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Valsalva-Manöver: Durchführung, Tipps und Risiken

entiendoo Redaktion
11.06.2025
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Eine Frau führt das Valsalva-Manöver durch

Bildquelle: RomArt production

Das Valsalva-Manöver ist eine vielseitig einsetzbare Technik mit langer Geschichte. Es wird jedoch wie häufig vermutet nicht nur zum Druckausgleich beim Fliegen oder Tauchen eingesetzt, sondern auch in der Notfallmedizin: So kann das Valsalva-Manöver bei Herzrhythmusstörungen helfen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter dem Valsalva-Manöver steckt, wie es wirkt, wann es sinnvoll ist und wann Vorsicht geboten sein sollte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Valsalva-Manöver ist eine Atemtechnik, bei der durch kräftiges Ausatmen gegen geschlossene Atemwege der Druck in Kopf-, Brust- und Bauchraum erhöht wird.
     
  • Das Anwenden des Valsalva-Manövers kann den Vagusnerv stimulieren und so beruhigend auf den Kreislauf wirken, aber auch zum Druckausgleich für die Ohren genutzt werden.
     
  • Es gibt drei Varianten des Valsalva-Manövers: das klassische Valsalva-Manöver, das modifizierte Valsalva-Manöver und das umgekehrte Valsalva-Manöver.
     
  • Das Valsalva-Manöver wird vielseitig angewendet – etwa zum Druckausgleich beim Fliegen oder Tauchen, zur medizinischen Behandlung und im Kraftsport.
     
  • Das Valsalva-Manöver kann Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall und Brustschmerzen verursachen und sollte bei bestimmten Vorerkrankungen vermieden werden.
     
  • Für eine sichere Anwendung des Valsalva-Manövers sollte es exakt nach Anleitung durchgeführt werden. Bei negativen Reaktionen sollte es abgebrochen und ärztlicher Rat eingeholt werden.
     
  • Als Alternativen zum Valsalva-Manöver können auch Kieferbewegungen wie Kauen oder das Frenzel-Manöver für den Druckausgleich verwendet werden.

1. Definition: Was ist das Valsalva-Manöver?

Das Valsalva-Manöver ist eine Atemtechnik, bei der versucht wird, kräftig auszuatmen, während Mund und Nase geschlossen sind. Benannt ist das Manöver nach dem italienischen Arzt Antonio Maria Valsalva, der es bereits im 18. Jahrhundert zur Untersuchung und Behandlung des Mittelohrs nutzte.

2. Wirkung des Valsalva-Manövers

Durch die Anwendung des Valsalva-Manövers wird der Druck in den Nebenhöhlen, im Innenohr, im Bauchraum und in der Brust erhöht. So hat das Valsalva-Manöver einen sofortigen Effekt, wenn man einen Druckausgleich durchführen möchte.

Ein Mann sitzt in einem Flugzeug und sieht aus dem Fenster

Reisen im Flugzeug stellen eine der gängigsten Situationen dar, in denen man den Druckausgleich mithilfe des Valsalva-Manövers durchführt. Bildquelle: abezikus

Der erhöhte Druck im Brustkorb löst im Körper eine Reihe von komplexen Reaktionen aus, was häufig auch als Valsalva-Welle bezeichnet wird. Unter anderem wird der Vagusnerv angeregt, was beruhigend auf den Kreislauf wirken kann. Für diesen Effekt muss der Druck für mindestens 10 bis 15 Sekunden gehalten werden. 

Man kann den physiologischen Ablauf der Wirkungsweise (bei Halten des Drucks für 15 Sekunden) in vier Phasen einteilen:

  • Phase 1: Beim Pressen gegen die geschlossene Atemöffnung entsteht ein hoher Druck im Brustkorb. Das Herz pumpt kurzzeitig mehr Blut in den Körper: Dadurch wird zunächst mehr Blut in die linke Herzkammer befördert.
     
  • Phase 2: Nach ein paar Sekunden lässt der Blutfluss zum Herzen nach, weil der hohe Druck den Rückstrom aus dem Körper blockiert. Das Herz pumpt dadurch weniger Blut durch den Körper. Als Ausgleich ziehen sich die Blutgefäße zusammen und der Blutdruck steigt.
     
  • Phase 3: Sobald man wieder normal atmet, fällt der Druck im Brustkorb ab. Die Blutgefäße in der Lunge füllen sich erneut. Das Herz braucht aber einen Moment, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen: Der Blutfluss bleibt kurzzeitig vermindert.
     
  • Phase 4: Nach wenigen Sekunden pendelt sich alles wieder ein: Blutfluss, Herzleistung und Blutdruck kehren zum Normalzustand zurück. Der Kreislauf stabilisiert sich.

3. Durchführung des Valsalva-Manövers

Das Valsalva-Manöver wird durchgeführt, indem man versucht, kräftig gegen den geschlossenen Mund und die geschlossene Nase auszuatmen.

3.1. Klassisches Valsalva-Manöver

Das klassische Valsalva-Manöver funktioniert folgendermaßen:

1. Setzen oder legen Sie sich hin.
2. Atmen Sie tief ein und halten Sie die Luft an.
3. Schließen Sie den Mund und halten Sie sich die Nase zu. 
4. Pressen Sie, so als müssten Sie auf die Toilette gehen.
5. Halten Sie diesen Druck etwa 10 bis 15 Sekunden lang.
6. Abschließend atmen Sie aus.

Warten Sie mindestens eine Minute, bevor Sie das Valsalva-Manöver erneut versuchen.

Ein Mädchen macht das Valsalva Manöver unter Wasser

Eine gängige Situation, in der das klassische Valsalva-Manöver angewandt wird, ist der Druckausgleich beim Tauchen. Bildquelle: EyeEm Mobile GmbH

3.2. Modifiziertes Valsalva-Manöver

Beim modifizierten Valsalva-Manöver sollten Sie direkt nach dem Ausatmen den Oberkörper flach hinlegen und die Beine leicht anheben. Diese Position sollten Sie etwa 45 Sekunden lange halten. Dadurch fließt mehr Blut zurück zum Herzen, was den beruhigenden Effekt über den Vagusnerv verstärkt.

Studien zeigen, dass diese Variante des Valsalva-Manövers bei Herzrasen dreimal erfolgreicher ist als das klassische Valsalva-Manöver. Zudem können Patienten auch eher auf Medikamente verzichten, wodurch es seltener zu Nebenwirkungen kommt.

3.3. Umgekehrtes Valsalva-Manöver

Beim umgekehrten Valsalva-Manöver sitzen Sie aufrecht und atmen sanft aus. Während Sie Ihren Mund fest verschließen und Ihre Nase zuhalten, versuchen Sie etwa zehn Sekunden lang gegen Widerstand einzuatmen. Diese Maßnahme soll die Aktivität des Vagusnervs erhöhen und so den Körper beruhigen.

4. Anwendungsbereiche des Valsalva-Manövers

Das Valsalva-Manöver wird sowohl in der Medizin als auch im Alltag vielfach angewandt. So wird es beispielsweise genutzt, um akuten Schluckauf zu lindern und beim Druckausgleich unter Wasser oder in der Luft zu helfen. Auch Herz und Valsalva-Manöver stehen miteinander in Verbindung, weshalb es in der Kardiologie häufig zum Einsatz kommt. In den folgenden Abschnitten gehen wir näher darauf ein.

4.1. Valsalva-Manöver auf Reisen

Das Valsalva-Manöver wird häufig von Menschen auf Reisen bei Veränderungen des Luftdrucks angewandt, um den Druck im Mittelohr an den steigenden Umgebungsdruck anzupassen. Situationen, bei denen sich die Druckverhältnisse verändern, sind beispielsweise das Reisen im Flugzeug, Tauchen (Scuba Diving) oder Bergsteigen.

4.2. Valsalva-Manöver im Kraftsport

Die Anwendung des Valsalva-Manövers wird auch im Kraftsport – also dem Trainieren mit Gewichten – genutzt. Hierbei dient der erzeugte innere Druck im Bauch und im Brustkorb dazu, den Oberkörper bei schweren Kraftübungen zu stabilisieren.

Ein Mann gibt einer Frau Anweisungen beim Krafttraining

Gute Rumpfstabilisation ist beim Heben von Gewichten essenziell. Das Valsalva-Manöver kann dabei sehr hilfreich sein. Bildquelle: Ketut Subiyanto

4.3. Valsalva-Manöver in der Notfallmedizin

In der Notfallmedizin wird das Valsalva-Manöver bei Herzrasen angewandt. Dabei handelt es sich um einen sehr schnellen Herzschlag, der bei Unruhe oder Panikattacken auftritt. Mit dem Valsalva-Manöver gelingt es häufig, den Herzschlag ohne Medikamente zu verlangsamen. Dafür wird durch ein modifiziertes Valsalva-Manöver ein starker Druck im Brustkorb aufgebaut, um den Vagusnerv zu aktivieren. Dadurch kann der Herzschlag beruhigt werden.

Bei diesem modifizierten Valsalva-Manöver liegen Sie auf dem Rücken und pressen für etwa 15 Sekunden kräftig, als wolle man die Luft bei zugehaltener Nase und geschlossenem Mund herausdrücken. Durch die Rückenlage fließt mehr Blut zum Herzen, was den Effekt noch verstärkt.

4.4. Valsalva-Manöver in anderen medizinischen Bereichen

Auch in anderen medizinischen Bereichen kommt das Valsalva-Manöver zum Einsatz:

  • In der Gefäßmedizin wird das Valsalva-Manöver angewandt, um Beinvenen besser sichtbar zu machen und die Funktion der Venenklappen zu prüfen. Dabei beobachtet man vor allem, ob es in der Leiste oder im Bein zu einem gestörten Blutabfluss kommt.
     
  • Auch in der Gynäkologie und Geburtshilfe kommt das Valsalva-Manöver zum Einsatz. In der Gynäkologie hilft das Valsalva-Manöver bei der Untersuchung des Beckenbodens und der Blase. In der Geburtshilfe kommt es manchmal als sogenanntes „Power-Pressen“ zum Einsatz, um den Geburtsvorgang zu unterstützen.
     
  • In der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde wird das Valsalva-Manöver genutzt, um zu prüfen, ob die Eustachische Röhre – die Verbindung zwischen Nase und Mittelohr – offen ist und ob das Trommelfell unbeschädigt ist. Bei Kindern wird es außerdem regelmäßig empfohlen, um eine anhaltende Belüftungsstörung im Mittelohr zu verbessern.
     
  • Das Valsalva-Manöver kann zudem in der Orthopädie helfen, Schädigungen im Bereich der Halswirbelsäule zu erkennen. Durch den kurzfristigen Anstieg des Drucks im Wirbelkanal kann sich eine Nervenreizung – etwa verursacht durch einen Bandscheibenvorfall – vorübergehend intensiver bemerkbar machen und so auf das Problem hinweisen.

5. Tipps zur sicheren Durchführung des Valsalva-Manövers

Es gibt einige Dinge, die Sie beachten sollten, wenn Sie das Valsalva-Manöver durchführen wollen.

Tipp 1: Vorerkrankungen vor Anwendung des Valsalva-Manövers abklären
Wenn Sie an chronischen Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhtem Augeninnendruck oder Problemen mit dem Blutdruck leiden, kann das Valsalva-Manöver gefährlich sein. Sprechen Sie daher vor der Anwendung mit Ihrem Arzt des Vertrauens.

Tipp 2: Valsalva-Manöver nicht bei akuten Beschwerden anwenden
Verzichten Sie auf das Manöver, wenn Sie unter Atemnot, Brustschmerzen, Ohrenschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen leiden. Diese Symptome können auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen.

Tipp 3: Valsalva-Manöver gemäß Anweisung durchführen
Führen Sie das Manöver genauso durch, wie es in Anleitungen beschrieben wird, um Nebenwirkungen wie Schwindel oder Kreislaufabfall vorzubeugen.

Tipp 4: Druck nicht zu lange aufrechterhalten
Halten Sie den aufgebauten Druck nur für etwa 10 bis maximal 15 Sekunden. Ein zu langes Pressen kann den Kreislauf belasten und zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

Tipp 5: Keine übermäßige Kraft anwenden
Pressen Sie nicht zu stark: Ein moderater Druck reicht meist aus. Zu heftiges Pressen kann zu Schäden am Trommelfell oder den Augen führen.

Tipp 6: Die eigene Reaktion des Körpers beobachten
Brechen Sie das Manöver sofort ab, wenn Sie Schmerzen in der Brust, im oberen Rücken, dem Nacken, den Armen oder den Schultern wahrnehmen. Auch bei Kurzatmigkeit, Schwindel, Ohnmacht oder einem allgemeinen Schwächegefühl sollten Sie medizinische Hilfestellung suchen.

6. Risiken bei der Anwendung des Valsalva-Manövers

Aufgrund der vielfachen Anwendungsmöglichkeiten stellt sich die Frage, ob das Valsalva-Manöver gefährlich sein kann. Das Valsalva-Manöver sollte in der Tat bei bestimmten Vorerkrankungen und unter bestimmten Umständen nur nach Rücksprache mit einem Arzt durchgeführt werden. Folgend gehen wir auf mögliche Nebenwirkungen ein und erklären, wann Sie das Valsalva-Manöver lieber nicht anwenden sollten.

Nahaufnahme von einem Auge mit implantierter Linse

Unter bestimmten Umständen kann das Valsalva-Manöver gefährlich sein, beispielsweise nach Augenoperationen oder im Falle von implantierten Linsen. Bildquelle: Engin Akyurt

6.1. Mögliche Nebenwirkungen des Valsalva-Manövers

Durch die Anwendung des Valsalva-Manövers kann es unter anderem zu folgenden unerwünschten Nebenwirkungen kommen:

  • Benommenheit
  • Blutdruckabfall
  • Brustschmerzen
  • Erhöhung des Augeninnendrucks
  • Herzrhythmusstörungen
  • Kurzatmigkeit
  • Schäden an der Netzhaut
  • Schmerzen im Rücken- und Schulterbereich
  • Schwächegefühl
  • Verletzungen des Trommelfells

Treten diese Symptome bei Ihnen auf, sollten Sie unbedingt einen Notarzt rufen oder sich in die Notaufnahme begeben.

6.2. Erkrankungen, die gegen ein Valsalva-Manöver sprechen

Sie sollten das Valsalva-Manöver nicht anwenden, wenn Sie unter einem der folgenden Umstände leiden:

  • Augenerkrankungen wie Retinopathie, etwa infolge von Diabetes
  • Erhöhter Augeninnendruck
  • Erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt
  • Herzrhythmusstörung
  • Hoher Bluthochdruck
  • Implantierte Linse
  • Ohrenschmerzen oder akute Ohrenentzündung
  • Operation an den Ohren (kürzlich durchgeführt)
  • Schneller Herzschlag und zusätzlich Atemnot, Brustschmerzen oder Schwindel 

Gut zu wissen: Sie leiden unter Ohrenschmerzen? Wir haben einen eigenen Beitrag über Tipps und Hausmittel bei Ohrenschmerzen verfasst.

7. Alternativen zum Valsalva-Manöver

Bei Druck auf den Ohren gibt es auch andere Methoden zum Druckausgleich. Dazu gehören:

  • Bewegungen im Mund- und Rachenraum: Vorgänge wie Gähnen, Schlucken oder das Kauen von Kaugummi aktivieren bestimmte Muskelgruppen, die die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) öffnen. Auf diese Weise kann eingeschlossene Luft entweichen.
     
  • Frenzel-Manöver: Beim Frenzel-Manöver wird ein Druckausgleich im Mittelohr nicht durch die Atemmuskulatur, sondern durch gezielte Bewegung der Zungen- und Rachenmuskeln erzeugt. Dabei verschließt man Mund und Nase vollständig und versucht, ohne Ausatmung mit der Stimme ein „K“ oder „T“ zu bilden.

 

Das Valsalva-Manöver ist mehr als nur ein einfacher Atemtrick: Es ist ein bewährtes Mittel zur Unterstützung der Körperregulation in verschiedenen medizinischen und alltäglichen Situationen. Richtig angewendet kann es unter anderem helfen, Ohrendruck auszugleichen und die Herzfrequenz zu regulieren. Dennoch gilt: In manchen Fällen kann das Valsalva-Manöver gefährlich sein und nicht jeder Mensch sollte es durchführen. Wer die Technik korrekt anwendet und mögliche Risiken beachtet, kann das Valsalva-Manöver jedoch effektiv nutzen.

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