtszunahme und gesundheitlichen Beschwerden führen kann.
Aufgrund der negativen Folgen empfehlen wir Ihnen, die Tipps in den nächsten Kapiteln zu berücksichtigen, um ruhige Cafés und ruhige Restaurants finden und dort wieder angenehm Gespräche führen zu können.
Gut zu wissen: Falls laute Geräusche, wie beispielsweise Lärm am Arbeitsplatz, für Sie zum Alltag gehören, ist es wichtig, Ihr Gehör mit einem passenden Gehörschutz wie Ohrstöpseln zu schützen oder andere Wege zu finden, wie Lärm vermindert werden kann.
3. Tipps für die Auswahl von ruhigen Cafés und Restaurants
3.1. Empfehlungen von Bekannten
Ruhige Cafés und Restaurants zu suchen und dementsprechend alle möglichen Lokale im Umkreis zu testen, ist schwer umsetzbar und teuer. Daher ist es sinnvoll, Menschen im Umfeld nach ruhigen Cafés und ruhigen Restaurants zu fragen. Es bietet sich besonders an, schwerhörige Menschen um Empfehlungen zu bitten.
3.2. Online-Bewertungen und Apps
Wenn Ihre Bekannten keine Empfehlungen zu ruhigen Cafés oder Restaurants für Sie haben, können Sie online nach Begriffen wie „Cafés zum Lernen“ oder „Cafés zum Arbeiten“ suchen und sich über Online-Bewertungen oder -Kommentare zur Lautstärke informieren.
Zudem gibt es eigene Apps, z. B. SoundPrint, über die ruhige Restaurants und Cafés entdeckt werden können. Nutzer geben dort an, wie laut es in diversen Lokalen ist. Aktuell wird diese App aber leider überwiegend im englischsprachigen Raum genutzt.
3.3. Webauftritt-Analyse: Merkmale von ruhigen Cafés und Restaurants
Sie möchten ein ruhiges Café oder Restaurant finden oder denken, eines gefunden zu haben? Wir empfehlen Ihnen, die Websites, Social-Media-Profile und Bewertungen von Lokalen (Google Maps, Tripadvisor, OpenTable) vor Ihrem Besuch zu analysieren, um zu erfahren, ob diese tatsächlich ruhig sind.

Ruhige Restaurants und Cafés verfügen oft über Möbel mit Stoffüberzug, Gummifüßen an den Stuhlbeinen, Raumtrenner und genügend Abstand zwischen den Tischen. Bildquelle: Louis Hansel
- Raumgröße: Ruhige Cafés und Restaurants haben oft kleinere Räume. Je größer der Raum ist, desto lauter kann er werden, da mehr Leute in einen großen Raum passen und gleichzeitig sprechen können.
- Deckenhöhe: Der Raum sollte nicht zu hoch oder gewölbt sein, da dadurch viel Schall reflektiert wird und es zu einem Stimmengewirr kommt. Ruhige Restaurants und Cafés haben oft niedrigere Decken oder schallabsorbierende Deckenpaneele.
- Bodenbelag: Je glatter und härter der Boden ist, beispielsweise Stein- oder Fliesenboden, desto mehr Schall wird reflektiert. Ruhige Cafés und Restaurants verfügen eher über Holz-, Kork- und Teppichboden.
- Wandverkleidung: Auch Wanddekoration findet sich häufig in ruhigen Cafés und Restaurants, weil diese den Schall absorbieren können. Beispiele dafür sind Wandteppiche, Baldachine, Tapeten oder eigens dafür designte Wanddekorationen.
- Fenster: In ruhigen Cafés und Restaurants sind häufig doppelt verglaste Fenster verbaut. Diese verbessern nicht nur die Raumakustik, sondern reduzieren auch Außengeräusche, was sich ebenfalls positiv auf die Geräuschkulisse im Lokal auswirkt.
- Stoffe: Ruhige Restaurants und Cafés verfügen oft über viele Stoffe, da diese gut darin sind, Schall zu absorbieren. So können Polster auf Bänken und Stühlen, Stoffbezüge auf Möbeln, Tischtücher und Vorhänge dabei helfen, die Raumakustik zu verbessern.
- Möbel: Ruhige Restaurants und Cafés haben oft bestoffte Möbel statt kahle Metalltische und -stühle. Zudem empfehlen sich schwere Tische und Stühle sowie Gummifüße an den Enden, da dadurch das Verrücken im Raum seltener und ruhiger stattfindet.
- Geräte: In ruhigen Cafés und Restaurants stehen keine lauten Maschinen im Gästeraum. Von Lokalen mit Geräten wie Kaffeemaschinen oder Küchen im Gastraum sollte man aufgrund der Lärmbelastung eher Abstand nehmen.
- Raumtrenner: Ruhige Cafés oder Restaurants haben Raumtrenner oder Trennwände, die das Lokal in schallgeschützte Nischen unterteilen. Dadurch wird verhindert, dass sich Geräusche und Stimmen zu sehr vermischen.
- Abstände: Ruhige Restaurants und Cafés sind oft durch eine gute Aufteilung im Raum und genügend Abständen zwischen den Tischen gekennzeichnet. Dadurch können Gespräche ungestört geführt werden.
- Licht: Wenn Sie in lauten oder auch in ruhigen Cafés und Restaurants gern zusätzlich von den Lippen ablesen, sollten Sie auch auf die Lichtverhältnisse in einem Lokal achten. Es sollte bei den Tischen eine gute Beleuchtung oder Fenster geben.
- Musik: In ruhigen Cafés und Restaurants gibt es eine moderate Hintergrundmusik. Von Lokalen mit lauter Hintergrundmusik und Live-Auftritten von Bands und Musikern sollte für ruhige Gespräche eher Abstand genommen werden.
- Gäste: Je nach Zielgruppe des Lokals gibt es unterschiedliche Gäste. Insbesondere in Gasthäusern mit Gruppen junger Gäste, lebhafter Stimmung und Alkoholkonsum kann es schnell zu laut für ein Gespräch werden.
- Uhrzeit: Es empfiehlt sich auch, zu recherchieren, wann das gewählte Lokal am häufigsten und am seltensten besucht wird. Auf Google Maps besteht die Möglichkeit, die aktuelle Auslastung im Lokal zu überprüfen und einen ruhigen Zeitpunkt für den Besuch zu finden.
- Umgebung: Zudem sollten Sie die Umgebung des Lokals analysieren. Stark befahrene Hauptstraßen, häufig frequentierte Fußgängerzonen und Baustellen können auch ruhige Restaurants und Cafés wesentlich lauter machen.
- Service: Achten Sie bei Bewertungen darauf, dass das Personal als freundlich beschrieben wird und es eine schriftliche Speisekarte gibt. Ansonsten kann es sein, dass es zu Missverständnissen bei der Bestellung kommt.
4. Tipps für besseres Hören in Lokalen
Sie haben ein Lokal ausgewählt, aber es ist nicht so ruhig, wie Sie es sich wünschen würden? Es gibt einige Dinge, die Sie tun können, um Ihr Verstehen zu verbessern.

Wenn Sie ein ruhiges Café oder Restaurant gefunden haben, sollten Sie versuchen, dort einen Eckplatz zu ergattern und gegenüber oder mit dem besser hörenden Ohr neben Ihrem Gesprächspartner zu sitzen. Bildquelle: OurWhisky Foundation
4.1. Ruhigen Platz ergattern
Sie sollten Ihren Platz möglichst in einem ruhigen Eck oder einem kleineren Raum wählen und Abstand von Musikboxen, Bühnen, Küche, Bar oder großen Gruppen nehmen. Sie können Ihre Platzwahl nicht nur persönlich oder am Telefon treffen, sondern auch bei Online-Buchungssystemen in Freitextfeldern angeben.
4.2. Passende Sitzposition finden
Wenn Sie einen ruhigen Platz ergattert haben, sollten Sie auch auf Ihre Sitzposition achten. Eine Möglichkeit ist, gegenüber von Ihrem Gesprächspartner zu sitzen, um von den Lippen ablesen zu können. Damit Sie genug Licht haben, sollten Sie mit dem Rücken zum Fenster sitzen. Alternativ können Sie sich mit dem besser hörenden Ohr zum Gesprächspartner platzieren.
4.3. Auf Gruppengröße achten
Je größer die Gruppe ist, mit der man in ein ruhiges Café oder Restaurant gehen möchte, desto schwerer wird es, Gesprächen folgen zu können. Daher empfiehlt es sich, lieber öfter, dafür aber mit weniger Leuten ein Lokal zu besuchen. Es sollte auch offen darüber gesprochen werden, wenn man früher gehen oder in ein bekanntlich lautes Lokal nicht mitkommen möchte.
4.4. Mitmenschen informieren
Man sollte seine Mitmenschen über die Schwerhörigkeit als Grund für die Wahl eines ruhigen Cafés oder Restaurants informieren. Zudem sollte man zum Umgang mit Schwerhörigkeit sensibilisieren und dem Gesprächspartner erklären, wie die Unterhaltung am besten gelingen kann, beispielsweise durch langsames, deutliches Sprechen, kurze Sätze und Gesprächspausen.
4.5. Personal informieren
Falls die Hintergrundmusik zu laut sein sollte, sollten Sie das Personal darum bitten, die Musik leiser zu drehen oder ganz abzustellen. Wenn zu wenig Licht zum Lippenlesen vorhanden ist, sollten Sie auch dies anmerken. Wesentlich ist auch Ihr Platz. Wenn es an diesem zu laut ist, sollten Sie um einen ruhigen Eckplatz bitten.
4.6. Klärungsstrategien nutzen
Wenn Sie Ihre Gesprächspartner oder das Personal im Lokal nicht verstehen, können Sie neben der Bitte nach Wiederholung auch andere Klärungsstrategien anwenden.
- Wenn Sie nur ein Wort verstanden haben, nennen Sie es, um weitere Informationen zu erhalten: „Was meinen Sie bezüglich des Getränks?“
- Wenn Sie einen großen Teil des Satzes verstanden haben, wiederholen Sie diesen bis auf den fehlenden Teil: „Sie sagten, wir sollen jetzt…?“
- Wenn Sie eine Formulierung nicht verstanden haben, können Sie um eine Umschreibung bitten: „Könnten Sie dies bitte anders formulieren?“
- Wenn Sie in einem langen Gespräch nicht alles verstanden haben, können Sie um Vereinfachung bitten: „Könnten Sie mir eine einfache Zusammenfassung geben?“
- Wenn die Sprechart des Gegenübers generell schwer zu verstehen ist, sollte um Anpassung gebeten werden: „Könnten Sie das etwas langsamer sagen?“
4.7. Hörgeräte verwenden
Hörgeräte sind die effektivste Möglichkeit, um wieder besser hören zu können. Viele Hörgeräte verfügen bereits über eigene „Restaurant“-Einstellungen, die in Lokalen bei Unterhaltungen helfen. Andere Geräte wie Mikrofone und Hörverstärker helfen in Lokalen hingegen nicht, da diese auch die Nebengeräusche im Lokal verstärken.
Gut zu wissen: Für Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust sind besonders moderne Hörgeräte wie Self-Fitting-Hörgeräte und Hearables geeignet, da diese komfortabel, einfach anpassbar, pflegeleicht, kostengünstig und ästhetisch sind.
Es gibt viele Gründe, warum Lokale immer lauter werden. Da dies jedoch zahlreiche negative Folgen nach sich zieht, sollten Sie ruhige Cafés und Restaurants auswählen. Dabei können Ihnen Empfehlungen, Online-Bewertungen, Apps und die Analyse von Webauftritten der Lokale weiterhelfen.
Für besseres Hören in Lokalen empfehlen wir Ihnen einen ruhigen Platz, eine passende Sitzposition, eine kleine Gruppengröße, offene Kommunikation mit Mitmenschen und Personal, Klärungsstrategien und Hörgeräte.
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