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Umgang mit Schwerhörigkeit und schwerhörigen Menschen

entiendoo Redaktion
06.12.2024
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Zwei Männer unterhalten sich

Bildquelle: Mizuno K

Die Verbreitung von Schwerhörigkeit weltweit steigt. Während derzeit jeder fünfte Mensch weltweit an einem Hörverlust leidet, wird 2050 bereits jeder vierte Mensch davon betroffen sein. Es sind aber nicht nur ältere Menschen schwerhörig: Fast 60 % der Menschen mit Hörverlust sind unter sechzig Jahre alt, wobei mehr Männer als Frauen betroffen sind.

Da Sie demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst in Ihrem Privatleben oder in Ihrem Beruf mit Schwerhörigkeit zu tun haben werden, möchten wir Ihnen in diesem Beitrag Tipps im Umgang mit schwerhörigen Menschen bzw. im Umgang mit Schwerhörigkeit geben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Schwerhörigkeit handelt es sich um einen Hörverlust, der unterschiedliche Ausprägungen, Arten, Ursachen und Folgen haben kann.
     
  • Symptome und Screenings können einen ersten Hinweis dazu liefern, ob eine Person schwerhörig ist. Um sicherzugehen, sollte jedoch immer ein Hörtest absolviert werden.
     
  • Tipps für den Umgang mit Schwerhörigkeit sind unter anderem Offenheit über den eigenen Hörverlust, Aufforderung zur Wiederholung des Gesagten bei fehlendem Verständnis und eine ruhige, gut beleuchtete Gesprächsumgebung.
     
  • Tipps im Umgang mit schwerhörigen Menschen sind beispielsweise langsames und deutliches Sprechen, kurze und klare Sätze mit gebräuchlichen Wörtern, Pausen im Gesprächsverlauf und der natürliche Einsatz von Mimik und Gestik.

1. Was ist Schwerhörigkeit?

Schwerhörigkeit liegt gemäß der WHO ab einer Hörschwelle von zwanzig Dezibel (dB) vor: Das bedeutet, dass erst ab dieser Lautstärke Töne wahrgenommen werden können. Schwerhörigkeit kann beidseitig oder einseitig, kurzfristig oder langfristig und plötzlich (Hörsturz) oder schleichend (Presbyakusis) auftreten. Es wird zwischen Innenohr-, Schallleitungs-, Schallwahrnehmungs- und kombinierter Schwerhörigkeit differenziert.

Die Ursachen variieren. Schwerhörigkeit kann genetisch bedingt sein oder durch Krankheiten wie Morbus Menière und Verletzungen wie ein Loch im Trommelfell ausgelöst werden. Zudem kann gesundheitsschädigendes Verhalten wie Alkoholkonsum, Rauchen, die Einnahme von ototoxischen Medikamenten, Stress und Lärmbelastung, zum Beispiel durch Lärm am Arbeitsplatz, Schwerhörigkeit begünstigen.

Gut zu wissen: Auch übermäßiges Ohrenschmalz oder Wasser im Ohr können zu einem vorübergehenden Hörverlust führen.

Schwerhörigkeit kann zahlreiche negative Folgen nach sich ziehen. So kann es aufgrund mangelnder Kommunikation mit den Mitmenschen zu Isolation, Ängsten und Depressionen kommen. Schwerhörigkeit und Psyche stehen also eng miteinander in Verbindung. Zudem ist Schwerhörigkeit auch einer der größten Risikofaktoren für Demenz. Weitere körperliche Folgen sind Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen.

Es gibt zwar verschiedene Behandlungsansätze für Schwerhörigkeit, oft kann Schwerhörigkeit jedoch nicht geheilt werden. Daher sollten Sie selbst den Umgang mit Schwerhörigkeit im Alltag erlernen. Im weiteren Verlauf des Beitrags geben wir Ihnen detaillierte Tipps im Umgang mit schwerhörigen Menschen und mit Ihrer eigenen Schwerhörigkeit.

2. Woran erkennt man Schwerhörigkeit?

Sie sind sich nicht sicher, ob Sie oder Personen in Ihrem Umfeld an Schwerhörigkeit leiden? Im Folgenden führen wir mehrere Möglichkeiten an, wie Sie dies überprüfen können.  

2.1. Symptome

Es gibt verschiedene Symptome, die bei Ihnen selbst auf Schwerhörigkeit hindeuten können, beispielsweise:  

  • Sie hören Sprache und andere Geräusche gedämpft.
  • Sie können hohe Töne wie Kinderstimmen oder Vogelgezwitscher nur schlecht hören.
  • Sie hören insbesondere an lauten Orten und bei Hintergrundgeräuschen schlecht. 
  • Sie verstehen Wörter schlecht und haben das Gefühl, dass Leute undeutlich sprechen.
  • Sie fordern andere Personen häufig auf, langsamer, deutlicher und lauter zu sprechen.
  • Sie bitten andere Personen oft, das Gesagte zu wiederholen.
  • Sie halten sich häufig von lauteren sozialen Situationen fern.
  • Sie drehen häufig die Lautstärke von Fernseher, Radio oder Telefon lauter.
  • Sie leiden unter Ohrgeräuschen wie Pfeifen oder Klingeln, bekannt als Tinnitus.
  • Sie erleben manchmal Gleichgewichtsstörungen und Schwindelgefühle.

Wenn jemand häufig den Fernseher lauter stellt, kann dies ein Anzeichen für Schwerhörigkeit sein. Bildquelle: Kaboompics.com

An diesen Symptomen können Sie erkennen, ob Menschen in Ihrem Umfeld an Schwerhörigkeit leiden:  

  • Die Person schaut beim Reden konzentriert auf Ihr Gesicht und Ihre Lippen.
  • Die Person stellt sich beim Reden näher an Sie heran.
  • Die Person legt manchmal ihre Hand hinter das Ohr, um besser zu verstehen.
  • Die Person fragt häufig nach, was gesagt wurde.
  • Die Person antwortet häufig falsch oder unpassend.
  • Die Person reagiert auf manche Aussagen unpassend oder unlogisch.
  • Die Person reagiert auf Ansprechen von der Seite oder hinten nicht.
  • Die Person spricht auch in ruhigen Umgebungen relativ laut.
  • Die Person stellt Fernseher oder Radio auf eine sehr hohe Lautstärke. 
  • Die Person vermeidet Telefonate und Treffen in lauten Umgebungen.

2.2. Screening

Auch das folgende Screening kann Hinweise dazu liefern, ob Schwerhörigkeit vorliegt.  

  1. Fühlen Sie sich bei Treffen mit anderen Leuten unbehaglich, weil Sie schlecht hören?
  2. Ist es wegen eines Hörproblems frustrierend für Sie, sich mit jemandem aus der Familie zu unterhalten?
  3. Bereitet es Ihnen Hörschwierigkeiten, wenn etwas nur geflüstert wird?
  4. Fühlen Sie sich durch eine Hörstörung im Alltag regelrecht behindert?
  5. Haben Sie bei Besuchen von Freunden, Verwandten oder Nachbarn Hörprobleme?
  6. Gehen Sie wegen Hörproblemen seltener zu Veranstaltungen, als Sie eigentlich möchten?
  7. Sind Ihre Hörprobleme der Grund für Streit mit anderen Familienmitgliedern?
  8. Haben Sie Schwierigkeiten, beim Fernsehen oder am Radio alles zu hören?
  9. Fühlen Sie sich im Privat- oder sozialen Leben durch irgendeine Hörstörung eingeschränkt?
  10. Wird ein Restaurantbesuch mit Verwandten oder Freunden durch ein Hörproblem erschwert? 

Für die Auswertung gilt: Wenn Sie eine Frage mit „ja“ beantworten, werden vier Punkte gezählt, bei „manchmal“ zwei Punkte und bei „nein“ null Punkte. Wenn Sie mehr als zehn Punkte haben, haben Sie vermutlich einen Hörverlust, der weiterer Abklärung bedarf.

Gut zu wissen: Sie wollen ruhige Cafés und Restaurants finden oder beim Fernsehen besser hören? In anderen Beiträgen bieten wir Ihnen zahlreiche Tipps, wie Ihnen der Umgang mit Schwerhörigkeit in diesen Situationen besser gelingen kann.

2.3. Hörtest 

Wenngleich die Überprüfung von Symptomen und die Durchführung des Screenings eine schnelle erste Hilfestellung für die Erkennung eines Hörverlusts bieten können, sollten Sie für fundiertere Erkenntnisse unbedingt einen Hörtest absolvieren.  

Wir bieten Ihnen einen gratis Online-Hörtest, den Sie jetzt bequem von zuhause aus machen können. Als Ergebnis erhalten Sie ein Audiogramm. Bei einem leichten oder mittleren Hörverlust empfehlen wir Ihnen direkt im Anschluss für Sie geeignete Hörlösungen.

Symptome, Screening und Hörtest deuten bei Ihnen auf Schwerhörigkeit hin? Im nächsten Kapitel erfahren Sie, wie Sie Ihren Umgang mit Schwerhörigkeit im Alltag meistern können.

Sie haben Menschen in Ihrem Umfeld, von denen Sie wissen oder vermuten, dass diese an einem Hörverlust leiden? Im letzten Kapitel geben wir Ihnen Tipps im Umgang mit schwerhörigen Menschen, damit die Kommunikation wieder besser gelingen kann.

3. Tipps für Ihren Umgang mit Schwerhörigkeit im Alltag  

Wie bereits oben angeführt, kann Schwerhörigkeit zahlreiche negative Folgen nach sich ziehen. Besonders fehlende Kommunikation mit dem Umfeld und Isolation können hohen Leidensdruck erzeugen. Die taubblinde Schriftstellerin Helen Keller bringt es auf den Punkt: „Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den Menschen.“  

Daher möchten wir im Folgenden einige Tipps anführen, wie Sie Ihren Umgang mit Schwerhörigkeit im Alltag meistern können.

Achten Sie beim Umgang mit Schwerhörigkeit auf einen ruhigen, hellen Treffpunkt. Bildquelle: Katrin Bolovtsova

  • Seien Sie offen in Ihrem Umgang mit Schwerhörigkeit. Es ist kein Makel, schwerhörig zu sein. Tragen Sie Ihre Hörgeräte sichtbar und machen Sie Ihren Gesprächspartner auf Ihren Hörverlust aufmerksam, damit Ihr Gesprächspartner darauf Rücksicht nehmen und mit Verständnis reagieren kann.
     
  • Erklären Sie Ihrem Gesprächspartner, wie der Umgang mit hörbeeinträchtigten Menschen am besten gelingen kann. Viele Menschen denken, dass sie schreien müssen, um von schwerhörigen Menschen verstanden zu werden. Erklären Sie, dass langsames, deutliches Sprechen in normaler Lautstärke ideal ist.
     
  • Sprechen Sie so, wie Sie es gern von Ihrem Gesprächspartner hätten. Es kann vorkommen, dass Ihr Gesprächspartner auf Ihre Hörminderung vergisst. Wenn Sie selbst langsam und deutlich sprechen, kann sich dies auf Ihren Gesprächspartner übertragen und seinen Umgang mit Schwerhörigkeit verbessern.
     
  • Täuschen Sie nicht vor, etwas verstanden zu haben, sondern bitten Sie um Wiederholung. Ansonsten kann es zu Missverständnissen und Konflikten kommen, weil Ihr Gesprächspartner denken könnte, Sie würden nicht zuhören und hätten kein Interesse an ihm bzw. der Unterhaltung.
     
  • Achten Sie im Umgang mit Schwerhörigkeit auf eine Umgebung, die Ihrem Hörverlust entgegenkommt. Suchen Sie im Internet nach ruhigen Cafés und Restaurants. Zudem sollte der Ort gut beleuchtet sein, damit Sie von den Lippen ablesen können. Ein Fenster- oder Eckplatz bietet sich oft an.
     
  • Platzieren Sie sich so, dass Sie Ihren Gesprächspartner gut verstehen können. Setzen Sie sich gegenüber von Ihrem Gesprächspartner, um Mimik besser erkennen und von den Lippen ablesen zu können. Alternativ sollten Sie so sitzen, dass Sie Ihrem Gesprächspartner Ihr besser hörendes Ohr zuwenden können.
     
  • Halten Sie sich in Gruppen an Personen, die Ihnen das Gesagte wiederholen. Wenn Sie in einer Gruppe nicht dem Gespräch folgen können, wiederholen Sie in eigenen Worten das, was Sie verstanden haben. Dann wissen die anderen Personen, wo sie ansetzen können. Auch Humor hilft im Umgang mit Schwerhörigkeit.

4. Tipps im Umgang mit schwerhörigen Menschen

Wenn jemand in Ihrem Umfeld häufig um Wiederholung des Gesagten bittet, sicher näher an Sie heran stellt, die Hand hinter das Ohr legt, konzentriert auf Ihre Lippen schaut, falsch oder unpassend antwortet oder gar nicht reagiert, könnte diese Person schwerhörig sein. 

Sie denken, dass das bei manchen Personen in Ihrem Umfeld der Fall sein könnte? Im Folgenden führen wir einige Tipps und Regeln im Umgang mit schwerhörigen Menschen an, damit die Kommunikation wieder so einfach ist, wie sie es sein sollte.

  • Sprechen Sie im Umgang mit schwerhörigen Menschen langsam, deutlich, ruhig und in einer normalen Lautstärke. Schwerhörigkeit hat nicht immer mit der Lautstärke zu tun und die Hörgeräte sind von der Lautstärke oft passend eingestellt. Zudem reagieren schwerhörige Menschen häufig empfindlich auf laute Geräusche. 
     
  • Bilden Sie kurze, klare Sätze mit gebräuchlichen Worten. Längere, komplizierte Sätze mit vielen Eigennamen erschweren das Verständnis. Wenn ein Wort nicht verstanden wird, sollten Sie es aufschreiben. Auch wichtige Informationen wie Termine, Adressen und Namen sollten notiert werden. 
     
  • Legen Sie im Umgang mit hörgeschädigten Menschen immer wieder Pausen beim Reden ein. Schwerhörige Menschen müssen sich bei Gesprächen stark konzentrieren und sind dadurch schneller erschöpft. Daher sollten Sie immer wieder Pausen im Gespräch einlegen und auch in den Pausen auf Smalltalk verzichten.
     
  • Bleiben Sie geduldig, wenn die schwerhörige Person nicht wie erwartet reagiert. Das fehlende Verständnis hat nichts damit zu tun, dass schwerhörige Menschen nicht zuhören wollen, sondern es nur eingeschränkt können. Im Umgang mit Schwerhörigkeit sollten Vorwürfe und Auslachen unbedingt vermieden werden.
     
  • Seien Sie verständnisvoll, wenn die schwerhörige Person Sie nicht wahrnimmt oder nicht auf Sie reagiert. Nähern Sie sich bei einem Treffen am besten von vorne, damit sich die Person nicht erschreckt. Durch Blickkontakt können Sie herausfinden, ob die schwerhörige Person auf Sie aufmerksam geworden ist.
     
  • Nutzen Sie natürliche Mimik, Gestik und Körpersprache, um das Gesagte zu unterstreichen. Zu einem achtsamen Umgang mit Schwerhörigkeit zählt die Zuwendung zu der Person und Blickkontakt, damit die schwerhörige Person weiß, dass Sie mit ihr sprechen und sie gegebenenfalls von den Lippen ablesen kann.
     
  • Ermöglichen Sie es, von Ihren Lippen abzulesen. Das hilft schwerhörigen Menschen beim Verständnis. Zu einem rücksichtsvollen Umgang mit Schwerhörigkeit gehört daher, sich beim Reden nicht von der schwerhörigen Person abzuwenden, nicht zu essen oder zu rauchen und nicht die Hand vor Ihren Mund zu halten.
     
  • Überlassen Sie schwerhörigen Menschen die Wahl des Treffpunkts. Oft kennen schwerhörige Menschen ruhige Lokale, die die Kommunikation zwischen Ihnen erleichtert. Zeigen Sie auch bei der Platzwahl Verständnis: Die schwerhörige Person weiß meistens am besten, wie sie sitzen muss, um Sie am besten zu verstehen.
     
  • Integrieren Sie die schwerhörige Person in Gruppengespräche. Schwerhörige Menschen fühlen sich oft aus Gesprächen ausgeschlossen. Zu einem einfühlsamen Umgang mit Schwerhörigkeit gehört, immer wieder nachzufragen, ob alles verstanden wurde, und das Gesagte, auch humorvolle Pointen, zu wiederholen.
     
  • Achten Sie auf einen besseren Umgang mit Schwerhörigkeit in Gruppen. Dafür sollten Sie andere Personen sensibilisieren. Die Gesprächsteilnehmer sollten möglichst hintereinander und nicht alle durcheinander sprechen. In formelleren Umgebungen empfiehlt es sich, einen Sprechstab oder -ball einzusetzen. 

Zu den besten Tipps im Umgang mit schwerhörigen Menschen zählt, darauf zu achten, dass immer nur eine Person redet und schwerhörige Menschen im Gruppengespräch involviert sind. Bildquelle: fauxels

Es bleibt festzuhalten, dass Schwerhörigkeit weltweit zunimmt – auch unter jüngeren Menschen – und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Personen in Ihrem Umfeld oder sogar Sie selbst betreffen könnte. Aufgrund der zahlreichen negativen Folgen ist es wichtig, den Hörverlust ernst zu nehmen und den Umgang mit Schwerhörigkeit zu erlernen. Wenn Sie unsere Tipps im Umgang mit schwerhörigen Menschen befolgen, wird die Kommunikation wieder besser gelingen.

Sie wollen wieder besser hören oder einer Person in Ihrem Umfeld dabei helfen? Die effektivste Möglichkeit, um wieder besser hören zu können, ist die Verwendung eines Hörgeräts. Für Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust sind insbesondere moderne Hörgeräte geeignet.

Sie wollen in Ihrem Umgang mit Schwerhörigkeit auch begleitende Maßnahmen für ein besseres Hörvermögen in Ihrem Alltag setzen? Dann erfahren Sie jetzt, wie Ihnen Supplements, Hörtraining und Sport dabei helfen können.